Jeder kann zum Opfer werden

Ein Mitarbeiter des Weißen Rings klärt midde über Cyber-Mobbing auf

Die Opfer von Cyber-Mobbing leiden meistens unter Stress, Einsamkeit aber auch Beschwerden wie Bauch- und Kopfweh. Als Betroffener sollte man sich zuerst einer Vertrauensperson zuwenden. (Foto: Archiv/dpa)

Zuerst findet Laura das etwas komisch, doch sie will nicht, dass Markus denkt, sie sei langweilig. Also schickt sie ihm ein Foto von sich in Unterwäsche.

Einige Tage später bekommt Laura in der Schule Beleidigungen und blöde Sprüche an den Kopf geworfen und merkt, dass sie von allen angestarrt wird.

Als ihr ein Mädchen ein Handy entgegenstreckt, worauf das Foto von ihr zu sehen ist, weiß sie, was passiert ist. Markus hat das Foto weitergeschickt und schnell hat es sich über Facebook und WhatsApp in der ganzen Schule verbreitet. Bei Facebook wird sie auf dem geposteten Foto verlinkt und darunter mit Kommentaren beleidigt. Auch über Whats­App erhält sie beleidigende Nachrichten.

Mädchen sind laut Studie von Beleidigungen im Internet häufiger betroffen als Jungs

Ob in der Schule oder am Arbeitsplatz, ob jugendlich oder erwachsen - immer öfter werden Menschen über das Internet gemobbt, das sogenannte Cyber-Mobbing.

Laut der "Jugend, Information, (Multi-) Media-Studie" von 2013 fühlen sich 55 Prozent der Jugendlichen im Bezug auf den Schutz ihrer Daten sicher.

Zwölf Prozent der Internetnutzer gaben an, dass schon einmal etwas Falsches oder Beleidigendes über sie verbreitet wurde. Mädchen sind mit 14 Prozent häufiger betroffen als Jungs mit zehn Prozent.

midde erklärt mit Hilfe des Mitarbeiters des Weißen Rings, an diesem Beispiel, was das Opfer hätte anders machen können, wie ihm geholfen werden kann und ob es "typische" Mobbing-Opfer gibt.

Tobias Grän erkennt das Problem im Beispiel und erklärt: "Weder Laura noch ihre Mitschüler verfügen anscheinend die sogenannte Medienkompetenz."

Medienkompetenz bedeutet, die Fähigkeit zu haben, mit den neuen Medien so umzugehen, dass der Schutz der persönlichen Daten gewährleistet bleibt. Außerdem müsse laut Grän sensibel mit den Daten anderer umgegangen werden.

"In dem Beispiel hätte Laura das Foto definitiv nicht versenden dürfen", ist sich der Löhnberger sicher. Dem Jungen hätte sie, Medienkompetenzen vorausgesetzt, eine klare Absage erteilen müssen oder einfach nicht reagieren sollen.

"Jetzt sollte sich das Mädchen einer Vertrauensperson, zum Beispiel aus Familie oder Freundeskreis, zuwenden", rät Grän. Wichtig sei es, Beweise zu sammeln und die Vorfälle zu dokumentieren.

Das heißt, zum Beispiel, Screenshots von den Nachrichten auf ihrem Handy und bei Facebook zu machen.

"Die Vertrauensperson sollte dem Opfer klarmachen, dass eine Straftat begangen wurde", sagt der Mitarbeiter des Weißen Rings. Dann müsse sich an jemanden gewendet werden, der sich mit solchen Kriminalitätsopfern- und fällen auskennt.

Das wäre zum einen die Polizei, aber auch der Weiße Ring, ein Verein, der Kriminalitätsopfern hilft.

Neben einem Gespräch und dem gemeinsamen Gang zur Polizei oder zum Anwalt kann der Weiße Ring unter anderem helfen, Fotos oder Posts aus dem Internet zu löschen. Außerdem kann den Opfern in Notsituationen finanziell geholfen werden.

Viele Opfer sind schon lange Außenseiter, es kann aber jeden treffen

"Der Junge kann für die Verletzung des Rechts am eigenen Bild und wegen Beleidigungen verantwortlich gemacht werden", erklärt Grän. Zudem sei es strafbar, wenn das Bild einer Person gegen deren ausdrückliche Zustimmung veröffentlicht wird und dieses Foto die Person verunglimpft.

"Grundsätzlich kann jeder zum Mobbing-Opfer werden, und es ist auch sehr leicht, zum Täter zu werden", betont Grän immer wieder. "Man kann jedoch sagen, dass die Opfer häufig ängstlich sind und nur virtuelle Freunde haben."

Außerdem seien es oft Außenseiter und das schon ihr Leben lang. Aus der Familie bekommen viele Opfer nur sehr wenig Unterstützung.

Wer gemobbt wird, leidet laut Grän unter Stress, Einsamkeit und Schulphobie. Aber auch Beschwerden wie Bauch- und Kopfweh oder Schlaflosigkeit können auftreten.

Depressionen und andere Angstzustände sowie Aggressionen führen in einzelnen Fällen gar zu Selbstmord.

Doch warum nimmt das Mobbing über das Internet immer weiter zu, was bringt es den Tätern, über das Internet zu mobben und nicht persönlich von Gesicht zu Gesicht?

"Das Internet dient der schnellen Ausbreitung und bringt Öffentlichkeit. Außerdem spielt die Anonymität eine ganz große Rolle", erläutert Grän.

Der Täter könne sich unter einem falschen Namen einen neuen Account bei Facebook anlegen und eine Person mobben, ohne dass diese weiß, wer der Täter ist. "Die Täter können unerkannt ihr Unwesen treiben, dadurch ist die Hemmschwelle geringer."

Betroffene können sich kostenfrei unter der Telefonnummer Telefon: 11 60 06 mit ihrem Problem an den Weißen Ring wenden.


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