In Tutu und Leggins

Bevor es richtig los geht, muss ich mich noch umziehen: Leggins, Ballettschuhe und Tutu. Für mich völlig ungewohnt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine Leggins getragen habe. Die Ballettschuhe habe ich von meiner Schwester. Sie sind etwas klein, aber das geht schon. Ich habe nur Fußballschuhe, und die wären eher unpassend.

Dann gehen wir in den Übungsraum. Die anderen Mädchen beginnen schon mit dem Dehnen oder machen ein paar Übungen. Dann geht es los. Wir verteilen uns an den seitlich angebrachten Stangen vor den Spiegelwänden. Brigitte Cohrs-Saridis gibt uns zu Klaviermusik eine Schrittfolge vor: „Tendu, relevé, plié.“ Mit den Begriffen bin ich überfordert. Für mich sieht es so aus, als könnten die anderen Mädchen die Schrittfolge schon auswendig. Dabei ist diese auch für sie neu. Allerdings sind alle Mädchen mit der Sprache groß geworden. „Die meisten sind wirklich schon mit dabei, seit sie fünf Jahre alt sind. Die Schwierigkeit steigert sich mit der Zeit und die Grenze nach oben ist offen“, erzählt Brigitte Cohrs-Saridis, die selbst seit ihrer Kindheit Ballett tanzt. Einem Erwachsenen falle es sehr schwer, den Einstieg ins Ballett tanzen zu finden, da die Beweglichkeit fehle.

Vergeblich versuche ich als absoluter Tanzmuffel, Schritt zu halten

Das spüre ich auch. Meine Beine bekomme ich nicht annähernd so hoch wie alle anderen. Und dann ist dabei mein Knie noch nicht mal durchgestreckt. Während der Übungen habe ich nicht nur Schwierigkeiten, die Übungen zu koordinieren. Mir fehlt auch die nötige Körperspannung. Ein weiteres Problem für mich: Ich kann mir die Bewegungsabläufe nach nur einmaligem Vortanzen nicht merken. Vergeblich versuche ich als absoluter Tanzmuffel, Schritt zu halten. Dann ist das 45-minütige Warm-up an der Stange vorbei. Warm ist mir auch. Ich habe Muskeln bewegt, die ich beim Trainieren im Fitnessstudio oder auf dem Fußballplatz noch nie bemerkt habe.

Nach einer kurzen Pause, die zum Dehnen genutzt wird, geht es weiter. Diesmal ohne Stange, an der ich mich festhalten kann. Die Schrittfolgen kommen mir jetzt noch viel schneller und schwerer vor. Dazu kommen kleine Sprünge und Drehungen. Ich hänge noch mehr hinterher als im ersten Teil. Zu den Mädchen neben mir halte ich Abstand, um nicht im Weg zu stehen, wenn es plötzlich nach links oder rechts geht.

Ballett ist eine schöne, anspruchsvolle und anstrengende Sportart. Trotzdem wäre Tanzen nichts für mich. Um wirklich mitzukommen, solltet ihr schon im Kindesalter mit dem Ballett anfangen. Dafür ist es bei mir schon zu spät. Für Ballett sollte man musikalisch sein und es wirklich wollen. Den Rest kann man sich hart erarbeiten.

Auf unserem midde-YouTube-Kanal findet ihr ein Video zum diesem Artikel.

 

Kontakt:

Ballettstudio Pop

Brigitte Cohrs-Sarridis

Hausertorstraße 47 b

35578 Wetzlar


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