Es rappelt im Karton: Jugend stimmt ab

Politik  Am Gymnasium Philippinum wird die Juniorwahl abgehalten / Vor allem die Grünen punkten

Sieht schicker aus als die oft verwendeten Mülltonnen in den echten Wahllokalen: In diese Wahlurne konnten die Schüler ihre Stimmzettel werfen. (Foto: M. Bach)
Ab in die Urne: Hier konnten die Schüler am Gymnasium Philippinum üben, wie die „echten“ Wahlen ablaufen. (Foto: M. Bach)
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„Junge Menschen wählen meist anders: Sie denken mehr an die eigene Zukunft und lassen sich nicht locken, beispielsweise mit Rentenversprechungen. Außerdem nehmen für sie Umweltthemen einen besonders wichtigen Stellenwert ein“, sagt Bärbel Kamphausen, Lehrerin am Weilburger Gymnasium Philippinum und Fachsprecherin Politik und Wirtschaft.

Drei Berliner Schulen starteten 1999 in Deutschland als erste mit einer Juniorwahl. In den folgenden Jahren wuchs das Interesse der Schulen sowie der Politik an der Juniorwahl stetig. Und 2017 blickte die Juniorwahl auf eine 18-jährige Erfolgsgeschichte zurück, in der sie sich zum größten Schulprojekt in der politischen Bildung in Deutschland entwickelt hat.

Zur Bundestagswahl 2017 nahmen 3490 Schulen mit knapp einer Million Schülerinnen und Schülern an der Juniorwahl teil.

Träger des größten Schulprojektes Deutschlands zur politischen Bildung ist der gemeinnützige und überparteiliche Verein „Kumulus“ aus Berlin, der 1999 gegründet wurde und im Sinne einer verantwortungsbereiten Bürgergesellschaft zahlreiche Projekte, Aktionen und Kampagnen im Bereich der Demokratieförderung anbietet.

Bärbel Kamphausen stieß mit ihrem Vorschlag bei der Fachkonferenz und dann bei der Schulleitung auf offene Ohren und stellte die Organisation zusammen mit allen Kollegen des Faches Politik und Wirtschaft auf die Beine.

Gewählt wurde an zwei Tagen, Wahlhelfer wurden aus dem Leistungskurs zwölf akquiriert. Insgesamt waren 467 wahlberechtigte Schüler zur Teilnahme aufgerufen.

Zu den ursprünglich zwei vorgesehenen Wahlkabinen wurden drei weitere aufgebaut. Denn die veranschlagte eine Minute pro Wahl reichte nicht für die parallel durchgeführte Volksabstimmung aus. Eine Landratswahl wurde nicht abgehalten.

In Hessen haben 260 Schulen aus allen Wahlkreisen und rund 64 000 Schüler vorige Woche abgestimmt

Hessenweit waren es etwa 260 Schulen aus allen Wahlkreisen und rund 64 000 Schüler, die vorige Woche zur Wahl schritten. Die Ergebnisse wurden erst am Sonntag um 18 Uhr bekanntgegeben.

Angestrebt wird übrigens, dass bis zum Jahr 2030 alle weiterführenden Schulen in Deutschland an der Juniorwahl teilnehmen. Denn es habe sich als positiv herausgestellt, dass durch diese Wahlen und die im Unterricht erarbeiteten Themen mehr Wissen bei Jugendlichen und eine stärkere politische Diskussion innerhalb der Familien entstünden.

Auf der Homepage der Juniorwahl ist auch zu lesen, dass eine erhöhte Meinungsbildungsfähigkeit der Schüler und mehr Partizipation am politischen Geschehen auf allen Ebenen (auch im schulischen Bereich) sowie eine zweite Chance der politischen Sozialisation für sozial benachteiligte Familien erfolgen würden. Die Anzahl jugendlicher Zeitungsleser steige ebenso wie die Wahlbeteiligung der Eltern.


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