Die Spürnase einsetzen

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Ihr seid mit euren Hunden im Einsatz - was für ein Szenario kann man sich da vorstellen?

Maik Thielmann: "Zum Beispiel eine verwirrte Peson, die aus dem Altersheim verschwunden ist. Zwar wird einem gesagt, dass diese Person imer nur denselben Weg gehen würde, in Wahrheit ist der Umkreis, den es abzusuchen gilt, aber viel größer."

Welchen Vorteil bringt es, mit Hunden nach dieser Person zu suchen?

Maik Thielman: "Ganz klar - der Zeitfaktor. Hunde suchen sehr viel schneller als Menschen. Flächensuchhunde brauchen beispielsweise für ein 30.000 Quadratmeter großes Gebiet nur vier bis sechs Minuten, um es komplett abzusuchen. Ein menschlicher Suchtrupp würde dafür rund 60 Minuten brauchen."

Woran liegt das?

Lorena Thielmann: "An den Riechzellen. Menschen haben etwa 20 bis 30 Millionen Riechzellen, Hunde 150 bis 200 Millionen. Sie können aus bis zu 200 bis 300 Metern menschliche Witterung wahrnehmen. Wichtig ist, dass man sie quer zum Wind suchen lässt, da die Suche sonst beeinträchtigt werden kann."

Maik Thielmann: "Dafür haben wir immer Babypuder dabei. Das streuen wir in die Luft, damit wir sehen, aus welcher Richtung der Wind weht."

Nicht nur Babypuder habt ihr immer dabei, sondern auch Leckerlis zur Belohnung?

Maik Thielmann: "Ja, wir belohnen meistens mit Fleischwurst. Die haben wir auch dabei (lacht)."

Wie läuft so eine Suche denn genau ab?

Lorena Thielmann: "Flächensuchhunde sind auf keinen Individualgeruch trainiert. Das heißt, dass sie jeden Menschen im Suchumkreis aufspüren. Deshalb werden wir häufig im ländlichen Bereich eingesetzt. Mitten in der Stadt würde sich eine solche Suche schwierig gestalten. Wenn sie etwas entdeckt haben, zeigen sie es an - beispielsweise durchs Verbellen."

Ab welchem Alter kann man bei euch im Team mithelfen und was sind wichtige Voraussetzungen?

Lorena Thielmann: "Einsätze darf man erst ab 18 Jahren begleiten, die zwei- bis dreijährige Ausbildung kann man aber auch schon vorher machen. Rettungsführer wird man aus Leidenschaft, man muss dafür leben und sich der Tatsache bewusst sein, dass man 365 Tage im Jahr im Einsatz ist und diese Tätigkeit ehrenamtlich ist."

Gibt es bei den Hunden Rassen, die sich besonders gut als Rettungshunde eignen?

Lorena Thielmann: "Grundsätzlich ist jeder Hund geeignet, solange er nicht zu groß oder zu klein ist. Zu kleine Hunde können keine Hindernisse erklimmen, große sind häufig zu schwerfällig. Sie sollten über Spieltrieb verfügen, keine Aggressionen gegen andere Hunde haben und gehorsam sein - das ist das A und O."

Mehr Informationen findet ihr auf der Homepage der Rettungshundestaffel Lahn-Dill: www.rhs-lahn-dill.de


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