Familienbande bittet zum Tanz

KONZERT  Die „Broilers“ begeistern rund 5000 Punkrock-Fans in der Rittal-Arena

„Tanzt du noch einmal mit mir“: Die „Broilers“ schwammen in der Wetzlarer Rittal-Arena auf einer Welle des Erfolgs – mutige Zuschauer auf den Armen anderer Fans. (Foto: Lademann)
„Ihr da oben“: Sänger Sammy Samara hat das „Broilers“-Publikum zu jeder Minute voll im Griff. (Foto: Lademann)
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5000 Fans lassen sich ebenfalls nicht lange bitten, um Spaß zu haben und in Fahrt zu kommen. Sie sind bereits vorher heiß auf den ersten Deutschland-Gig der aktuellen Tour und „glühten vor“ – mit Bier. Und zwar in der langen Einlassschlange wie zu den Liedern der Oberhausener Vorband „Emscherkurve 77“. Aber erst als die „Broilers“ auf der Bühne stehen, entbrennt ein Sturm, der gute zwei Stunden lang keinerlei Flaute erlebt.

Das Düsseldorfer Quintett tritt unentwegt aufs Gas und haut dem Publikum ihre mit Pop-, Rockabilly- und Ska-Einflüssen aufgepeppten Punkrock-Songs aus ihrer 25-jährigen Geschichte um Ohren. Die Fans singen von der ersten Minute an mit, recken Fäuste im Takt der Musik in die Höhe, pogen und tanzen wild, surfen auf den Armen anderer Zuschauer in Richtung Bühne, schwenken Fahnen und Transparente.

Was ein Spaß! Auch die eine oder andere Bierdusche ist unausweichlich. Und auch der eine oder andere gestreckte Stinkefinger. Jeder weiß an diesem Abend, wer ihn verdient. „Was wir heute tun, entscheidet, wie wir morgen leben werden“, sagt Sänger Sammy Samara.

Denn die „Broilers“ haben etwas mitzuteilen. Ihre Attitüde ist nicht nur Spaß am Rock, sondern sehr oft auch gesellschaftskritisch. Besonders, wenn es gegen Rechtsradikalismus geht und „all diesen Hass, der im Moment durch Deutschland und die Welt geht“. Gerade die Nummern ihrer aktuellen Nummer-eins-Platte „(sic!)“ wie „Als das alles begann“ oder „Keine Hymnen heute“ geben ein deutliches gesellschaftspolitisches Statement ab: rechtem Gedankengut Paroli zu bieten.

Musikalisch ließ spätestens das 2007er-Album „Vanitas“ eingefleischte Punkrock-Hörer die Augen rollen. Gründe: die genreübergreifende Spielweise der „Broilers“ und der seitdem folgende, mehrmalige Einzug in die Charts. Was die Band so sympathisch macht, ist jedoch gerade ihr organisches und harmonischen Wachsen über die Jahre in einer ebenso familiär gewachsenen Besetzung.

Der gehören außer Sammy noch Gitarrist Ron Hüber, Bassistin Ines Maybaum, Drummer Andreas Brügge und Keyboarder Christian Kubczak an. Der Erfolg gibt ihnen Recht: Hier ist für jeden etwas dabei, nämlich Drei-Akkorde-Klassiker wie „(Schenk mir eine) Blume“ oder die Fußballklatsche „Paul, der Hooligan“, aber auch das mit dreiköpfigem Bläsersatz aufgepeppte Ska-Lied „Nur die Nacht weiß“ und die fast poppige Nummer „Ich brenn‘“.

Fackeln im Sturm: Konzert der Düsseldorfer wird in die Geschichte der Arena eingehen

„Lasst uns durch die Decke gehen“, feuert Amara das gut gelaunte Publikum zum Song „Wo es hingeht“ an. Neben starken Lichteffekten auf der Bühne sind auch leuchtende Fackeln („Nur nach vorne gehen“) zu sehen. Und selbst in nachdenklichen Momenten („Ihr da oben“) lässt der druckvolle Sound nicht nach. Die Fans sind sicher: Dieses Konzert wird gewiss in die Geschichte der Rittal-Arena eingehen.


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