Den Alltag miteinander teilen

GLAUBEN Evangelische Jugend verbringt gemeinsame Woche im Gemeindehaus

Spaß und Zusammenhalt stehen bei "Gemeinsames Leben" im Vordergrund - und den Alltag der anderen Jugendlichen näher und besser kennenzulernen. (Foto: Röder)

Loana Becker gibt den Ton an. (Foto: Röder)

Gemeinsam mit dem Frauenkreis wurde auch "Tabu" gespielt - und mancher Begriff musste pantomimisch erklärt werden. (Foto: Röder)

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"Es geht uns darum, dass wir eine Woche lang Einblicke in den Alltag der anderen bekommen", beschreibt Gemeindepädagoge Sven Jacobsen. Nahezu alle der Jugendlichen, die die Woche im Gemeindehaus verbringen, kennen sich auch privat - allerdings, so der Gemeindepädagoge, habe man meistens nur einmal die Woche im gemeinsamen Jugendkreis miteinander zu tun. "Hier stehen wir morgens um 7.15 Uhr gemeinsam auf und frühstücken", erklärt Jacobsen.

Anschließend zieht es einen Teil der Jugendlichen in die Schule, andere auf die Arbeit und wieder andere an die Uni. Danach kommt man wieder zusammen. Manche der Teilnehmer, die Urlaub haben, bleiben nahezu die gesamte Zeit im Gemeindehaus. In den Abendstunden wird dann wieder gemeinsam gekocht und gegessen, es gibt eine Andacht, den sogenannten Abendabschluss, und verschiedene Aktionen. "Wir teilen hier unseren Alltag und unseren Glauben. So lernt man sich nochmal ganz anders kennen", so Jacobsen.

An diesem Mittwoch steht ein Besuch des Frauenkreises an. Das ist mittlerweile schon Tradition und alle, sowohl die Jugendlichen als auch die älteren Damen, freuen sich auf den gemeinsamen Spieleabend, wie Frauenkreis-Sprecherin Rita Schwichtenberg erzählt. Das schöne an dem Treffen: die Altersspanne erweitert sich. Während die Teilnehmer von "Gemeinsames Leben" zwischen 13 und 19 Jahre alt sind, stoßen an diesem Abend Damen bis ins hohe Alter von über 90 Jahren dazu. Die älteste Teilnehmerin: Rita Schwichtenbergs Mutter Waltraud mit 92 Jahren.

Bobby wohnt 800 Meter entfernt, trotzdem ist er die ganze Woche im Gemeindehaus

Einer, der mit Begeisterung an "Gemeinsames Leben" teilnimmt, ist Lukas Reinhard, genannt Bobby. Der 18-Jährige wohnt knapp 800 Meter vom Gemeindehaus entfernt, trotzdem zieht er Schlafsack und Isomatte dem heimischen Bett vor. "Ich bin die ganze Woche hier", sagt er. "Da lernt man die Kollegen, die man sonst nur von Mitarbeitertreffen kennt, von einer ganz anderen Seite kennen."

Die 18-jährige Silvana Hof aus Sinkershausen ist fast die ganze Woche vor Ort - unterbrochen von einigen Seminarbesuchen an der Marburger Philipps-Universität. Hof studiert im ersten Semester Biologie. "Man kann sich die Vorlesungen und Seminare ja selbst legen, da ist man dann flexibel", erzählt sie. Seit viereinhalb Jahren ist sie in der Jugendarbeit mit dabei. An "Gemeinsames Leben" hat sie zwei Mal teilgenommen. "Vergangenes Jahr konnte ich wegen dem Abitur nicht", erzählt sie. "Das wäre zu stressig geworden." Sie findet es toll, dass man bei diesem Projekt "alles miteinander teilt".

Gemeinsam mit den Frauenkreis-Damen wird am Mittwochabend "Tabu" und "Simon Says ..." (abgewandelt in "Bobby sagt ...") gespielt. Zuvor gibt es eine kurze Andacht. Loana Becker gibt an diesem Abend mit ihrer Gitarre den Ton an. Der Text zu Liedern wie "Von guten Mächten wunderbar geborgen" steht nicht im Gesangbuch, sondern wird per Beamer an die Wand projiziert. Und alle singen mit.

"So persönlich wie bei ,Gemeinsames Leben’ sehen die Jugendlichen sich sonst nie", sagt Jacobsen. Für die Teilnehmer ist es eine ganz besondere Party, das merkt man. Es geht ungezwungen zu. Das gemeinsame Kochen, Zeit verbringen und Alltag teilen macht Spaß, da sind sich die Jugendlichen aus der Kernstadt, Sinkershausen, Frohnhausen und Erdhausen einig. So ist der Trubel dann auch groß, als Lukas Reinhard bei "Bobby sagt ..." fordert: "Bobby sagt Stimmung!"


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