"Ich denke immer noch: Wie krass ist das denn?"

 

Tedros, wir kennen durch dich Lohan Cohan, Percy, Antoine, Ernst Riedler. Wer von ihnen bist du eigentlich?

Tedros Teclebrhan: Also, ich bin Teddy, und ich spiele diese verschiedene Figuren nur.

Wie viel von dir selbst steckt in den Figuren?

Teclebrhan: Immer viel. Um eine Figur zu spielen, musst du viel von dir selbst reinpacken. So mache ich das zumindest. Die Geschichten, die ich da drum herum baue, sind nicht immer von mir. Das sind entweder Situationen, in denen ich oder Bekannte von mir waren, oder irgendwas, das ich als komisch empfunden habe. Und das spiele ich dann einfach.

Gibt es Leute, die deine Witze ernst nehmen, oder nicht verstehen, dass du nur Spaß machst?

Teclebrhan: Das kam noch nicht vor. Bestimmt gibt es ein paar. Aber entweder,  man steht auf die Art Humor, die ich mache, oder nicht.

Wie ist das bei Ernst Riedler? Er äußert sich zum Teil schon sehr rassistisch.

Teclebrhan: Ernst Riedler ist eine Figur, die ich in ähnlicher Art selbst kennengelernt habe.  Aber die Leute raffen in der Regel, dass das Spaß ist. Die zu meiner Show kommen oder meine Videos sehen, verstehen meinen Humor schon.

Gibt es deine Freundin Helene wirklich?

Teclebrhan: Also das ist Antoines Freundin. In seiner Welt existiert sie, aber in meiner Welt nicht.

Hättest du gedacht, dass du durch ein Video auf YouTube bekannter wirst als durch die Schauspielerei im Fernsehen und deine Musicalauftritte?

Teclebrhan: Ne, das hätte ich nicht gedacht.

Wie hast du da reagiert?

Teclebrhan: Ich habe geheult. Ich hab' ein bisschen gebraucht, bis ich das verstanden habe. Wie wichtig das plötzlich ist. Das ist jetzt auch ein Teil von meiner Unabhängigkeit und von meiner Karriere. Ich denke jetzt immer noch: Wie krass ist das denn? Das entwickelt sich ja auch noch weiter. Zwei Jahre sind seitdem schon vorbei, aber ich bin immer noch irgendwie am Anfang.

Was hast du nach deiner Tour geplant?

Teclebrhan: Wir fangen Ende April an, einen Kinofilm zu drehen. Das geht dann den ganzen Sommer lang.

Was kann man in dem Film erwarten?

Teclebrhan: Sido, Fahri Yardim und ich spielen drei Brüder, die ihre Mutter nie kennen gelernt haben und auch nicht wissen, wer die Väter sind. Wir lernen uns kennen, als unsere Mutter stirbt und das Erbe verteilt wird. Wir stellen dann fest: Komisch, der eine ist Deutscher, der andere Türke und der andere Afrikaner. Wie passt denn das zusammen? Das Problem ist auch, dass sie nicht wissen, wo das Erbe ist, und sich dann auf die Suche begeben.

Ich war auf deiner Show in Gießen. Du hast oft das Publikum miteinbezogen. Wie viel ist bei dir improvisiert?

Teclebrhan:  Ich weiß nicht, ich improvisiere viel und gerne auf der Bühne. Es gibt einen roten Faden, aber man weiß halt nie, was derjenige machen wird, den man auf die Bühne holt. Wenn einer reinschreit, dann nehme ich das auch auf. Du merkst auch, dass die Leute keine Hemmungen haben, zu reden. Ich mache das voll gern, und das ist ein Riesenpart von der Show.

Hat dich dabei schon mal was völlig aus dem Konzept gebracht?

Teclebrhan: Wenn irgendwas Lustiges passiert, lache ich natürlich auch. Es gibt immer wieder coole Leute auf der Bühne. In Appenweiher zum Beispiel kamen zwei Leute auf die Bühne: Einer hat gerappt und der andere gebeatboxt, und das waren so Megatalente.


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