"Ich hab noch einiges zu erzählen"

KULTUR Cerna veröffentlicht Roman

„Ein Stift und ein Traum bringen Dich überall hin“: Nachwuchsautorin Katiya Cerna aus Haiger hat ihren ersten Fantasyroman veröffentlicht. (Foto: Triesch)

„Solche Beurteilungen begeistern mich natürlich“, sagt die 21-Jährige, die in Haiger arbeitet. Auch der Hinweis, es handele sich nicht um einen „Standardschinken“, sondern um einen Roman, der „etwas kompliziert, aber gut und interessant“ sei, kommen bei der jungen Frau sehr gut an. Ihr Debütroman, der im Gestaltwandler-Genre spielt, ist im Eisermann-Verlag in Bremen erschienen und für 12,90 Euro erhältlich.

Wer die Autorin kennenlernt, merkt schnell, dass sie sich mehr Gedanken über das Leben macht als andere Altersgenossen. „Ich habe schon früh Interesse an Literatur entwickelt, die für die Gleichaltrigen eher nicht interessant war“, sagt sie. Als Kind hatte sie eher wenig gelesen, aber bereits in der Grundschule Kurzgeschichten und Gedichte geschrieben, die sie anschließend ihrer Eltern und der Oma vorgetragen hat.

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Als der „Schimmelreiter“ von Theodor Storm und diverse Lyriker in ihr Leben traten, avancierte die Literatur zum Hobby Nummer eins. „Seit dem siebten Schuljahr habe ich intensiv geschrieben“, sagt Cerna. „Die Veröffentlichung meines ersten Romans ist die Erfüllung eines Kindheitstraums.“

Einfach war es nicht, viele Ideen hat sie auch wieder verworfen. „Ich habe mehrfach neu angefangen“, sagt die junge Frau und schmunzelt. „Aber ich bin dran geblieben, um meinen Traum zu verwirklichen.“

Für Katiya Cerna war klar, dass sie „etwas Fantasievolles“ erschaffen wollte. Vampirromane, die zu ihrer Teeniezeit angesagt waren, waren nie ihr Fall. Fantasy sollte es aber dennoch sein – „jedoch in einer anderen Richtung“. Das Ergebnis ist ein Roman, der im Bereich der „Urban Fantasy“ angesiedelt ist. Er spielt auf der Erde, und im Mittelpunkt stehen so genannte Gestaltwandler – Wesen also, die Tier und gleichzeitig Mensch sind.

Nachdem sie das Buch – unterstützt durch regelmäßiges „Kaffeedoping“ geschrieben hatte, verschickte die Autorin Leseproben an Verlage und durfte sich über mehrere Zusagen freuen. Sie entschied sich für den Eisermann-Verlag und fand in Lektorin Marie Weißdorn eine verständnisvolle und kompetente Partnerin, die ihr „wertvolle Tipps und Verbesserungsvorschläge“ gab. wie sie sagt.

Die Hauptfigur Ryan Marlan ist halb Mensch und halb weißer Tiger

Der Verleger lobte die Geschichte des Debütromans und den flüssigen Schreibstil der Autorin. Sie habe sich sehr gut mit der Lektorin und den Verlagsvertretern ergänzt, sagt Cerna und fügt nicht ohne Stolz an, dass ihre Story zum weitaus größten Teil unverändert veröffentlicht worden sei.

Im Buch tauchen viele Tiere auf – vom Tiger, über Vögel, einen Stier, eine Ziege, eine Schlange bis zum Orca. „Friedvolle Wesen, die als Mensch und Tier miteinander leben“, sagt die Nachwuchsschriftstellerin, die die einzelnen Figuren sehr bewusst konstruiert hat.

Besonderheiten aus dem Wesen des Tieres werden den Menschen zugeordnet. Die Hauptfigur Ryan Marlan ist halb Mensch und halb weißer Tiger. Er lebt mit anderen Gestaltwandlern in einer geheimen Villa im Wald.

An dieser Form der Fantasy-Literatur fasziniere sie besonders der Gedanke, dass „ein Wesen die äußere Erscheinung verändern kann“, sagt die 21-Jährige.

Ihr Held Ryan ist Sohn eines Menschen und damit nur zur Hälfte ein „Wandler“. Er hat in tierischer Form einige Defizite zu bekämpfen und strebt – wie es der Buchtitel sagt – „nach Vollkommenheit“. „Das funktioniert allerdings nur, wenn er jemanden trifft, der ihn versteht und sein Seelenverwandter (im Buch: sein Äquivalent) ist. So können diese Defizite ausgeglichen werden“, erklärt die Autorin. „Es ist eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und Verlust“, fasst sie ihren Debütroman zusammen.

In der Leserschaft herrscht bereits großes Interesse. Im Internet wird über den Roman diskutiert – Bücher aus dem Gestaltwandler-Genre haben eine große Fangemeinde. Ein Leser lobt das „Buch zum Mitdenken“, ein anderer erklärt, es sei wichtig, „sich reinzudenken und sich die Figuren bildlich vorzustellen“. Das Buch biete zahlreiche unvorhersehbare Wendungen.

„Die Autorin will, dass der Leser mitdenken muss“, mutmaßt ein Leser, was Katiya schmunzeln lässt: „Genau das war der Plan – das Buch soll schon ein wenig ‚Arbeit‘ für den Leser bedeuten.“

Ihr Roman thematisiert subtil und ohne erhobenen Zeigefinger Mobbing, Rassismus, Krieg und Menschen, die versuchen, Macht über andere zu erlangen. „Diese Themen wollte ich streifen, aber ohne sie zu direkt zu benennen“, erklärt Katiya Cerna.

Sie arbeitet bereits an ihrem zweiten Roman, „einem neuen Abenteuer in der gleichen Welt“. Sie will der Schriftstellerei also auf jeden Fall treu bleiben. Das ist für sie nicht erst seit einem Besuch der Buchmesse klar: „Ich hab noch einiges zu erzählen“, sagt Katiya Cerna. „In der Fantasy gibt es unendliche Möglichkeiten und jede Menge Stoff zum Nachdenken.“ Getreu ihrem Motto: „Ein Stift und ein Traum bringen Dich überall hin.“


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