Dirtpark: Zukunft ungewiss

FREIZEIT Buderus-Edelstahl will Deponie in Dalheim erweitern

Bernd Keil

Licht aus in Dalheim? Wie lange der Dirtpark noch in seiner jetzigen Form genutzt werden kann, ist derzeit unklar. (Foto: Keller)

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Rückenprotektor, Knieschützer und Helm sitzen: Jonas (11) tritt in die Pedale. Vom Starthügel herab geht die wilde Fahrt los. Jonas zählt zu den jüngsten Dirtbikern auf der Anlage in Dalheim. Tricks und Kniffe, wie man das Bike möglichst weit nach oben und sicher nach unten bugsiert, schaut er sich von den Älteren ab. Das sind die beiden Brüder Tilo (13) und Jakob (15) sowie Routinier Nico (19). Das Gelände, das in den 60er und 70er Jahren noch vom Motor-Sportclub Hermannstein genutzt wurde, wird seit 2009 von Kora und Bernd Keil in Kooperation mit dem Jugendamt gepflegt. Ein Jahr zuvor hatten sie der Jugendförderung das Angebot gemacht, sich um das Gelände, das die Stadt bereits seit 2000 von Buderus-Edelstahl gepachtet hat, zu kümmern und Kurse anzubieten. Vor allem auch für all jene, die sich kein eigenes Rad und die entsprechende Schutzausrüstung leisten können.

Seither hat sich viel getan: Der Rasen auf dem Gelände hat Golfplatzcharakter, in einem von der Stadt aufgestellten Seecontainer kann das Nötigste untergestellt werden und ein Dixieklo wurde aufgestellt. Hunderte Arbeitsstunden hat Bernd Keil zusammen mit den jugendlichen Fahrern investiert. Und geübt: "Nur unter Aufsicht versteht sich", sagt Bernd Keil, der nicht nur den Löwenanteil des Streckenbaus übernommen hat, sondern den Nachwuchstalenten die Technik zeigt. Als BMX-Fahrer der ersten Stunde, später auch Mountainbiker und Moto-Cross-Fahrer, weiß er, worauf es ankommt. Und als gelernter Auto- und Zweiradmechaniker zeigt er den Jungs, wie sie ihre Räder in Schuss halten. Und der Ausbau ging weiter: "2014 haben wir einen kleinen Pump-Track (Wellenförmiger Rundkurs, Anm. d. Red.) angebaut und die Abfahrt-Strecke erweitert", sagt Kora Keil.

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Stadt und Buderus Edelstahl suchen nach einer Lösung

Doch die Stimmung ist getrübt. "Wenn wir Pech haben, ist hier bereits bald Schluss", klagt Kora Keil. Buderus-Edelstahl verpachtet der Stadt das Gelände mit der Einschränkung bei Eigenbedarf sofort wieder auf das Grundstück zurückgreifen zu können. Und dieser Fall ist jetzt eingetreten.

Sichtbar sind die Veränderungen bereits: Am unteren Streckenrand stehen Bauzäune mit dem Warnhinweis "Deponiebereich - Betreten verboten". Unweit des Seecontainers wird mit einer Folienkonstruktion die dort lebende Zauneidechse eingefangen - sie soll umgesiedelt werden.

"Hätten wir das früher gewusst, hätten wir zumindest die Strecke nicht weiter ausgebaut", sagt Kora Keil. Einen Vorwurf könne man aber niemandem machen, dennoch sei es ärgerlich, wenn die Strecke dicht gemacht werden würde.

Zumindest für die zwei Monate, in denen die Eidechsen gefangen und Kartierungsarbeiten gemacht werden, habe Buderus-Edelstahl eine, wenn auch eingeschränkte, Weiternutzung des Geländes zugesagt, heißt es bei der Stadt Wetzlar. Das letzte Wort habe das Regierungspräsidium Gießen, das über die Deponie-Erweiterung entscheidet.

Den "Dirtpark" einfach schließen, will aber keiner. Gemeinsam versuchen die Stadt Wetzlar und Buderus-Edelstahl eine Lösung zu finden. "Definitiv entschieden ist derzeit noch nichts", bestätigte Hans-Helmut Hofmann, Leiter des Jugendbildungswerkes.

"Vielleicht meldet sich ja auch ein weiterer Grundstücksbesitzer, auf dem eine Strecke denkbar wäre", sagt Kora Keil. Schließlich erreiche man mit dem Angebot zahlreiche Jugendliche und halte Biker davon ab, illegale Strecken im Wald zu bauen. So lange es geht, genießen Jonas, Tilo, Jakob und die anderen Biker noch jeden Tag, an dem sie auf ihrem selbst gebauten Track fahren können.

Mehr über Trainingszeiten und Co: www.dirtpark-dalheim.de


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