In einer völlig anderen Welt

Christian Ludwig ist derzeit in Lima und kümmert sich dort um Straßenkinder

Hilfe bei den Hausaufgaben, Spiel und Spaß in der Freizeit oder einfach nur Dasein: Für den Verein "Straßenkinderarbeit in Lima" und im Rahmen seines Freiwilligen sozialen Jahres gibt der Rabenscheider Christian Ludwig den beiden Kindern Diego Javier und Daniel, das, was sie ansonsten nicht hätten. (Fotos: privat)

Christian Ludwig wird viele Erfahrungen mit nach Deutschland nehmen.

Bild 1 von 2

Hallo Christian, erzähl uns doch zunächst mal, wie lange du noch in Lima bist und was deine Aufgaben sind.

Christian Ludwig: In Lima arbeite ich in einem Heim für Straßenkinder mit. Ich werde voraussichtlich bis zum 1. Mai kommenden Jahres dort bleiben. Meine Arbeiten sind ganz verschieden. Meistens helfe ich im Haushalt mit, betreue die Kinder nach der Schule und helfe ihnen bei den Hausaufgaben.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag von dir aus?

Ludwig: Meine Mitbewohnerin, ebenfalls eine Freiwillige, und ich kommen um 10 Uhr im Heim an und werden von Diego Javier und Daniel, zwei Jungs aus dem Heim, und "Hermana" Ana, eine Mitarbeiterin im Jungenheim, begrüßt. Wenn die beiden Jungs keine Hausaufgaben haben, spielen wir mit ihnen. Außerdem helfen wir das Mittagessen vorzubereiten und machen die beiden für die mittags beginnende Schule fertig. Danach begleiten wir sie zur Schule und holen dort gleichzeitig die anderen Jungs ab, die morgens schon Schule hatten. Zurück im Heim wird Mittag gegessen und Hausaufgaben gemacht.

Was macht ihr den restlichen Nachmittag?

Ludwig: Meist bleibt noch freie Zeit, in der wir oft in den Park Fußballspielen gehen. Auch Schach oder Gesellschaftsspiele sind beliebt. Nachdem die Kinder, und wir manchmal auch, sich "ausgepowert" haben, werden verschiedene Aufgaben im Haushalt erledigt, während die Kinder sich waschen. Danach gibt es Abendessen und dann ist der Arbeitstag um 18 Uhr auch schon wieder zu Ende.

Wie ist die Situation der Straßenkinder in Lima und woran mangelt es vor allem?

Ludwig: Den meisten Kindern geht es sehr schlecht. Vor allem in den Randbezirken Limas leben Kinder unter Brücken und Häuserruinen ohne fließendes Wasser. Zudem leiden sie innerhalb ihrer Familie unter Gewalt, Hunger, Krankheiten und sexuellem Missbrauch. Demnach mangelt es stark an Bildungsmöglichkeiten, Aufmerksamkeit eines Erziehers und an Dingen, die für uns ganz normal sind, wie Essen und Trinken.

Was hat dich bisher am meisten geprägt?

Ludwig: Das war sicherlich der Besuch des Elternhauses eines Mädchens aus dem Heim. Hier konnten wir die Armut und die Lebensumstände mit eigenen Augen sehen. Diesen Eindruck kann man nicht in Worte fassen. Es war eine völlig andere Welt. Die "Häuser" bestanden nur aus Blech und Holz und es gab keine befestigten Straßen. Leider ist dies die Realität von Millionen Menschen.

Ist die Arbeit gefährlich?

Ludwig: Die Arbeit im Heim ist nicht gefährlich. Man sollte auf den Straßen aber auf Taschendiebe aufpassen, da es häufig vorkommt, dass "Ausländer" ausgeraubt werden. Allerdings sollte man das immer in Großstädten tun.

Warum hast du dich für das FSJ in Peru entschieden?

Ludwig: Es stand für mich schon seit einigen Jahren fest, dass ich ein Auslandsjahr machen möchte, da ich mich für andere Länder und Kulturen interessiere. Außerdem wollte ich meine Sprachkenntnisse verbessern. Als ich dann von "Straßenkinderarbeit in Lima" erfuhr, wusste ich, dass es das Richtige für mich ist. Peru ist ein wunderschönes Land und es gibt viel zu sehen. Außerdem kann man noch Kindern helfen, was zusätzlich ein gutes Gefühl verleiht.

Was bedeutet dir die Arbeit mit den Straßenkindern?

Ludwig: Die Arbeit mit den Kindern bedeutet mir sehr viel. Man wurde sehr schnell aufgenommen und mit offenen Armen empfangen. Es macht Spaß, mit den Kindern zu spielen und ihnen etwas beizubringen. Ein paar der Jungs können nun schon auf Deutsch von eins bis 20 zählen.

Willst du nach dem FSJ weitermachen?

Ludwig: Nein, ich denke nicht, dass ich in diesem Bereich später arbeiten möchte. Es sind tolle Erfahrungen, und es macht viel Spaß, aber manchmal ist es auch anstrengend, sich um so viele Kinder zu kümmern. Ich habe großen Respekt vor den Betreuerinnen, die das ein Leben lang machen.

Was wirst du von deinem FSJ nach Deutschland mitnehmen?

Ludwig: Ich werde viele Erfahrungen und Eindrücke mit nach Deutschland nehmen. Wenn man die Geschichten der Kinder hört, lernt man zu schätzen, wie gut es einem in Deutschland geht. Dass man zwei Eltern hat, die sich um einen kümmern, dass man genug zu essen hat und ein Dach über dem Kopf mit fließenden, warmen Wasser.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2014
Kommentare (0)
Mehr aus midde