Freifahrtschein mit Regeln

PROJEKT In Wetzlar können Jugendliche legal und mit Anleitung ihre Graffitis sprayen

Die Graffiti-Aktionen des Jugendbildungswerkes haben schon einige Plätze in Wetzlar verschönert. (Foto: M. Jung)

Die Graffiti-Aktionen des Jugendbildungswerkes haben schon einige Plätze in Wetzlar verschönert. (Foto: M. Jung)

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Die Unterführung am Ernst-Leitz-Platz, die Außenwand des Freibades Domblick, das Sport- und Freizeitgebäude im Westend - dies sind nur einige Orte, an denen Graffiti-Künstler in Wetzlar kreativ werden können, ohne damit eine Straftat zu begehen.

"Die Jugendlichen sollen lieber bei Tageslicht und für alle sichtbar Wände bemalen statt nachts an privaten Wandflächen", begründet Hans-Helmut Hofmann die Aktion. Der Leiter des Jugendbildungswerkes stellt erfreut fest: "Dank dieser Wände, die die Stadt oder Privatleute zur Verfügung stellen, gab es in den letzten Jahren deutlich weniger illegale Sprayaktionen."

Profis zeigen, wie es geht - so entstehen kreative Graffitis, die die Stadt verschönern sollen

Das Gute daran: Die Wände, die einmal besprüht wurden, werden in der Regel nicht mehr weiter beschmiert. Das weiß Laurenz Müller, der selbst seit 14 Jahren in der Graffitiszene unterwegs ist. Und er ist einer derjenigen, die im Namen des Jugendbildungswerkes Workshops anbieten: "So erfahren die Jugendlichen die Grundlagen, anschließend wird gezeichnet und gesprayt", sagt er. Dabei spielt auch Aufklärung eine wichtige Rolle: "Was passiert, wenn ich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einfach Wände anspraye? Auch die Frage klären wir. Der Respekt vor privatem Eigentum spielt eine große Rolle. Aber die Jugendlichen sollen gleichzeitig wissen, dass es Flächen gibt, wo sie ohne weiteres sprühen dürfen."

Seit 20 Jahren versieht die Graffiti-AG das Stadtbild Wetzlars mit farbigen Akzenten. Jugendliche können sich beim Jugendbildungswerk für Workshops anmelden, die unter anderem Laurenz Müller leitet: "Ich liebe die Arbeit mit den Jugendlichen, das ist mein Ausgleich zum Beruf", sagt der Student, der sich bereits im Marketingbereich selbstständig gemacht hat. In den Workshops sieht der 24-Jährige großes Potenzial: "Die Sprayer sollen ihre Ideen verwirklichen können, aber natürlich auch die geforderten Grenzen einhalten." Auf diese Weise seien bereits zahlreiche schön anzusehende Graffitis entstanden.

Der Hintergrund: "Schmierereien entstehen immer dann, wenn die Aktionen der Jugendlichen nicht richtig angeleitet werden. Es hat wenig mit Graffiti zu tun, wenn ich in der Garage eine Sprühdose finde und unüberlegt loslege", schildert Laurenz.

Stattdessen wird bei den Workshops mit allen Teilnehmern eine gemeinsame Skizze erarbeitet und eine Farbauswahl getroffen. Hier fließen alle Ideen der Jugendlichen mit ein. Und diese sind verschieden, wie die Sprayer auch: "Kreative Köpfe kommen aus allen Schichten und aus den verschiedensten Ländern. Es war auch schon einmal ein Rollstuhlfahrer dabei. Der bislang jüngste Teilnehmer war acht Jahre alt, nach oben gibt es keine Grenzen." So hat Laurenz andernorts vor einiger Zeit sogar einen Graffiti-Workshop mit Rentnern geleitet.

"Wer will, der kann, aber wenn, dann legal", so fasst Hofmann die Graffiti-Aktionen der Stadt zusammen. Doch ihm ist dabei besonders eines wichtig: "Wir möchten darauf hinweisen, dass die Jugendlichen hier auf legalem Weg ihre Kreativität ausleben. Dieser Lernprozess wird bewusst von der Stadt gefördert ."

GRAFFITI-AG

Wer Interesse an den Graffiti-Workshops oder Fragen zu den frei zur Verfügung stehenden Wänden hat, kann sich beim Jugendbildungswerk der Stadt melden. Ansprechpartner ist Hans-Helmut Hofmann, Leiter des Jugendbildungswerkes, Steinbühlstraße 5 in Wetzlar, & 06 441 995 170, E-Mail: jbw(at)wetzlar.de. (maj)


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