Goetheschüler sind fit – und zufrieden

PROJEKT  Mittelhessische Forscher befragen 555 Oberstufengymnasiasten

Gesundheitsbewusster als alle anderen untersuchten Gruppen: Über dieses Prädikat können sich Wetzlarer Goetheschüler als Ergebnis eines Forschungsprojekts freuen. (Foto: Wohlfarth)
Dr. Manfred Betz. (Foto: privat)
Sven Hilk. (Archivfoto: Weis)
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Das Dillenburger Institut für Gesundheitsförderung und -forschung Dillenburg (IGFF), das schlafmedizinische Zentrum der Universitätsklinik Gießen-Marburg (UKGM) und der Fachbereich Gesundheit der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen haben die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von 555 Oberstufenschülern der Goetheschule untersucht.

Die Schüler haben dafür mit Unterstützung der Sportlehrer einen sechsseitigen Fragebogen ausgefüllt.

Erste Ergebnisse sind bereits im November 2017 veröffentlicht worden. Dabei ging es um das Schlafverhalten von Jugendlichen allgemein – nur jeder Fünfte fühlt sich frisch. Schuld seien laut der Forscher die Biologie der Heranwachsenden und der Smartphonekonsum.

Zum allgemeinen Gesundheitszustand sind Wetzlarer Goetheschüler bereits 2008 für eine Examensarbeit befragt worden. Das ermöglichte den Forschern, die Ergebnisse mit denen von heute zu vergleichen – und mit anderen Studien.

„Wir haben in den vergangenen Jahren über 16 000 Jugendliche im Alter von 16 bis 25 Jahren untersucht“, berichtet Studienleiter Professor Dr. Manfred Betz aus Dillenburg. Mit diesem Datenschatz haben die Forscher die Ergebnisse der Gymnasiasten eingeordnet.

Nur acht Prozent der Gymnasiasten rauchen, während es in der Vergleichsgruppe 45 Prozent sind

Dabei zeigte sich, dass die Goethe-Schüler sowohl beim Gesundheitszustand als auch beim Gesundheitsverhalten wesentlich besser abschneiden als Gleichaltrige. Betz: „Die Goethe-Schüler waren bisher mit Abstand die fitteste und gesundheitsbewussteste Gruppe, die wir je untersucht haben. Sie bewegen sich deutlich mehr als Gleichaltrige, ernähren sich gesünder und weisen auch beim Umgang mit Suchtmitteln günstige Werte auf.“

Bereits 2008 sei der Anteil der Raucher mit 15 Prozent unter Goetheschülern sehr niedrig gewesen. 2017 waren es nur noch acht Prozent, bei der gleichaltrigen Vergleichsgruppe 45 Prozent.

Ebenso sei der Alkoholkonsum, obwohl schon auf niedrigem Niveau, deutlich zurückgegangen: 2008 waren es sechs Prozent, jetzt drei Prozent, die mehr als dreimal pro Woche Alkohol trinken (Vergleichsgruppe neun Prozent). Nur 28 Prozent treiben keinen Sport, in der Vergleichsgruppe liegt der Wert bei 41 Prozent.

Insgesamt haben sich Gesundheitszustand und Gesundheitsverhalten der Goethe-Schüler seit 2008 nochmals deutlich verbessert, resümiert der Mediziner.

Die langjährige Forschung hat laut Betz gezeigt: Gymnasiasten profitieren von ihrem Bildungsniveau. Wer besser gebildet ist, dessen Gesundheitszustand ist in aller Regel auch höher. Zudem spiele das Geschlecht eine Rolle: „Junge Mädchen und Frauen sind gesundheitsbewusster“, erklärt Betz. „Die Ergebnisse machen uns stolz und bestätigen unsere Arbeit“, sagt Schulsportkoordinator Sven Hilk.

Die Schüler absolvieren eine mehrwöchige Einweisung ins Gesundheitstraining, erwerben einen Fitnessführerschein und können in Freistunden oder nach dem Unterricht in der schuleigenen Fitnessanlage trainieren. Es bestehen Kooperationen mit Gesundheitseinrichtungen. Alle Schüler nehmen am Wetzlarer Brückenlauf teil. „Damit die Lehrer den Schülern ein gutes Vorbild sind, fördern wir auch deren Gesundheit“, erläutert Hilk.

Wissenschaftlich kann Betz keinen Zusammenhang zu den Bemühungen der Schule und dem Abschneiden der Schüler herstellen. Aber: „In Studien konnten wir zeigen“, erläutert Betz, „dass die Gesundheit von jungen Menschen auch davon abhängt, ob sie sich am Arbeitsplatz oder in der Schule wohlfühlen und Wertschätzung erfahren.“

Die Goethe-Schüler zeigten besonders hohe Zufriedenheitswerte mit der Atmosphäre an der Schule und den Lehrern – 90 Prozent sind zufrieden. In Vergleichsgruppen wurden Werte von 30 bis 40 Prozent erreicht. Betz wird die Einzelergebnisse der Studie auf Einladung der Schule Lehrern, Eltern und Schülern vorstellen.

Die Forscher nehmen derweil die nächste Gruppe ins Visier: Azubis, die bundesweit bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forst und Gartenbau Mitglied sind, sowie Auszubildende des Chemie- und Pharmakonzerns Merck sind die nächsten Teilnehmer der Studie.


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