Das Herz 
in und an die USA verloren

REISE  Mara war ein Jahr in Amerika

Die Holzhäuser Mara Vielhauer hat während eines Auslandsjahres in Amerika ihre große Liebe getroffen: Dawson Rozeboom. (Foto: Mara Vielhauer)
Mara Vielhauer (vorne) mit ihrer Gastfamilie auf Sightseeing-Tour am Mount Rushmore. (Foto: Mara Vielhauer)
Wieder zurück in Holzhausen wurde Mara Vielhauer von Familie und Freunden begrüßt - stilecht in einem Ami-Pick-up. (Foto: Mara Vielhauer)
Wie man es aus amerikanischen Filmen kennt: Der Abschlussball am Ende der Highschool-Jahre, der sogenannte Prom, ist für viele Amerikaner einer der Höhepunkte. (Foto: Mara Vielhauer)
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Mara Vielhauers Augen leuchten, wenn sie von ihrer Zeit in den Vereinigten Staaten spricht. Ein Jahr lang war die Schülerin dort; 7300 Kilometer entfernt von zuhause. Sie lebte fast 365 Tage bei einer Gastfamilie in Harrisburg, einer 4000-Einwohner-Stadt in South Dakota, nahe Sioux Falls. Mara besuchte die dortige Schule, machte quasi die elfte Klasse in den USA.

Bereits mit 15 Jahren wuchs bei der Hinterländerin der Wunsch, in die Vereinigten Staaten zu reisen. „Ich habe mich schon immer für die Sprache, die Kultur und das Land interessiert“, sagt sie. In Englisch wollte sie zudem noch besser werden. „Und am besten lernt man eine Sprache natürlich vor Ort.“ Sie und ihre Familie machten sich auf die Suche nach Organisationen, die die Reise ermöglichen könnten. Fündig wurden sie bei „International Experience“, einem Verbund gemeinnütziger, weltweit tätiger Schüleraustauschorganisationen. „Dafür haben wir uns letztlich entschieden“, sagt Mara.

Dann startete die ellenlange Vorbereitung, erinnern sich Mara und ihre Mutter Christine. Die Beantragung eines gültigen Visa, Briefe an potenzielle Gastfamilien, Gesundheitschecks, Unterlagen der Schule, Versicherung ... „Es war wirklich viel zu organisieren“, sagt Christine Vielhauer. „Doch Mara war mit Feuereifer dabei. Das hat mir auch gezeigt, dass sie das wirklich will und es nicht nur eine fixe Idee ist“, sagt die Mutter, sichtlich stolz.

Parallel dazu machte sich Mara mit ihrer Gastfamilie und anderen Jugendlichen aus Harrisburg bekannt. Die sozialen Netzwerke machen es möglich. „Über Skype, Facetime und Co. habe ich schon einige Kontakte aufgebaut“, berichtet sie.

Dann wurde es ernst: Am 11. August vergangenen Jahres ging ihr Flug. „Mit zwei Koffern machte ich mich auf den Weg. Darin waren aber vor allem Gastgeschenke. Ich glaube, ich hatte nur zwei Hosen mit“, sagt sie lachend. Den Großteil an Kleidung und Alltagsgegenständen besorgte sie sich in Amerika - klar, für ein ganzes Jahr kann man nicht im Voraus packen. Es folgte ein Zwölf-Stunden-Flug, den Mara aber gut überstand. „Ich war natürlich aufgeregt, habe mich aber vor allem auf die Zeit gefreut.“

Mara ist sich sicher: „Einen solchen School-Spirit wie dort, das gibt es in Deutschland nicht“

Diese startete erstmal geruhsam. „Ich hatte zwei Wochen Zeit, um mich erstmal einzugewöhnen. Erst dann begann die Schule“, so Mara. Und jener Alltag in der Schule war dann tatsächlich komplett anders, als sie es von Deutschland gewöhnt war. „Das fängt damit an, dass wirklich jeder Schüler sein Schließfach hat, alles sehr, sehr modern ist, viel Multimedia-Einsatz gefordert wird und, und, und“, erzählt sie.

Und auch die Schulzeiten waren für Mara anders als von Deutschland gewohnt: „Du bist von morgens 8 Uhr bis abends um 18 Uhr in der Schule“, erzählt die 17-Jährige. Da liegt vor allem an dem umfangreichen Programm und den verschiedenen Aktivitäten und AGs, welche den Schülern geboten wird. Mara ist sich sicher: „Einen solchen School-Spirit wie dort, das gibt es in Deutschland nicht.“ Bei Spielen der schuleigenen Mannschaften etwa sei die komplette Schulgemeinschaft vor Ort, um ihr Team anzufeuern.

Die Teilhabe am Unterricht fiel der 17-Jährigen leicht - auch Sprachprobleme gab es keine. „Ich habe in diesem ganzen Jahr so gut wie kein Deutsch gesprochen“, sagt sie. „Als ich wieder zuhause angekommen bin, war das schon eine Umstellung.“

Gleichaltrige Amerikaner hat Mara als „super aufgeschlossen“ und „total nett“ kennengelernt. „Die Schule dort hat etwa 350 Schüler - die wussten natürlich alle, dass ich aus dem Ausland komme. Da haben sich tolle Gespräche ergeben. Alle wollten einen kennenlernen.“ Einer ganz Besonders: Dawson Rozeboom.

„Wir waren zunächst nur gute Freunde“, sagt Mara über den jungen Mann, mit dem sie heute zusammen ist. „Wir haben uns schon ziemlich bald kennengelernt und dann hat er einfach gefragt, ob ich mit ihm und seiner Familie Thanksgiving feiern möchte.“ Mara wollte. Und auf dieser riesigen Feier wurden Mara und Dawson immer wieder gefragt, „ob wir nur Freunde sind, oder ob wir uns daten“, erinnert sich die Holzhäuserin. „Da dachten wir, wir probieren es einfach mal.“ Sieben Monate sind die beiden nun schon zusammen.

Dawson ist aber nur ein Grund, warum Mara der Abschied nach einem Jahr so schwer gefallen ist. Da wären noch die Gastfreundlichkeit ihrer Gastfamilie Don und Marcia Jones und der Tochter Zada, mit denen die Hinterländerin unter anderem den Mount Rushmore und die Black Hills besuchte, und die Bekanntschaft zu anderen Austauschschülern. So war das Goodbye dann auch ein tränenreiches. „Aber heutzutage ist es ja nicht so schwer, miteinander in Kontakt zu bleiben“, sagt Mara. Mit Dawson zum Beispiel hatte sie seit sie wieder in Holzhausen ist, regelmäßig Kontakt.

Zuhause wurde Mara übrigens schon sehnsüchtig von ihrer Familie und Freunden erwartet. Die haben ihr einen besonders herzlichen Empfang bereitet und sie mit einem GMC-Pick-Up und großen Plakaten am Ortseingang abgeholt.

Ihr Fazit von ihrem Jahr in Amerika: „Ich kann nur jedem ein solches Jahr im Ausland empfehlen“, sagt Mara. Allerdings: „Man muss offen für Neues sein und darf nicht schüchtern sein - und man muss es von sich selbst aus wollen.“ Der nächste Trip ist übrigens schon in Planung: Mara möchte mit ihren amerikanischen Freunden und ihrer großen Liebe nach Florida. Nächstes Jahr soll's losgehen.


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