Der Bus, der zum Stadtbild gehört

JUGENDARBEIT  Streetwork-„Projekt 58,7“ kommt seit fünf Jahren in die Bahnhofstraße

Volles „Haus“ zum Jubiläum: die Mitarbeiter des „Projekt 58,7“ mit Jugendlichen und Gästen – darunter auch der Wetzlarer Oberbürgermeister Manfred Wagner (Mitte). (Foto: Hoge)

Erstmals rückte das 35 Jahre alte Fahrzeug im Oktober 2012 im Zentrum der Domstadt an. Der Bus soll für die Jugendlichen, die oft viel Zeit in der Bahnhofsgegend verbringen, einen Freiraum schaffen.

„Manche der Jugendlichen kommen seit vielen Jahren immer wieder.“

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Begegnen wollen die ehrenamtlichen Mitarbeiter den jungen Besuchern mit Wertschätzung – ein Ansatz, der aufgeht. „Manche der Jugendlichen kommen seit vielen Jahren immer wieder. Sie fühlen sich hier wohl“, freut sich Monika Theuß, die 1993 mit ihrem Mann Wolfgang das Christliche Hilfswerk Lebensbrücke gründete. Manchmal steht das Team den Jugendlichen aber auch mit Rat und Tat zur Seite. „Einigen haben wir schon erfolgreich bei der Suche nach Ausbildungsplätzen geholfen“, berichtet Theuß.

Zum Jahrestag am Dienstag lud das Projektteam all seine Unterstützer ein – darunter auch Oberbürgermeister Manfred Wagner, der versprach: „Wenn das Ordnungsamt Ihnen mal irgendwann keine Erlaubnis erteilen sollte, hier zu parken, rufen Sie einfach bei mir an.“

Der Bus, so der Rathauschef, sei inzwischen ein „Markenzeichen“ Wetzlars und die Angebote der Lebensbrücke „eng mit dem Ehepaar Theuß“ verbunden. OB Wagner wünschte dem Projekt, das 2014 den Minneburgpreis der Stadt Wetzlar erhielt, „dass es noch lange auf der Frequenz 58,7 sendet“.

Zu finden war am Dienstag im Bus auch der eine oder andere alte Bekannte. „Ich war vor zwei Jahren zum letzten Mal hier“, sagt ein Jugendlicher, als ihn einer der Mitarbeiter im Bus überrascht begrüßt.

Das Angebot in der Bahnhofstraße werde ganz unterschiedlich angenommen, erklärt Monika Theuß, die betont: „Es hält einen jung, wenn man oft mit diesen jungen Menschen zu tun hat.“ Wichtig sei es, Vertrauen zu den Jugendlichen aufzubauen. Wer Unterstützung braucht, bekommt sie – auch in der Beratungsstelle der Lebensbrücke in der Frankfurter Straße.

Im Mittelpunkt steht im Bus aber zunächst die Freizeit: Im hinteren Bereich des Busses gibt es eine Sitzecke, in der Mitte eine kleine Freifläche. Vor allem an kalten Wintertagen ist das Angebot gefragt. Draußen zieht ein Tischkicker regelmäßig die Aufmerksamkeit auf sich.

Was das Projekt den oft benachteiligten Jugendlichen vermitteln möchte, symbolisierte am Dienstag ein kleines Holzherz. Auf dem Geschenk, das alle Unterstützer bekamen, prangte die Aufschrift „Du bist wertvoll“.

„Das ist das, was wir in dem Bus leben wollen“, stellt Benjamin Neuls fest.

 

WARUM EIGENTLICH „PROJEKT 58,7“?

Wer den Bus des „Projekts 58,7“ in der Wetzlarer Bahnhofstraße sieht, rätselt nicht selten über den Namen der wöchentlichen Aktion. Benannt hat das Christliche Hilfswerk Lebensbrücke das Projekt nach einem Bibelvers. In Jesaja 58,7 heißt es: „Gebt den Hungrigen zu essen, nehmt Obdachlose in euer Haus, kleidet den, der nichts anzuziehen hat und helft allen in eurem Volk, die Hilfe brauchen.“ Das Mitarbeiterteam der Lebensbrücke nimmt das wörtlich und lädt die Jugendlichen jeden Dienstag in den Bus ein. (hog)


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