Fast ein Mustang

Mein 18. Geburtstag. Ich werde mit einem Auto überrascht. Ganz ehrlich, ich habe nicht damit gerechnet. Das Auto meiner Schwester war einige Tage vorher in der „Werkstatt“. Repariert wurde nichts. Nur das Original- Markensymbol wurde abmontiert und durch ein Mustang-Pferd ersetzt. Dann habe ich das Auto bekommen und begonnen, es zu lieben.

Weiße Streifen sollen aus der „Huddel“ einen Sportwagen machen

Ein richtiger Mustang wäre mir natürlich lieber gewesen. Aber für einen Fahranfänger tut es auch ein Kleinwagen. Und ich habe ja fast alles probiert, um aus der kleinen „Huddel“ einen richtigen Sportwagen zu machen. Äußerlich jedenfalls. Kurz nachdem ich das schwarze Auto mein Eigen nennen konnte, habe ich zwei weiße Streifen anbringen lassen. So soll es seinem großen Vorbild - einem Ford Mustang – ein Stückchen näher kommen. Natürlich flossen bei mir Tränen, als ich den ersten Kratzer reingefahren habe. Zum Glück konnte der Schaden ausgebessert werden. Weh getan hat es trotzdem – nicht nur dem Geldbeutel.

Wo ich gerade bei Schmerzen bin: Einmal ist mir etwas richtig Peinliches mit dem Auto passiert. Ich bin ausgestiegen, wollte noch mit der rechten Hand etwas auf den Fahrersitz legen und habe dabei mit der linken Hand schon die Tür zugeworfen. Der Arm war natürlich noch dazwischen. Außer einem blauen Fleck ist glücklicherweise nichts passiert.

Auf den mehr als 80 000 Kilometern, die ich mit dem Auto schon zurückgelegt habe, musste die Fahrt nur zweimal aus technischen Gründen abgebrochen werden. Ein platter Reifen und ein zu heiß gewordener Motor waren die Ursachen.

Im Sommer wird es aber nicht nur im Motorraum zu heiß. Die alte Klimaanlage schafft es einfach nicht, den Innenraum zu kühlen. Deswegen ist auch schon ein Schoko-Nikolaus im Handschuhfach geschmolzen. Das war eine Riesensauerei, aber unter den ganzen CDs hatte ich ihn einfach vergessen.

Ansonsten ist mein Auto eigentlich immer sauber. Ich putze es häufiger als mein Zimmer. Aber nicht in der Waschanlage, sondern selbst – per Hand. Alles andere wäre schlecht für die Streifen. Und wenn der Flitzer ganz frisch gewaschen ist, fahre ich ihn sogar mit Socken ins Carport, damit nicht sofort wieder der Dreck der Schuhe auf den Fußmatten landet.

Ich liebe mein Auto. Auch wenn die Scheiben immer anlaufen und ich dann mit einem Schwamm für freie Sicht sorgen muss. Und obwohl mir die Kofferraumklappe bei jedem Öffnen auf den Kopf fällt, weil sie nicht oben bleibt, bin ich froh, das Auto zu haben.

Aber eins steht fest: Das nächste Auto wird ein richtiger Mustang. Doch so lange genieße ich noch die Zeit mit meinem kleinen „Matchboxauto“.


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