"Hauptsache ein Auto"

RÜCKBLICK Das Jahr der Flüchtlingskrise und des Abgasskandals aus Schülersicht

Auch nach Schulschluss engagiert: Steffenbergs Schulsprecher Justin Kieper (links) und sein Stellvertreter Steffen Denninghoff in der Gladenbacher Redaktion des Hinterländer Anzeigers. (Foto: Heitz)

Der VW-Abgasskandal beschäftigt auch die beiden Steffenberger Schulsprecher - obwohl beide noch kein Auto haben. (Foto: Pleul/dpa)

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Justin, Steffen, was werdet ihr in 50 Jahren euren Enkeln vom Jahr 2015 erzählen?

Justin: Ich würde von der Schulsprecherwahl erzählen. Das war sehr spannend und aufregend.

Steffen: Es gab insgesamt fünf Kandidaten. Vor der Wahl sind wir durch alle Klassen gegangen und haben uns vorgestellt. Und am Ende war ich total überrascht, dass ich gewählt wurde.

Justin: War bei mir genauso. Mich hat die Wahl auch überrascht.

Gibt es ein Projekt, für das ihr als Schulsprecher gekämpft habt, auf das ihr besonders stolz seid?

Justin: Wir kämpfen zurzeit für Unterstände am Buswendeplatz vor unserer Schule. In SV-Sitzungen war das ein Dauerthema.

Steffen: Es gab immer wieder Beschwerden, dass die Bücher nass werden, wenn es regnet.

Justin: Angestoßen hat das Projekt schon unsere Vorgängerin in ihrer Amtszeit. Gebaut werden die Unterstände jetzt wahrscheinlich im März.

Eure Schule ist seit eineinhalb Jahren nicht mehr eigenständig, sondern Teil eines Schulverbunds. Hat sich euer Schulalltag dadurch verändert?

Justin: Mein Eindruck ist, dass sich nicht viel verändert hat. Ab und zu haben wir neuerdings Vertretungslehrer von anderen Schulen. Und die drei Schulen haben jetzt ein gemeinsames Schulbuschen, das die Hausmeister fahren.

Steffen: Wir müssen zum Beispiel ab und zu zur Kreisschülerratssitzung nach Marburg, wo alle Schulsprecher zusammenkommen. Dafür ist das sehr gut.

Justin: Der Schulverbund ist noch recht jung. Vielleicht kommen die großen Veränderungen erst noch.

Was würdet ihr vor eurem Abschluss gerne noch an eurer Schule ändern?

Justin: Ich würde mich über gesünderes Essen in der Cafeteria freuen. Es hat sich zwar schon ein bisschen gebessert, aber mal ein Salat oder so wäre schön. Es gibt dort vor allem Käsestangen, Pizzastücke und solche Sachen.

Im Jahresrückblick des Hinterländer Anzeigers war das Thema Flüchtlinge vorn. Habt ihr 2015 Flüchtlinge persönlich kennengelernt?

Justin: Wir haben in unserer Schule eine extra Klasse, in der Flüchtlinge verschiedener Altersgruppen Deutsch lernen. Sie sind zwar auch auf unserem Pausenhof, aber meine Klasse hatte mit ihnen bisher nicht viel zu tun. Bei Deiner Klasse ist das anders, oder?

Steffen: Die Mädchen meiner Klasse waren da ziemlich engagiert. Sie haben die Flüchtlingsklasse besucht und dort geholfen. Ich habe Flüchtlinge eher außerhalb der Schule kennengelernt, zum Beispiel beim Tischtennisspielen im TTC "Tenne" Steffenberg.

Sorgt ihr euch, weil so viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen?

Steffen: Ich mache mir da keine Sorgen. Es kommt einem zwar viel vor. Aber wenn alle Länder mithelfen und Flüchtlinge aufnehmen, wird das funktionieren.

Mal ein ganz anderes Thema: Was war eurer Ansicht nach der beste Kinofilm 2015?

Justin, Steffen: Star Wars.

Habt ihr Laserschwerter zuhause?

Justin: Also, ich nicht. Aber Steffen hat ganz viel Star Wars-Lego.

Zum Beispiel?

Steffen: Oh, ich habe zum Beispiel den Millennium Falken in zwei verschiedenen Versionen, Jabba the Hutt und das Raumschiff, in dem er Prinzessin Leia gefangen hat, und noch verschiedene andere Raumschiffe.

Ist das für Dich Spielzeug oder eine Geldanlage?

Steffen: Ich hoffe schon, dass die Sachen irgendwann mal richtig viel wert sind. Aber ab und zu spiele ich auch einfach damit.

2015 war auch das Jahr des Abgasskandals. Kommt für euch noch ein VW als erstes Auto infrage?

Steffen: Mir wäre das egal. Hauptsache ein Auto.

Justin: Man könnte sich ja informieren, ob das ein Modell ist, das von dem Skandal betroffen ist.

Was wird 2016 passieren: Deutschland schafft das Bargeld ab, Deutschland wird Fußballeuropameister oder Deutschland stoppt den Klimawandel?

Justin: Das wahrscheinlichste ist die Europameisterschaft. Für die Abschaffung des Bargelds ist der Zeitraum zu kurz. Und dass wir in diesem Jahr die Erderwärmung stoppen können, glaube ich auch nicht.

Was steht für euch persönlich in diesem Jahr an?

Justin: Der Schulabschluss, der Ausbildungsbeginn und der Autoführerschein. Im August werde ich 17, bis dahin möchte ihn haben.

Steffen: Bei mir ist es auch der Realschulabschluss und der Führerschein A1 für Motorräder mit einem Hubraum bis zu 125 Kubikzentimeter. Für die Maschine habe ich schon gespart. Ich möchte so eine Art Chopper haben. Und dann steht wahrscheinlich auch noch der Ausbildungsanfang an. Zurzeit bin ich noch auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz zum Industriemechaniker oder zum Technischen Produktdesigner, am besten bei uns im Dorf.

 

STECKBRIEF

Name: Steffen Denninghoff
Alter: 16
Wohnort: Quotshausen
Amt: Stellvertretender Schulsprecher der Hinterlandschule Steffenberg
Klasse: 10b
Lieblingsfächer: Mathematik und Politikwissenschaft

Name: Justin Kieper
Alter: 16
Wohnort: Niedereisenhausen
Amt: Schulsprecher der Hinterlandschule Steffenberg
Klasse: 10a
Lieblingsfächer: Mathematik und Sport (fgk)


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