Ein Heimspiel für zwei Freunde

Interview  Deutschpopsänger Jonas Monar gastiert im „Franzis“ / Schlusspunkt der Tournee 2017

Mit der Schülerband ging alles an, nun ist Jonas Monar auf den Festivals der Republik anzutreffen. (Foto: Heiland)
Spontane Gesangseinlage im Foyer des Pressehauses: Jonas Monar (l.) und Nico Weimer, gefilmt von Online-Redakteur Dennis Weber. (Foto: Heiland)
Handstand über Berlin: Die erste CD „Alle guten Dinge“.
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"Auf jeden Fall besonders" - Jonas Monar spielt in Wetzlar

Und was die beiden Wetzlarer aus Berlin da für den hauseigenen Videodreh zum Besten geben, kommt bei den überraschten Mitarbeitern wie Besuchern sehr gut an: „Könnt ihr nicht jeden Tag singen?“ Wobei: Die Visite hat für Nico Weimer (27) noch eine besondere Note: Er hat im Hause Wetzlardruck eine Ausbildung zum Mediengestalter gemacht. Und natürlich hat er seinem Kumpel Jonas gezeigt, wo er gearbeitet hat, bevor die Musik zu seinem Leben wurde.

Wer sie gehört hat, weiß: Die Songs von Jonas Monar (26) haben Ohrwurmpotenzial und bescheren ihm wie seinen Bandkollegen, eben auch Gitarrist Nico Weimer, bundesweit gute Kritiken und Erfolge. So mit der ersten Single „Playlist“, aber auch mit Nr. 2 „Alle Guten Dinge“ und der dritten, „Nie Zu Ende“. Alle drei Singles erreichten die TOP 100 der deutschen Radiocharts. Wie hat doch ZDF-Fernsehgarten-Moderatorin Andrea Kiewel so richtig festgestellt: „Aus dem wird noch was...“

Nun kommen Monar und Co. nach Wetzlar. Am 16. Dezember geben sie das Abschlusskonzert ihrer ersten Tour, und zwar dort, wo sie schon früher mit „Port London“ aufgetreten sind, im „Franzis“. Los geht’s um 20 Uhr, das Gießener Duo „Carnation Way“ eröffnet.

Das anstehende Heimspiel war Anlass für ein Gespräch mit Frontmann Jonas Monar – gerne im lockeren Du gehalten – über Musik, Freunde, Berlin und Wetzlar.

Jonas, nach der Tour mit 55 Konzerten ist das im „Franzis“ der Schlusspunkt und ein Heimspiel. Ist man da aufgeregter als bei anderen Konzerten?

Jonas Monar: Es ist auf jeden Fall eine andere Sache, weil auch Familie und Freunde dabei sind, die ja eben nicht dabei sind, wenn ich in Berlin oder Kiel ein Konzert gebe. Insofern ist es persönlicher. Dass ich aufgeregter bin, glaube ich eher nicht. Ich freue mich einfach.

Es ist lange her, dass ihr mit „Port London“ – sogar als Vorgruppe von „Silbermond“ in der Arena – unterwegs ward. Jetzt lebst du in Berlin. Ist es dort leichter, etwas in der Musikbranche zu erreichen?

Jonas Monar: Absolut! Ich bin aber erst nach Berlin gezogen, als ich dort schon viele Kontakte und einen Verlagsdeal hatte. Da war klar für mich: Jetzt muss ich da auch hin. Dort ist meine Plattenfirma Universal, da habe ich mein Studio ich produziere im Flughafen Tempelhof – und auch meine Musikerkollegen und Produzenten sind da. Über ein Jahr bin ich zwischen Wetzlar und Berlin hin und her getingelt, das ist auch unfassbar teuer geworden.

Du und Nico, ihr seid lange auf Tour. Hält eine Freundschaft es aus, so viele Jahre gemeinsam unterwegs zu sein?

Jonas: Tatsächlich ist es besser geworden, ich habe das Gefühl, es wird immer besser (Nico Weimer nickt). Am Ende des Tages ist es so, dass die engsten Freunde und Freundinnen nicht verstehen können, was man erlebt. Wir haben zum Beispiel bei einem Festival in Damp gespielt. Da waren Zehntausende von Leuten, das war unglaublich, das kann man niemandem erzählen. Ich bin im Norden erfolgreicher als etwa im Süden, die Leute kennen mich dort wirklich und haben alle Songs mitgesungen. Das war unfassbar, das war ein Moment, den man so nicht erklären kann.

Das erste Album heißt „Alle guten Dinge“. Um was geht es in diesen zwölf Songs der CD?

Jonas Monar: Das Album hat kein Konzept, in dem Sinn, dass man eine Story durcherzählt. Sondern es beschreibt die letzten zweieinhalb Jahre meines Lebens. In den zweieinhalb Jahren sind die Songs entstanden und sie beschreiben alle Dinge, die mich bewegt haben, vom Beziehungsstress, von Problemen mit Freunden, vom Wegziehen. Es gibt einen Song, der heißt „Gut soweit“. Es geht darum, dass ich auch Kritik ausgesetzt war, als ich gesagt habe: Leute, ich gehe nach Berlin, mache etwas nicht so Sicheres, etwas Riskantes. Da haben viele gesagt: „Mensch, das wird nichts, lass’ es doch gut sein.“

In „Gut soweit“ geht es genau darum, um das Wegziehen, darum, sich mit der Kritik auseinanderzusetzen und sich doch durchzusetzen.

Singst du darum auf Deutsch, weil es deine Geschichte ist?

Jonas Monar: Das sowieso. Mein Englisch ist zwar ganz gut, aber ich fühle mich im Deutschen sicherer. Ich glaube, dass es am Ende berührender ist, zumindest für die, die nicht so gut Englisch können, wenn man versteht, was gesagt wird und um was es geht. Das ist doch eine ganz andere Geschichte und geht einem näher.

Der Kontakt zur Heimat besteht aber noch?

Joans Monar: Natürlich, meine Eltern wohnen hier, ein Bruder wohnt in der Nähe. Ich habe drei Brüder, zwei wohnen in Erfurt. Und ich habe auch eine Freundin hier. Ich versuche also, so oft wie möglich hier zu sein.

Deutschsprachige Musik boomt. Hast du keine Angst, zwischen Forster, Oerding, Weiss und Co. unterzugehen?

Jonas Monar: Das ist natürlich immer eine Gefahr, wenn etwas boomt. Es kann aber auch genauso gut andersrum funktionieren, dass man auf diesem Trip mitreiten und profitieren kann.

Mark Forster ist eines meiner großen Vorbilder. Ich finde, er macht die besten Texte überhaupt. Es gibt viele Dinge im Deutschpop, die ich nicht machen würde, und ich glaube, dass ich musikalisch ein bisschen anders zu verorten bin, die Texte sind manchmal eine etwas andere deutsche Sprache. Trotzdem sind Vergleiche nicht schlimm. Wenn jemand sagt „Du erinnerst mich an Mark Forster“, dann gibt es für mich Schlimmeres.

Von der Schülerband bis auf die großen Bühnen, heißt es in PR-Texten. Stimmt das?

Jonas Monar: Wir sind als Schülerband, als Freunde gestartet. Dann sind wir in der gleichen Konstellation quasi zu „Port London“ gegangen. Das hat auch immer den Reiz für mich ausgemacht. Darum kam für mich niemand anderer als Gitarrist in Frage als mein engster Freund (Nico Weimer). Dadurch, dass er Profigitarrist ist, hat das wunderbar funktioniert. Ich habe mich auch ganz bewusst entschieden, eine Band aus Hessen zusammenzustellen. Es sind nicht alle von „Port London“, aber einer kommt aus Gießen, Nico aus Wetzlar, der Schlagzeuger aus dem Marburger Umkreis.

2017 geht zu Ende. Wie sehen die Pläne für 2018 aus?

Jonas Monar: Wir spielen zwei sehr große TV-Shows, jetzt an Silvester und Ende Januar, ich darf nur nicht erzählen, welche das sind. Dann arbeite ich fleißig an meinem zweiten Album, es ist fast fertig geschrieben, jetzt gehen wir an die Produktion. Und dann gehe ich auf Tour und will im Frühjahr die erste Single vom zweiten Album herausbringen, im Sommer werden Festivals gespielt und im Herbst kommt dann das zweite Album und eine große Tour.

Es läuft also gut. Lebst du deinen Traum oder ist es doch vor allem Arbeit?

Jonas Monar: Voll mein Traum! Aber natürlich ist es auch sehr viel Arbeit, viel mehr Arbeit als man sich das von außen so vorstellt.

„Kein Plan wohin die Reise geht“ lautet eine Textzeile. Wohin soll die Reise gehen?

Jonas Monar: Ich möchte so lange wie möglich das weitermachen können, auch weil es ein Stück Selbstverwirklichung ist. Und ich möchte immer besser werden. Ich möchte, dass meine Texte ein noch klareres Profil kriegen, auch um mich in diesem riesigen Pool deutschsprachiger Künstler behaupten zu können. Ich glaube, dass dieser Weg grade ein ganz guter ist. Ich weiß nicht genau, wohin die Reise geht, aber ich möchte diesen Weg verfolgen und konsequent bleiben dabei, nicht gefällig werden und mich, wie gesagt, weiterentwickeln und hoffentlich gut davon leben können.

Nico, gilt das für dich genauso?

Nico Weimer: Absolut!


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