Der Verpackungskünstler

AUSBILDUNG Marco Ferreira lernt den Beruf des Packmitteltechnologen / Teil 6

Marco Ferreira schraubt eine Mustervorlage an der Maschine fest. Nach diesem Muster wird die Wellpappe für die spätere Verpackung ausgestanzt. (Foto: Schindler)

Der 16-Jährige hat vor knapp drei Monaten eine Ausbildung im Wellpappenwerk Eichhorn in Niederbrechen begonnen. "Ich wollte etwas Handwerkliches machen und dachte zunächst an Industriemechaniker. Mein Lehrer hat mir dann den Beruf des Packmitteltechnologen empfohlen." An dem Beruf gefällt Ferreira die Abwechslung, denn er kann an verschiedenen Maschinen arbeiten.

Zurzeit ist er an der Farbmischanlage eingesetzt. "Aus 13 Grundfarben mischen wir hier 500 verschiedene Farbtöne", erklärt Betriebsleiter Andre Lucas. Für jeden Farbton gibt es ein spezielles Rezept, das Ferreira über den Computer eingibt.

Ferreira bedient aber auch die Flachbrettstanze. Zunächst legt er Pappe in die Maschine ein. Diese wird dann bedruckt, gestanzt und schließlich für die Kunden verpackt. Theoretische Grundlagen lernt Ferreira an der Vogelsbergschule in Lauterbach. Einmal im Monat hat er dort eine Woche lang Blockunterricht.

Der Beruf des Packmitteltechnologen wurde 2012 geschaffen. Zuvor wurden Lehrlinge als Verpackungsmittelmechaniker ausgebildet. "In der Umgangssprache nannte man uns Kartonschlosser", erinnert sich Lucas an seine Ausbildungszeit. Eine Metallausbildung gehörte damals zum Programm. Durch die zunehmende Technik an den Maschinen hat sich der Schwerpunkt der Ausbildung von den Schlosserarbeiten zur Labortechnik und der Verpackungsentwicklung verlagert.

Im Labor wird der Rohstoff Papier und Wellpappe untersucht. Mit einem speziellen Test stellt der Packmitteltechnologe fest, wie belastbar ein Karton beim Aufeinanderstapeln ist. "Der Packmitteltechnologe muss feststellen, wie der Karton gebaut sein muss, um ein bestimmtes Gewicht zu tragen. Und dabei müssen wir auch die Kosten im Blick haben", erklärt Lucas. In der Verpackungsentwicklung lernen die Packmitteltechnologen die Erstellung von Verpackungsmustern mit bestimmten Werkzeugen. "Da wir auf Transportverpackungen spezialisiert sind, sind die Muster pragmatisch orientiert. Bei Verkaufsverpackungen ist der ästhetische Aspekt aber auch wichtig", sagt Lucas.

Weil das Berufsbild noch unbekannt ist, gibt es bisher nur wenige Fachkräfte

Weil das Berufsbild noch unbekannt ist, gibt es bisher nur wenige Fachkräfte, sagt Marc Judith, Leiter für Entwicklung in Niederbrechen. Packmitteltechnologen arbeiten vor allem in der Wellpappenindustrie, können aber auch bei der Herstellung von Faltschachteln, Briefkuverts und Beuteln eingesetzt werden. "Auch in der Kunststoffindustrie werden Packmitteltechnologen eingesetzt, aber eher selten", sagt Judith. Die Aufstiegschancen seien gut. Um den Meistertitel zu machen, müssen die fertig ausgebildeten Packmitteltechnologen drei Jahre in einem Betrieb arbeiten. Danach können sie in Gernsbach im Schwarzwald den Industriemeister für Papier und Kunststoffverarbeitung machen. Während dieser Fortbildung werden die Kenntnisse der Produktion verstärkt. Wer den kaufmännischen Aspekt vertiefen will, kann eine Weiterbildung zum Papiertechniker in Altenburg und München machen. Mit der Fachhochschulreife ist auch ein Studium an der Fachhochschule im Bereich Drucktechnik, Design und Papier möglich, sagt Lucas.

- Packmitteltechnologe ist einer von 140 Berufen, in denen im Kreis junge Menschen ausgebildet werden. Die Bandbreite der Ausbildungsmöglichkeiten stellen die heimischen Firmen bei der ersten Ausbildungsmesse "Do it 2015" Anfang März kommenden Jahres eine Woche lang in Limburg vor.

Berufskompass

Berufsbezeichnung: Packmitteltechnologe
- Ausbildungsdauer: drei Jahre, Verkürzung auf zwei Jahre möglich bei vorhergehender Ausbildung oder Abitur
- Schulische Voraussetzungen: mindestens Hauptschulabschluss
- Besondere Kenntnisse: mathematische Kenntnisse wie Flächenberechnungen
- Verdienst: erstes Ausbildungsjahr: 853 Euro, zweites Ausbildungsjahr: 909 Euro, drittes Ausbildungsjahr: 970 Euro. Danach liegt das Einstiegsgehalt bei 2000 bis 2500 Euro. (ass)


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2014
Kommentare (0)
Mehr aus midde