Eine Zukunft in Deutschland

Mawliid und Abdilkani sind von Somalia vor dem Krieg nach Deutschland geflohen

Abdilkani Eidle zeigt auf der Karte, aus welchem Bereich aus Somalia die beiden kommen.

Mawliid Suleyban Qabil und Savas Demirci treffen sich auch außerhalb der Arbeitszeiten.

(Fotos: Heep)

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In ihrem Wohnzimmer steht ein großes braunes Sofa vor kahlen Wänden. Der Fernseher läuft. Deutsche Nachrichten. "Ja ich schaue deutsche Sender. Das ist gut, dann höre ich die Gespräche und verstehe etwas", sagt Mawliid in gebrochenem Deutsch. Abdilkani kommt gerade von seinem Deutschkurs nach Hause und setzt sich zu uns.

Die beiden erzählen mir ihre Geschichte mit ernsten Gesichtern. Abdilkani kam im September vergangenen Jahres in Frankfurt an. Er floh aus Somalia über Nordafrika nach Malta, wo er ein Jahr verbracht hat. "Malta ist sehr klein. Da war es schwer, Bildung zu finden. Hier in Deutschland habe ich bessere Möglichkeiten zu lernen", erzählt der 19-Jährige. Zurzeit fällt es ihm noch leichter, auf Englisch zu antworten. An der Werner-von-Siemens-Schule in Wetzlar macht er im Sommer 2015 seinen Hauptschulabschluss im Rahmen der Eingliederung in die Berufs- und Arbeitswelt (EIBE).

In Somalia ging er elf Jahre lang zur Schule und hat somit dort die High School beendet. "Ich kenne alles, nur die Sprache ist ein Problem", schildert der junge Mann seine Situation. Doch er bekommt Hilfe: An seiner Schule und in der Phantastischen Bibliothek besucht er zusätzliche Deutschkurse.

"Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal Schnee gesehen"

Mawliid ist schon seit Sommer 2012 in Mittelhessen. Seine Reise führte über die Türkei nach Griechenland, wo er zwei Jahre blieb, um auf dem Bau Geld zu verdienen. "Ein LKW-Fahrer hat mir für 1500 Euro versprochen, mich im Frachtraum nach Norwegen mitzunehmen", berichtet der 25-jährige. In Österreich hat der Fahrer ihn an einem Bahnhof einfach stehen lassen. "Ich bin in einen Zug gestiegen und wurde dann an der Grenze zu Deutschland kontrolliert." Von München ging es für ihn weiter nach Gießen und schließlich in die Asylbewerberunterkunft in Wetzlar.

Mawliid und Abdilkani kommen aus Beledweyne in Somalia. Die Stadt liegt an der Grenze zu Äthiopien. Seit vielen Jahren herrscht Krieg in dieser Region, die von der islamistischen al-Shabaab kontrolliert wird. Immer wieder kommt es zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit äthiopischen Truppen. "Mein Vater war Übersetzer für somalische und äthiopische Truppen. Er hat mit beiden Parteien gearbeitet und starb bei einem Bombenangriff", erzählt Abdilkani. Mit seinen Geschwistern kann er manchmal telefonieren. "Wenn sie bei meinem Onkel sind, haben sie ein Telefon und können anrufen."

Mawliids Eltern sind auch dem Krieg zum Opfer gefallen: "Mein Vater war früher Soldat für Somalia und ist bei Kämpfen gestorben." Auch er hält den Kontakt zum Rest der Familie - und zu seiner Frau. "Ich hoffe, dass sie auch nach Deutschland kommen können, aber es wird schwer. Vor allem für Frauen ist die Reise gefährlich."

Zurzeit arbeitet Mawliid bei der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, Ausbildungs- und Beschäftigungsinitiativen mbH (GWAB) als Möbelpacker, dort hat er auch seinen Freund Savas Demirci kennen gelernt. Für die Zukunft hat Mawliid klare Ziele: "Aufenthaltserlaubnis, Ausbildung, Führerschein und Arbeit finden", zählt er auf.

Abdilkani möchte vor allem viel lernen, um eine gute Bildung zu erreichen. Den Grundstein dafür legte Patricia Pollei-Bardelle, die ihn, als er für neun Monate in Hohenahr gewohnt hat, ehrenamtlich unterstützt hat. "Ich bin ihr dafür sehr dankbar und habe immer noch Kontakt zu ihr."

Die größten Unterschiede zwischen Somalia und Deutschland, da sind sich die beiden einig, ist das Klima: "In Somalia ist es immer warm - 20 Grad. Hier ist es sehr kalt. Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal Schnee gesehen", erzählt Abdilkani, und Mawliid ergänzt: "Die Sprache und der Frieden."


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