Das große Büchertauschen kann beginnen

Stadtleben  Rittal-Auszubildende haben den öffentlichen Schrank konstruiert und gebaut

Herborns öffentlicher Bücherschrank ist jetzt zugänglich: Die Rittal-Auszubildenden (v.v.l.) Fatih Özay, David Zatolokoin, Tim Benner, Jannis Weichbold, Devon Böttge und Richard Petrow haben ihn gebaut. (h.v.l.) Dominique Dachsel und Sigrid Winkler werden ihn als Patinnen betreuen, worüber sich auch Carsten Kroll und Matthias Hecker von Rittal, Ortsvorsteher Horst Besserer, Architekt Hans Günther Fuchs, Firmenchef Friedhelm Loh und Erster Stadtrat Jens Trocha bei der Eröffnung freuten. (Foto: Weirich)

Kaum war er für die Benutzung freigegeben... (Foto: Weirich)

...stöberten auch schon gleich die ersten Interessenten in dem Angebot von gebrauchten Büchern. (Foto: Weirich)

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Die Eröffnung sei, so Trocha, „der Abschluss einer Entwicklung, die vier Jahre gedauert hat“. 2014 sei die Idee dazu im Ortsbeirat aufgekommen. Danach sei es darum gegangen, den richtigen Standort und eine passende Form dafür zu finden.

Lieber im Schaltschrank als in einer alten Telefonzelle

Als es um letztgenannte ging, habe Ortsvorsteher Horst Besserer aufgrund seiner guten Verbindungen zu Rittal vorgeschlagen, dass der Bücherschrank vielleicht aus einem Schaltschrank gebaut werden könnte, statt ihn – wie bis 2017 von der Verwaltung favorisiert – in einer ausrangierten Telefonzelle unterzubringen.

Bei einem Kaffee mit den Architekten Hans Günther Fuchs und Klaus Kuhlmann sei die Idee dann weiter vorangetrieben worden, und am Ende sei eine Zeichnung dabei herausgekommen. Mit dieser ging es dann zu Rittal, und dort nahm das Projekt seinen Lauf.

Seit August 2017 haben Auszubildende des Unternehmens den auf drei Seiten zu öffnenden Schrank entworfen und zusammengebaut. Im Werk in Herborn wurde er konstruiert, berichtete Ausbildungsleiter Matthias Hecker. Montiert sowie mit Innenausstattung und Dach versehen wurde er im Projektwerk in Hof auf dem Westerwald.

Viel Applaus für die sechs Rittal-Auszubildenden

In den Zwischenzeit hatten Mitarbeiter des städtischen Bauhofs das Fundament hergestellt sowie den Platz hergerichtet und gepflastert, wo der Bücherschrank zwischen den Fahnenmasten und dem großen Verteilerkasten an der Dillmauer gegenüber der Eisdiele nun seine Bleibe gefunden hat. Dafür gab es von den Eröffnungsgästen ebenso viel Applaus wie für die Rittal-Azubis Fatih Özay, David Zatolokoin, Tim Benner, Jannis Weichbold, Devin Böttge und Richard Petrow, die stolz auf ihr Werk – ebenfalls an der kleinen Feierstunde teilnahmen.

Loh: „Ich wünsche dem Schrank, dass die Bücher darin Menschen unterhalten, prägen"

Auf diese wiederum war auch Firmenchef Friedhelm Loh stolz, der die Gelegenheit zudem dazu nutzte, an die Anfänge von Rittal vor 40 Jahren in Herborn zu erinnern. Damals habe die Firma 500 Mitarbeiter gehabt, heute seien es in seiner Unternehmensgruppe insgesamt weltweit rund 11 000, davon 1700 am Rittal-Stammsitz auf Herborns Stützelberg.

„Ich wünsche dem Schrank, dass die Bücher darin Menschen unterhalten, prägen und vielleicht auch dazu anregen, über ihr Leben nachzudenken“, sagte Loh. „Mögen die Bücher, die dort eingestellt werden, von Herzen kommen, und die, die herausgenommen werden, zu Herzen gehen“, hatte Jens Trocha zuvor gewünscht.

Patinnen betreuen den Bücherschrank, der für Anregungen und Kritik sogar eine eigene E-Mail-Adresse hat

Als Patinnen werden sich Stadträtin Sigrid Winkler sowie Dominique Dachsel und weitere Helfer vom Herborner „Haus des Lebens“-Wohnheim in der Kaiserstraße darum kümmern, dass der Bücherschrank und sein Inhalt in einem gepflegten Zustand bleiben.

Wer möchte, kann gebrauchte ebenso wie neue Bücher in den Schrank stellen, damit andere sie lesen können, und/oder sich selbst Lektüre daraus entnehmen. Der Bücherschrank hat sogar eine E-Mail-Adresse: Für Anregungen oder Kritik kann man an buecherschrank(at)herborn.de schreiben.

Troche wünscht mit Comenius-Wort: „Gewalt ferne den Dingen“

Eines aber, so betonte es Trocha noch einmal gesondert, solle man beachten: Es gehe bei dem öffentlichen Schrank um gut erhaltene Bücher in kleinen Mengen. Wer kartonweise alte Bücher abgeben möchte, möge sich an die Reha-Werkstatt der Lebenshilfe in der Haigerer Industriestraße 9, Telefon (0 27 73) 9 17 80, wenden.

Und mit dem Comenius-Wort „Gewalt ferne den Dingen“ wünschte er, dass der Schrank von Vandalismus verschont bleiben möge.


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