Das ist so "deep"

Eineinhalb Jahre lang hat Christian Körber an seinem Album „Kernfusion“ gearbeitet. Er hat Texte geschrieben, die ehrlich sind, authentisch, die wahre Worte transportieren sollen – all das, was er zurzeit im Hip-Hop vermisst.
Zu seinen Texten kamen dann die Beats, die er sich teils selbst am Keyboard überlegt hat, teils von Freunden bekommen hat. „Wir haben bis vergangenen Oktober die Songs im Studio aufgenommen, Freunde haben sie danach abgemischt und jetzt ist die CD fertig.“ Christian ist stolz auf das, was er geschafft hat.

Etwa 1200 Euro hat er sich die Produktion und vier Videos zu extra ausgewählten Tracks kosten lassen. „Ich stehe seit sieben Jahren im Berufsleben, habe immer etwas auf die Seite gelegt, deswegen konnte ich mir das jetzt leisten“, sagt er.

Und mit der Platte will der Rapper keinen Gewinn machen: „Jeder, der Interesse an meiner Musik hat, bekommt sie geschenkt.“ Warum? „Ich will meine Botschaft rüberbringen und möglichst viele Menschen erreichen.“ Auf seiner Platte „Kernfusion“ sind 13 Tracks. „Sie sind sehr hip-hop-mäßig, straight, monoton, haben keine Pop- Einflüsse, wie das gerade bei Cro sehr stark ausgeprägt ist“, erklärt der Rapper, der sich „Trust MC“ nennt.
Morgen erscheint sein Album, über 100 Vorbestellungen hat er schon. Auch auf seinen Konzerten will er die CD verteilen. „Rap soll immer ein Hobby bleiben, das soll sich alles noch im Rahmen halten, ich will nicht größenwahnsinnig werden.“ Und wenn er doch mal Höhenflüge bekommt? „Dann holt meine Frau mich zurück auf den Boden“, sagt Christian und grinst dabei.

Ruhig und gelassen wirkt 
der Rapper, vollkommen zufrieden mit sich

Vor zwei Jahren hat der 27-Jährige geheiratet. Wenn er redet, spricht er ruhig und bedacht. Er wirkt rundum zufrieden und im Reinen mit sich und der Welt. Aber das war nicht immer so: „Als ich den Rap für mich entdeckt habe, war er mein Ventil, mir all die negativen Gefühle von der Seele zu schreiben, wie eine Art Tagebuch.“ Christian ist ein Scheidungskind. Der Hip-Hop hat ihm geholfen, das zu verarbeiten. „Ich habe mir viel von der Seele gerappt und mache das auch immer noch“, sagt er.

Seit etwa 2000 macht er seine eigene Musik, drei Jahre zuvor hat er schon begonnen, eigene Texte zu schreiben. Ich habe dann aufgehört, Instrumente zu spielen.“ Er hat Gitarre, Keyboard und Schlagzeug gelernt. „Der Musikunterricht hat mir viel gebracht. Gerade durch das Schlagzeug habe ich ein gutes Taktgefühl“, sagt Christian.

In seinen Jugendjahren haben ihn unter anderem Die Fantastischen Vier, Curse, Samy Deluxe, Freundeskreis und Kool Savas beeinflusst. „Die deepen Texte von Curse haben mich zum Beispiel inspiriert“, erklärt Christian. „Später habe ich auch Eminem gehört und mich von seinen Aggressionen beeinflussen lassen“, sagt er. Aber diese Zeiten sind vorbei. 
Über den Gangster-Rap, der seit einigen Jahren den Musikmarkt überschwemmt, will er sich nicht negativ äußern: „Die Szene ist da gespalten. Ich will allerdings nur mein Ding machen und mich nicht darüber aufregen, das raubt mir nur Kapazitäten.“

Auf einige Rap-Klischees lässt er sich allerdings doch ein: Seine Kleidung ist die typische Streetware, Jogginghose, bunte Sneaker. „Damit fühle ich mich wohl. Eine Baggy-Jeans habe ich aber nicht im Schrank liegen.“
Und auch in seinen Videos verwendet er gerne die allzu typischen Bilder für Rap-Videos: schmutzige Brückenpfeiler, Hochhäuser, Autobahnen. „Ich nutze die Orte bewusst, um meine Gefühle besser zu transportieren.“ Ab dem 3. Mai könnt ihr euch davon selbst ein Bild machen.


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