"Irgendwann wird es zur Sucht"

Ein Muss für alle Downhillfans: der Flowtrail in Bad Endbach

Birgit Jüngst-Dauber. (Foto: Daniel Boeth)

Lukas Becker.

(Foto: Keller)

Lennart Schröder.

(Foto: Keller)

(Foto: Keller)

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Mit einem Affenzahn geht es hinab: Über kleine und größere Sprünge, steinige Abschnitte, Wurzelpartien und über so genannte Northshore-Elemente. Die Hindernisse - die aussehen wie Leitern auf dem Boden - sind nach den kanadischen Northshore Mountains benannt und erfüllten ursprünglich den Zweck, Mountainbikern auch in unzugänglichen Wäldern Kanadas die Durchfahrt zu ermöglichen. Auf dem Flowtrail in Bad Endbach sorgen sie hingegen für Spaß, Spannung und Abwechslung auf dem Trail.

"Wenn du den Trail fährst, schaltest du ab!", sagt Lennart, der bereits mit 13 Jahren die ersten leichteren Downhillrennen gefahren ist. Der Spaß, die Geschwindigkeit und natürlich vor allem der Nervenkitzel sind es, die die beiden Jungs immer wieder auf die Strecke bringen.

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"Für mich, der perfekte Ausgleich zur Schule"

"Für mich ist das der perfekte Ausgleich zur Schule", sagt Lukas. Meistens sind die beiden zusammen unterwegs, manchmal auch mit mehreren, denn eines haben sie alle gemeinsam: den Spaß an der Abfahrt. Mit entsprechendem Helm, Schienbeinschonern und vollgefederten Downhillbike übersteigt die Ausrüstung schnell mehrere Tausend Euro. Aber auch mit einem guten Rad aus dem Fachhandel komme man die Strecke heil herunter. Eine Federgabel ist allerdings unverzichtbar. "Verkehrssichere" Räder mit Schutzblechen, Klingel und Co sieht man dort eher selten. 

Dass den Konstrukteuren der Piste ein besonders gelungener Trail gelungen ist, bescheinigt nicht nur die Premiumzertifizierung durch die Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB), sondern auch Freeridestar Bobby Root aus Kalifornien. Höchstpersönlich schaute das Idol vieler Jugendlicher noch vor der Eröffnung im Juni vorbei, um den Trail abzufahren. "Einer der besten die ich kenne", lautete das Urteil des Profis, der gleich drei Weltrekorde - unter anderen den schnellsten Wheelie auf dem Hinterrad mit 138,6 Stundenkilometer - hält.

Die Konstrukteure: Das sind vor allem Jungs wie Lennart und Lukas. In unzähligen Arbeitsstunden haben Freiwillige - darunter Jugendliche aus der Mountainbike AG des Vereins zur Förderung bwegungs- und sportorientierter Jugendsozialarbeit (bsj) und des Motorsportclub (MSC) Salzbödetal - der den gemeindeeigenen Flowtrail pflegt - auf- und ausgebaut. Mit dem Know-how von Birgit Jüngst-Dauber, selbst Profisportlerin und Europameisterin im Mountainbike-Marathon 2003, haben sie die seit Jahren immer wieder illegal errichteten Sprungschanzen und Abfahrten im Waldgebiet rund um Bad Endbach zu einer kompletten und vor allem legalen Strecke ausgebaut. 

Schon die Nutzerzahlen sprechen für den Erfolg des Projekts: Seit der Eröffnung im Juni sind weit über 5000 Abfahrten über den Trail gegangen. Ähnlich wie bei Skipisten gibt es drei Schwierigkeitsstufen zur Auswahl: blau für Einsteiger, rot für Fortgeschrittene und schwarz für Experten. Dabei gilt: ein Helm muss immer dabei sein. Auf der schwarzen Piste sind ein so genannter "Fullface-Helm" sowie Protektoren für Schienbeine, Arme und Rücken Pflicht.

Obwohl der Flowtrail auch für "Einsteiger" freigegeben ist, überschätzen viele Hobbyfahrer oft ihr fahrerisches Talent. Größere Stürze und Verletzungen gab es bisher dennoch nicht. "Das ist eben doch mehr als einfach nur den Berg runterfahren", erklärt Birgit Jüngst-Dauber. Nur weil man viel mit dem Mountainbike fahre, beherrsche man noch lange nicht die entsprechende Fahrtechnik. Dennoch brauche man keine Angst vor der Abfahrt zu haben.

Eingebettet ist die insgesamt zwei Kilometer lange Abfahrtsstrecke in zwei Rundkurse. Einer davon umfasst fünf, der andere zehn Kilometer und mit dieser Länge und jeweils 200 oder 360 Meter Höhenunterschied sind sie gern genutzte Trainingsstrecken für Marathon und Cross-Country-Fahrer wie Julian Michel.

Wenn es die Zeit erlaubt, versucht der 26-jährige Student mindestens vier Mal die Woche auf dem Trail zu sein. "Der Flowtrail ist für mich dabei eine perfekte Übung in Sachen Fahrtechnik", erklärt Julian, der im Gegensatz zu Lennart und Lukas lieber bergauf als nahezu ausschließlich bergab fährt. Den Hin- und Rückweg aus dem 16 Kilometer entfernten Altenvers nutzt er sozusagen als Auf- und Abwärmphase für sein Training.

Dass der Mountainbikesport aber keine reine Männerangelegenheit ist, beweist neben der ehemaligen Profisportlerin Jüngst-Dauber auch Nadine Thielmann. Die zweifache Mutter hat ebenfalls Gefallen am Adrenalinkitzel gefunden. "Irgendwann wird es zur Sucht. Ich versuche zumindest einmal die Woche auf der Piste unterwegs zu sein", sagt sie.

In unmittelbarer Nähe zum Flowtrail und den beiden Rundkursen befinden sich auch der Pump 'n' Jump Track Günterod sowie der Flowtrail-Übungsplatz am Kultur-, Sport- und Freizeitzentrum Bad Endbach direkt neben der Lahn-Dill-Bergland-Therme. Bevor man sich gleich auf den Flowtrail macht, empfiehlt sich dort ein Besuch, um Rampen, Northshore-Elemente oder "Anlieger", also Steilkurven vorab zu befahren.

Geöffnet ist der Flowtrail, der für jedermann zugänglich ist, noch bis zum 1. November. Zum Saisonabschluss hat sich das Flowtrail-Team noch etwas Besonderes ausgedacht. Nach einem ersten Testlauf wird der Skilift in Hartenrod leicht umgewandelt und soll am letzte Tag der Saison 2014 erstmals auch Mountainbiker den Berg hinauf transportieren.

Weitere Infos rund um den Flowtrail, Öffnungszeiten, Ansprechpartner und Videos, gibt es auf: www. flowtrail-bad-endbach.de


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