Im Landkreis fehlen Lehrstellen

KARRIERE Initiative wirbt bei ehemaligen Ausbildungsbetrieben / Gaststätte Neu in Niedershausen bildet wieder einen Koch aus

Bildet nach einer Pause wieder aus: Harald Neu (rechts) macht es so möglich, dass David Blanke seinen Traumberuf als Koch verwirklichen kann . (Foto: privat)

Industrie- und Handelskammer (IHK), Kreishandwerkerschaft und Arbeitsagentur werben gemeinsam um ehemalige Ausbildungsbetriebe. Harald Neu, Inhaber des Gasthauses "Zum Westerwald" in Niedershausen ist einer, der dafür bereits gewonnen wurde.

Die vor wenigen Tagen veröffentlichten Ausbildungsbilanzen der hessischen Arbeitsagenturen machen es deutlich: Während in einigen Landkreisen bereits ein Überangebot an Lehrstellen zu verzeichnen ist, gab es im Landkreis Limburg-Weilburg erneut ein Ausbildungsplatzdefizit. Den 2022 Lehrstellensuchende standen nur 1033 gemeldete Ausbildungsstellen gegenüber.

Obwohl sich in jedem Jahr etliche Unternehmen entscheiden, erstmals in die Ausbildung zu investieren, nahm das Lehrstellenangebot 2014 bereits zum dritten Mal in Folge ab.Dazu sagt Alexander Baumann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Limburg-Wetzlar: "Leider müssen wir feststellen, dass sich immer wieder ausbildungserfahrene Unternehmen aus der Ausbildung zurückziehen oder ihre Ausbildungskapazitäten zurückfahren."

Auf die Beweggründe für ihren Rückzug angesprochen, würde die Mehrzahl der Unternehmen eine mangelnde Ausbildungseignung unter den Bewerbern beklagen. Sollten sich im Laufe der Ausbildung doch Defizite beim Auszubildenden offenbaren, greife die Arbeitsagentur dem Jugendlichen mit ausbildungsbegleitenden Hilfen unter die Arme, fügt der Agenturchef zu. Der Präsident der IHK Limburg, Ulrich Heep, appelliert an die heimischen Unternehmen, nicht in ihren Ausbildungsbemühungen nachzulassen: "Insbesondere unsere mittelständische Wirtschaft ist auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen. Die Erfahrung zeigt, dass es schwierig und teuer ist, im Wettbewerb um ausgebildetes Personal mit angrenzenden Regionen zu bestehen." Umso mehr freut sich Heep, wenn Kammerbetriebe nach einer Pause wieder in die Ausbildung einsteigen - so wie Harald Neu, Inhaber des Gasthauses "Zum Westerwald" in Niedershausen.

Der Gastronom hatte seit 1999 immer wieder Köche ausgebildet. "Irgendwann wurde es zunehmend schwieriger, geeignete und vor allem interessierte Auszubildende zu finden. Außerdem spielt bei uns die Verkehrsanbindung eine wichtige Rolle. Eine meiner letzten Auszubildenden ist täglich mit dem Fahrrad von Kubach zu uns gefahren", begründet Neu die Einstellung seiner Ausbildungsaktivitäten. Aber auch andere Aspekte, wie ein verändertes Freizeitverhalten, ein Wertewandel, wirtschaftliche Gründe und ein fehlendes Tourismuskonzept für den Westerwald würden dazu führen, dass die Gastronomie rückläufige Lehrstellenzahlen schreibe.

Neu nennt ein Beispiel: Bei der Planung von Fahrrad- oder Wanderwegen achte man in Bayern darauf, dass die Trasse immer wieder durch Ortschaften mit jeweils ,einer Handvoll’ Gastwirtschaften entlang führe.

Qualität entscheidet

Davon würden Reisende und Gastronomie gleichermaßen profitieren. "Bei uns im Westerwald legt man die Routen weit an den Dörfern vorbei", so der Gastwirt enttäuscht.

Dass er in diesem Jahr wieder einen Koch ausbilde, sei er der Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens und dem Qualitätsbewusstsein der Gäste schuldig, sagt Neu. Im schwierigen wirtschaftlichen Umfeld der Gastronomie entscheide zu aller erst die Qualität und dafür brauche man gut ausgebildetes Personal. Es gäbe aber noch einen weiteren Grund für die Einstellung des neuen Auszubildenden: "Er passt einfach zu mir, zum Betrieb und zu den Mitarbeitern", unterstreicht Neu.

Der neue Mann in Neus Küche habe zu Hause schon immer leidenschaftlich mit seiner Mutter gekocht und ein "hartes" Probearbeiten an einem Wochenende samt Familienfeier gemeistert.

"Er sieht die Arbeit und entwickelt selbst Initiative", lobt der Chef den 21-jährigen Löhnberger. Eigeninitiative sei eine wesentliche Eigenschaft, die ein Auszubildender mitbringen müsse, bestätigt Stefan Laßmann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Limburg-Weilburg. Auch die Kreishandwerkerschaft wirbt bei ehemaligen Ausbildungsbetrieben dafür, wieder ins Ausbildungsgeschäft einzusteigen. "Wer ausbildet stärkt nicht nur das eigene Unternehmen, sondern auch den Wirtschaftsstandort Limburg-Weilburg. Wir können auf keinen erfahrenen Ausbildungsbetrieb verzichten", stellt Kreishandwerksmeister Wolfram Uhe fest.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2014
Kommentare (0)
Mehr aus midde