Die Jugend und der Frust über Politiker

POLITIK JuZ-Schließung: Hardt legt Widerspruch ein

Das Jugendzentrum in Driedorf soll geschlossen werden, es fällt dem Sparprogramm zum Opfer. (Archivfoto: Röder)

Frust im Gemeindeparlament Anfang Mai: Nachdem die CDU die Schließung des Jugendzentrums beantragt und die Mehrheit des Parlaments zugestimmt hat, legte Hans Peter Haust (SPD, M.) sein Amt als Vorsitzender die Sozial- und Kulturausschusses nieder. (Archivfoto: Gerdau)

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Auch der Leiter des Kreis-Jugendamtes sowie der Kreis-Jugenddezernent haben sich in einer Sitzung am Dienstag in Wetzlar zu dem Thema geäußert.

Was ist passiert? Die CDU hat in der Gemeindevertretersitzung Anfang Mai in Driedorf beantragt, ab Ende Mai kein Geld mehr für das JuZ bereitzustellen. Die Mehrheit stimmte dafür. Der Haken an der Sache: Das Jugendzentrum wird - im Auftrag der Gemeinde - vom Caritasverband Wetzlar/Lahn-Dill-Eder betrieben, die Gemeinde hat mit dem Wohltätigkeitsverband einen Vertrag geschlossen. Der Vertrag ist noch bis mindestens zum Ende des Jahres gültig, bis Ende Juni könnte er gekündigt werden.

Diese Kündigung haben die Gemeindevertreter jedoch nicht beschlossen. Deshalb hat Bürgermeister Hardt Widerspruch gegen den Parlamentsbeschluss, das Geld fürs JuZ zu streichen, eingelegt. Andernfalls könne die Caritas die Gemeinde wegen Vertragsbruch auf Schadenersatz verklagen. Der Widerspruch steht auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung der Driedorfer Gemeindevertreter am kommenden Dienstag (27. Mai, ab 19 Uhr im Driedorfer Bürgerhaus).

"Das war ein Armutszeugnis für den Charakter von Politikern"

Allerdings hat Grünen-Gemeindevetreter Jürgen Heckmann vorgesorgt und auch die Kündigung des Caritas-Vertrags auf die Tagesordnung setzen lassen, die CDU überdies den "Ausstieg aus der offenen Jugendarbeit", und die SPD will dagegen eine "veränderte Konzeption der Jugendarbeit".

In der Zwischenzeit haben die Jugendlichen ihrem Ärger über die JuZ-Schließung Luft gemacht. In dem Schreiben an diese Zeitung heißt es: "Was zählt das Wort eines Politikers noch, wenn sie nicht mal ihr Wort gegenüber Jugendlichen halten können?" Sie haben das Gefühl, sie wurden von der Driedorfer CDU belogen. Eine Woche zuvor habe die CDU in einer Sitzung des Sozialausschusses noch für das JuZ gestimmt. Weiter heißt es in dem Papier der Jugendlichen: "Aus unserer Sicht waren es fadenscheinige Argumente, die die CDU zur Schließung des JuZ vorgetragen hat. (...) Wo bleibt die Vorbildfunktion? (...) Was sich in der Sitzung des Sozialausschusses und dann in der Gemeindevertretersitzung abspielte, war ein Armutszeugnis für den Charakter von Politikern."

In der Sitzung des Kreis-Jugendausschusses am Dienstagabend in Wetzlar haben sich der Kreis-Jugenddezernent Stephan Aurand (SPD) sowie der Kreis-Jugendamtsleiter Andreas Kreuter ebenfalls zur geplanten JuZ-Schließung in Driedorf geäußert. Kreuter berichtete den Kreistagsabgeordneten in der Sitzung über die Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen in Not sowie über die Unterbringung dieser Kinder und Jugendlichen in Pflegefamilien und Heimen. Am Ende des Vortrags sprach er sich dafür aus, "offene Jugendarbeit nicht zu zerschlagen". Es sei wichtig, dass Jugendliche Anlaufstellen hätten. Er nannte als gute Beispiele ausdrücklich Driedorf sowie Sinn.

Daraufhin erklärte Aurand: Wer an ambulanten Angeboten für Jugendliche vor Ort spare, müsse das Geld nachher für stationäre Einrichtungen, wie Kinder- und Jugendheime zahlen. Eine Größenordnung: Der Kreis zahle pro Jahr rund zehn Millionen Euro für solche stationären Einrichtungen der Jugendhilfe. Steigende Kosten dafür müssten auch die Städte und Gemeinden über die Kreisumlage mitbezahlen. Er spielte auf Driedorf an, ohne den Namen der Gemeinde zu nennen.


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