Gemeinsam für ein besseres Klima

UMWELT  Bad Endbacher Jugendgruppe ruft zu einem schonenden Umgang mit den Ressourcen auf

„Wir wollen mehr - mehr Klima- und Umweltschutz“: Die Bad Endbacher Klimaschutzgruppe mit (von links) Rafael Panz, Lukas Clobes, Lasse Roßmüller, Max Likic, Emre Halat, Steffi Kaut und Jimmy Hain trifft sich immer mittwochs im Jugendhaus in Hartenrod. Weitere interessierte Jugendliche sind dazu jederzeit willkommen. (Foto: Tietz)
Hier standen einst Bäume und Dörfer: Der Braunkohle-Tagebau Hambach hinterlässt ein über 400 Meter tiefes Loch. (Foto: privat)
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„Es ist wichtig, sich jetzt zu engagieren. Irgendwann ist das Klima nämlich nicht mehr zu retten“, erzählt Rafael Panz. Der Elfjährige aus Hartenrod macht mit in der Klimaschutzgruppe „Wir wollen mehr“. Jeden Mittwochnachmittag treffen sich die derzeit acht jungen Umwelt- und Naturschützer im Jugendhaus in Hartenrod und planen Aktionen oder Ausflüge.

Die Gemeinde Bad Endbach ist eine von zehn Modellregionen bei der bundesweiten Klimaschutzinitiative „Wir wollen mehr“. Diese gibt Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich mit dem Klimaschutz auf vielfältige Weise zu befassen und selbst Projekte umzusetzen. Die Initiatoren wollen damit die Lücke schließen zwischen „Folgen tragen müssen“ und bereits heute über die eigene Zukunft „Mitbestimmen dürfen“.

„Wir haben eine produktive Gruppe, die Jugendlichen kommen mit vielen Ideen“, berichtet Lukas Clobes. Der Bad Endbacher Jugendpfleger betreut das Klimaschutzprojekt, das von der Uni Stuttgart begleitet und von der Kommune finanziell unterstützt wird.

Von Anfang an dabei ist Jimmy Hain. Klimaschutz ist für den 18-Jährigen eine Herzensangelegenheit. Doch man dürfe nicht nur darüber reden. „Es sind alltägliche Dinge, die jeder machen kann – zum Beispiel einfach weniger Wasser und Strom verbrauchen“, betont der junge Bad Endbacher.

Mit Blick auf die schwindenden natürlichen Ressourcen in vielen Ländern der Welt spricht er von einer „erschreckenden Entwicklung“. Deshalb will Jimmy Hain andere Menschen „motivieren, selber etwas für ein besseres Klima und den Umweltschutz zu tun“.

Einen ersten kleinen Erfolg kann die Gruppe schon vorweisen. Sie wurde sie im Rewe-Markt der Familie Studer in Bad Endbach vorstellig und regte an, die Beleuchtung vor der Filiale früher auszuschalten. Mit Erfolg: Die Lampen sind nun jeden Tag eine Stunde weniger an.

Die Parkplatzbeleuchtung am Einkaufszentrum nehmen die jungen Aktivisten ebenfalls unter die Lupe. Sie suchen nach Möglichkeiten, wie auch hier die Leuchtstunden und die Leuchtkraft der Lampen reduziert werden können.

Enger zusammenarbeiten will die Gruppe in Zukunft mit der Mittelpunktschule. Gemeinsame Projekte zum Klimaschutz sollen ins Leben gerufen werden. So ist daran gedacht, Experten einzuladen, die Tipps zum Thema „Handys reparieren statt wegwerfen“ geben können.

„Recyceln ist wichtig, auch das schützt unsere Umwelt“, erklärt Steffi Kaut. Die Zwölfjährige aus Hartenrod verweist dazu auf die Angebote des Repair-Cafés. Dort helfen verschiedene Fachleute – Elektriker, Näherinnen, Fahrradmechaniker, Elektroniker – bei allen möglichen Reparaturen. So werde unnötiger Elektroschrott verhindert.

Max Likic (13) aus Hartenrod stellt fest: „Es ist erschreckend, was wir unserer Umwelt antun.“

Für den Sommer hat die Gruppe eine Aktion geplant: Ganz Bad Endbach soll zusammen aufräumen. „Wir wollen zeigen, wie einfach Klimaschutz sein kann“, sagt Jimmy Hain.

Außerdem wollen sich die jungen Naturfreunde dem Thema Selbstversorgung widmen. Ihr Ziel: Die Bad Endbacher Bürger sollen mehr Pflanzen anbauen, die sie dann auch selbst ernten können. „Wir möchten die Gesellschaft dazu bewegen, wieder mehr selbst zu produzieren, um unabhängiger zu sein und so auch etwas für den Klimaschutz zu tun“, erklärt Lukas Clobes.

Das Thema Energie rückte für die Jugendlichen nun bei einem spannenden Ausflug in den Blickpunkt. Zusammen mit Bürgermeister Julian Schweitzer besuchte die Gruppe den Hambacher Forst. Von seinen ursprünglichen 5500 Hektar sind heute noch nicht mehr als ein Zehntel vorhanden. Der Grund: Seit 1978 wird der Mischwald gerodet, um Braunkohle abzubauen.

„Wir wollten einmal sehen, woher unser Strom kommt“, erzählt Lasse Roßmüller. Die Eindrücke in dem einstmals größten Wald des Rheinlands hätten ihn sehr nachdenklich gestimmt, gesteht der engagierte Zehnjährige aus Hartenrod: „Wo früher Wald war, ist jetzt nur noch ein riesiges Loch bis zu 400 Meter tief und so groß wie Bad Endbach. Da werden ganze Dörfer abgerissen, nur weil sich darunter Braunkohle befindet “

Naturführer und Waldpädagoge Michael Zobel zeigte den Jugendlichen im Hambacher Forst einige Besonderheiten des Ökosystems mit seinen Hunderte Jahre alten Hainbuchen und Stieleichen. „Es ist erschreckend, was wir unserer Umwelt antun“, schildert Max Likic seine Eindrücke. Unvergesslich sei für ihn der Blick von der Abbruchkante auf das Braun­kohle-Abbaugebiet gewesen. „Das sah aus, als wäre hier eine Atombombe eingeschlagen“, erzählt der 13-Jährige aus Hartenrod. Für ihn steht fest: „Es darf nicht sein, dass wir die Erde so sehr kaputt machen, ausbeuten und vermüllen.“

Bei der Führung lernten die Jugendlichen auch einige Naturschützer kennen, die im Hambacher Forst gegen die weitere Abholzung protestieren und dazu vorübergehend in selbst gebauten Baumhäusern leben oder Barrikaden errichten. „Es war schockierend, wie sie über das Vorgehen von Security und Polizei berichtet haben“, erzählt Jimmy Hain. Einige der Demonstranten seien verhaftet und ins Gefängnis gebracht worden.

Resignieren kommt für die Bad Endbacher Klimaschutzgruppe aber nicht in Frage. Sie wollen motivieren und weitere Mitstreiter gewinnen. Jeder Jugendliche oder junge Erwachsene bis 20 Jahre sei in der Gruppe willkommen. „Es ist wichtig, sich für die Umwelt zu engagieren – und das macht auch Spaß“, betonen Steffi Kaut (12) und Emre Halat (12).

Kontakt: Die Klimaschutzgruppe trifft sich mittwochs ab 16.20 Uhr im Jugendhaus Hartenrod. Ansprechpartner: Lukas Clobes, WhatsApp (01 57) 86 61 03 72, oder auf Facebook.


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