Junge „Smombies“ meist Mädchen

VERKEHR  Autoclub wirbt in Herborn für Aufmerksamkeit im Straßenverkehr

Finger weg vom Smartphone im Straßenverkehr. Abgelenkte Fußgänger bringen sich in große Gefahr. (Archivfoto: Weirich)
„Smombie-Jäger“: Gerhard Holighaus und Werner Schäfer vom ACE haben in Herborn ein Auge auf die Smartphone-Nutzer. (Foto: privat)
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Alkohol und Drogen, zu hohe Geschwindigkeit und Fahren ohne Gurt – das waren bisher die drei „Killer“ im Straßenverkehr, wissen die Experten des Autoclubs Europa (ACE). Immer häufiger käme die Ablenkung durch Smartphones und Co. hinzu. „Smombie“ steht in diesem Zusammenhang als Abkürzung für „Smartphone Zombie“.

Um dem weit verbreiteten Phänomen entgegenzuwirken, betreiben die Mitglieder des ACE in den Dörfern und Städten Aufklärungsarbeit. So auch in Herborn.

Um Vergleichswerte zu bekommen, beobachteten die „Smombie-Jäger“ den Verkehr an den gleichen Stellen wie vor einem Jahr: am Schießplatz und an der Kreuzung Konrad-Adenauer Straße/Hauptstraße. „Generation Kopf unten“: Mehr als 30 Prozent aller Jugendlichen starrt im Straßenverkehr auf das Smartphone. Fast jedes zweite Mädchen, genau gesagt 44,3 Prozent, und mehr als ein Drittel der Jungen, 32,6 Prozent, fielen beim Überqueren der Straßen in Herborn bei einer erneuten Stichprobe Mitte August auf. „Die Zahlen sind gegenüber dem Vorjahr bei den Mädchen sogar noch angestiegen“, berichten Gerhard Holighaus und Werner Schäfer, ehrenamtliche Kreisvorstandsmitglieder des ACE. Unterstützt wurden sie von Uwe Völker, dem ACE- Regionalbeauftragten Hessen.

So amüsant der Anblick der „Smombies“ auch manchmal sei. Es handele sich um einen sehr gefährlichen Trend. Mal eben noch eine WhattsApp verschicken oder schnell etwas twittern. Völlig versunken in ihr elektronisches Gerät überquerten Smartphonenutzer die Straße, ohne auf den Verkehr zu achten. Und das, obwohl die Fußgänger die schwächsten Verkehrsteilnehmer seien. Laut Erhebungen des ACE stellen sie innerorts 60 Prozent aller Verkehrstoten.

Das Smartphone hat sich zu den häufigsten Unfallursachen von Fußgängern innerorts entwickelt

Zu den Gründen zählt neben der Rotlicht-Missachtung als häufigste Unfallursache auch die Tatsache, dass sich immer mehr Fußgänger im Straßenverkehr abkapselten und mit Kopfhörern auf den Ohren und den Blick aufs Smartphone gerichtet im Verkehr unterwegs sind. Deshalb machte Deutschlands zweitgrößter Autoclub im Rahmen der Verkehrssicherheits-Aktion „Finger weg!“ Fußgänger in Herborn auf die Gefahr durch Ablenkung im Straßenverkehr aufmerksam.

Die Aktion in Herborn bestätigt den allgemeinen Trend: Von 447 Fußgängern waren 115 mit dem Smartphone beschäftigt. Im Einzelnen stellten die ACE-Vorstandsmitglieder fest, dass rund 20 Prozent der Männer (23 von 113) und 15 Prozent der Frauen (24 von 157) mit dem Handy telefonierten oder mit Kopfhörern abgelenkt waren. Bei den Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahre fielen beim Überqueren der Ampel die Prozent Quoten wesentlich höher aus: Rund 32 Prozent der Jungen (29 von 89) und 44 Prozent bei den Mädchen (39 von 88) waren von ihrem Smartphone abgelenkt.

„Auffallend ist, dass Mädchen viel häufiger das Smartphone am Ohr haben als Jungen“, sagt Gerhard Holighaus. Das sei auch in anderen Städten in Hessen festzustellen. (red)


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