"Die Zeit sinnvoll verschwenden"

DESIGN Herborner Sascha Kuznik gründet Modelabel / Eigener Laden ab Winter

Jedes T-Shirt, jeder Pullover wird in der kleinen Firma in Merkenbach per Hand bedruckt. (Fotos: privat)

Sascha Kuznik verpackt seine Waren auch selbst.

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"Du wirst mal etwas Kreatives machen", haben seine Lehrer in Dillenburg dem heute 26-Jährigen prophezeit und Recht behalten: Im Betrieb des Vaters "Textil & Druck Kuznik" hat er Mediengestalter gelernt und prompt Lust verspürt, eigene Ideen auf den Shirts, Pullovern, Taschen und Mützen zu verwirklichen.

2010 gründete er Marke und Firma "Suestem". "Zunächst habe ich die Sachen nur an Freunde verkauft, dann folgten Bekannte. Über den Onlineshop kommen nun Kunden überall in Deutschland hinzu", erklärt Kuznik.

"Suestem" heißt, nur im Schriftbild verändert, "System" und soll als Synonym für "Gemeinschaft" stehen. Und die Botschaft, die diese auf der Brust trägt, lautet "Waste your time well", zu Deutsch "Verschwende deine Zeit sinnvoll".

Nische für Firmen wie "Suestem": Das Lebensmotto auf der Brust tragen

"Ich spiele bewusst mit dem Wort Verschwenden, denn was mancher für Zeitverschwendung hält, ist für den anderen Lebensinhalt. Da muss jeder seinen Weg finden", erklärt Kuznik.

Die Lebensphilsophie zeigen, sich von der Masse abheben - der Wunsch vieler danach schafft Nischen für Mini-Labels wie "Suestem" aus Herborn.

Das Motto taucht in abgewandelter Form oder verwandten Aussagen wie "Live and let live" (Leben und leben lassen) oder "Start doing things you love" ("Fang an, Dinge zu tun, die du liebst") auf der Mode auf. Einmal pro Jahr gibt es eine neue Kollektion, Klassiker bleiben aber erhalten.

Die Kleidung ist sportlich, in dezenten Farben gehalten. "Ich mache nur Mode, die ich selbst tragen würde, deshalb gibt es jetzt auch keine bunten Shirts mehr wie zu Beginn."

Wer seine Zielgruppe ist? "Jeder ist eingeladen, die Sachen zu tragen", sagt Jungunternehmer Kuznik, zwischen Sport und Straße sieht er seine Marke. Aber vielleicht wird es auch mal eleganter - Kuznik legt sich eben nicht fest.

Wer so individuell einkauft, dem ist auch die Qualität der Kleidung wichtig: Dass er jedes Stück selbst per Hand bedruckt, weiß Kuznik und es ist ihm wichtig.

Das fair gehandelte Rohmaterial, also die Kleidung selbst, bezieht er von einer Firma aus Berlin. Diese lasse in Europa umweltfreundlich produzieren - Teile der Kollektion sind aus Biobaumwolle. "Selbst bis zum Schluss nachprüfen, kann ich es leider nicht. Deshalb würde ich irgendwann gerne selbst schneidern, auch, um am Schnitt etwas zu verändern oder Taschen aufzunähen", erklärt der Mediengestalter. Eine Nähmaschine steht zum Üben bereits neben dem Computer.

An dem hat Kuznik alle Hände voll zu tun - Einkauf der Ware, Betreuung und Gestaltung des Online-Shops, des Facebook-Auftritts, der Werbung bis hin zu Broschüren - das alles macht der 26-Jährige selbst. Derzeit kommt noch eine Renovierung hinzu, denn im Firmensitz in Merkenbach soll im Winter der erste kleine "Suestem"-Laden eröffnen.

Viele Fahrer und Fans der "Bikebase" Merkenbach tragen seine Kleidung gern.

Um Werbung zu machen, sponsert Kuznik nun in der Szene populäre Bands wie "Jenne" und "Ok Kid", auch DJs haben Interesse - "die sind in Clubs in aller Welt unterwegs, das ist dann schon gute Werbung", erklärt der Jungunternehmer.

Ein Laden in München "Cheers from Downtown", der junge Labels unterstützt, verkauft Sascha Kuzniks Kreationen in der Kaulbachstraße und online.

Demnächst sollen seine Klamotten auch in der Liftstation in Winterberg sportliche Käufer begeistern.


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