In echt ist alles viel kleiner - Mittendrin bei DSDS

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In einer halben Stunde beginnt die erste Live-Show von Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS). Es ist Samstag, der 16. März. Und die midde-Macherinnen Kirsten und Uli sitzen in einem Studio im Coloneum, gefüllt mit stickiger, warmer Luft, mit anderen Journalisten zwischen kreischenden Mädchen und Björn Busslers Fan-Club. Der halbiert sich allerdings, nachdem Björn als Wackelkandidat schon zu Beginn der Show rausfliegt.


Nun stehen acht leere Stühle in den Zuschauerrängen. Kirsten flüstert: „Gleich füllen sie die Plätze auf.“ Und tatsächlich kommt zehn Minuten, nachdem Björns Fans gegangen sind, eine Assistentin. Sie fragt genervt, ob der Rest, der Björn-T-Shirts trägt, jetzt sitzen bleiben möchte, und zaubert acht neue Leute aus dem Nichts herbei.


Publikum soll dem Fernseh-Zuschauer gute Stimmung vorgaukeln


Vor der Show springt der Warm-Upper René auf der DSDS-Bühne herum, trainiert mit den Zuschauern das Klatschen und erklärt, wie die Show heute Abend verlaufen wird. „Zu Beginn werden die Juroren und Kandidaten den Harlem Shake tanzen, und es wäre geil, wenn ihr alle mitzappelt“, schreit er. Und schon läuft die Musik, und das Publikum tanzt mehr oder weniger engagiert mit.


Kurz vor 20.15 Uhr, dem Beginn der Live-Show, kommen die Moderatoren Nazan Eckes und Raúl Richter auf die Bühne. Es gibt eine Schalte, das Publikum jubelt, wir verstehen kein Wort von dem, was die beiden in die Kamera sagen.
Als wir ins Studio kommen, fällt uns auf, wie klein alles aussieht. Als Fernsehzuschauer bekommt man die Illusion, die Kandidaten stünden auf einer Riesen-Bühne und im Publikum säßen tausende Menschen. Die Zuschauerränge sind aber überschaubar. Und vor allem sitzen im Halbrund fast nur Fanclubs – Familie und Freunde der Kandidaten. Sie haben gleichfarbige T-Shirts an, rot, neongrün, weiß, halten Banner in die Höhe, schwingen große Kuhglocken und jubeln frenetisch, sobald ihr Kandidat namentlich genannt wird oder zu sehen ist. Die restlichen Plätze sind zu einem großen Teil von jungen Mädchen besetzt, die um die Aufmerksamkeit von Bill oder Tom schreien, den Zwillingen von „Tokio Hotel“.

Mit einem Knall wird die Show eröffnet


Eine Minute vor Beginn der Show läuft ein Countdown. In den letzten 30 Sekunden wird es dunkel und still im Studio. Punkt 20.15 Uhr knallt ein Feuerwerk in die Stille, weiße Funken sprühen aus dem Boden, und drei der vier Juroren werden auf einer Plattform nach oben und wieder nach unten gefahren. Während Mateo von „Culcha Candela“ und die „Tokio-Hotel“-Zwillinge auf den weißen Stühlen Platz nehmen, wird laut Dieter Bohlen angekündigt. Braungebrannt springt er auf die Bühne, winkt kurz ins Publikum und die Kamera vor ihm und setzt sich.


Der Warm-Upper René steht währenddessen vor den Zuschauerrängen und fordert zum anhaltenden Jubeln auf. Immer wieder gestikuliert er, damit die Leute klatschen. Vor dem Publikum laufen die Kameramänner auf und ab, Kabelträger flitzen hinterher. Wenn die Kopflampe an ist und das rote Licht leuchtet, sind die Zuschauer auf Sendung.


Die Moderatoren stehen jetzt im Fokus der Kamera. Sie begrüßen die Menschen vor den Fernseh-Bildschirmen daheim, Raúl Richter reißt einige schlechte Witze, im Studiopublikum lacht kaum einer, dann verschwindet er im Backstage-Bereich des Studios und befragt dort den restlichen Abend die Kandidaten vor ihren Auftritten.

Die Wackelkandidaten müssen schnell die Bühne räumen


Kurz nach der Eröffnungsmoderation, dem Harlem-Shake und einem Eröffnungslied, das die Kandidaten singen, wird noch geklärt, welche zwei der sechs sogenannten Wackelkandidaten doch noch in der Live-Show singen dürfen. Hinter uns sitzt ein Mädchen, das permanent kreischt. Die Mikrofone der Kandidaten sind schon an. Als sie erfahren, dass sie nicht weiter sind, hört man lautes Schluchzen im Studio. Dann geht alles ganz schnell, sie müssen die Bühne räumen für die erste Kandidatin des Abends. Während sie in einem kurzen Video vorgestellt wird, das die Zuschauer im TV sehen, wird das Bühnenbild für Susan aufgebaut. Dunkel gekleidete Männer schieben ein Klavier nach vorn und stellen ein Mikro auf. Dann kommt Susan um eine der Video-Wände herumgelaufen, ihre Fans feiern sie. Und schon setzt die Musik ein. Sie spielt anfangs Klavier und singt. Als sie unvermittelt mitten in der Strophe aufsteht, läuft die Klaviermusik einfach genauso weiter.


Susan steht souverän auf der Bühne, hat eine unglaublich gute Stimme, die im Studio sehr laut zu hören ist. So wie alle anderen Kandidaten übrigens auch. Trotz der Lautstärke klingen die Sänger um einiges besser als im Fernsehen.
Die Zeit bis zur ersten Werbepause vergeht ziemlich schnell. Drei gibt es insgesamt, zwischen vier und sechs Minuten lang. Warm-Upper René fordert alle auf, in der Pause nicht rauszugehen: „Jetzt ist keine Zeit, um auf Toilette zu gehen. Hier ist es ja nicht wie daheim.“ Also bleiben wir brav auf unseren Stühlen sitzen, während er in jeder Pause ein neues Spiel mit Freiwilligen auf der Bühne spielt.

Die Männer in der Jury werden gepudert


Sobald die Kameras aus sind, stürzt ein ganzes Team zur Jury und pudert die Männer ab. Wer denkt, in dieser Zeit ein Autogramm zu bekommen, hat Pech. Die vier Juroren sind nur mit sich und ihrer Schönheit beschäftigt. Das bekommen auch zwei Mädchen in der letzten Pause des Abends zu spüren. René kündigt an, dass sie den „Tokio Hotel“-Zwillingen gerne etwas überreichen möchten, und ganz aufgeregt sind. Mit weichen Knien stehen die Mädchen vor dem Jurytisch, während der Warm-Upper versucht, wenigstens einen der beiden dazu zu bringen, sich mal in ihre Richtung zu drehen und sie anzuschauen. Damit hat er keinen Erfolg. Also erklären die Mädels, dass sie einen Stern gekauft haben und ihn nach Bill und Tom benannt haben. Das Zertifikat dürfen sie aber nicht persönlich überreichen: „Wegen des Grabens dürft ihr leider nicht zum Tisch gehen“, ist die lahme Ausrede von René. Bill und Tom schaffen es nur leider auch nicht, sich zu erheben und zu den Mädchen zu gehen. Stattdessen gibt es einen flüchtigen Luftkuss, und schon manövriert der Warm-Upper die beiden zurück auf ihre Plätze. Die Enttäuschung sieht man ihnen an.


Vor dieser Pause ist Tim David Weller dran: Sein Auftritt wird lautstark, lauter als von jedem anderen Fanclub, von seiner Familie bejubelt. Als er schließlich sicher weiterkommt, springt er vor Freude in die Luft.


- Eine Karte für die DSDS-Show kostet zwischen 30 und 40 Euro, je nach Runde. Bis zur siebten Show sind sie allerdings ausverkauft.


- RTL hat die midde-Macherinnen eingeladen, die Fahrt nach und innerhalb Kölns und zurück mussten selbst bezahlt werden.


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