Junge Biker suchen ihren Platz

FREIZEIT  Gladenbacher Jugendliche machen sich für einen Trainingsparcours stark

„Wir wollen mit niemanden Stress haben und wünschen uns einen Trainingsparcours in Gladenbach“: Stellvertretend für ihre Mountainbike-Clique wagen (von links) Phil Louis Kaut, Luca Biedebach, Nino Schumertl, Justin Weber und Andre Subkowiak den Schritt in die Öffentlichkeit. (Foto: Tietz)
Nur fliegen ist schöner: Mit ihren Bikes wagen die Jugendlichen einige Kunststücke. Auf einem Trainingsparcours könnte das in geregelten Bahnen ablaufen. (Foto: privat)
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Bodenwellen, Steilkurven und Sprünge sind ihr Metier. Hier fühlen sie sich wohl. Mit ihren Mountainbikes Gas zu geben, das macht ihnen Spaß. „Es sind die Geschwindigkeit, die Tricks, das Gemeinschaftsgefühl – sie machen den Reiz des Mountainbikens aus“, erzählt Nino Schumertl.

Der 13-Jährige aus Gladenbach gehört zu einer etwa 25-köpfigen Biker-Clique, die sich mehrmals in der Woche trifft. Meistens in der Gladenbacher Kernstadt, aber auch in der Nachbargemeinde Bad Endbach. Denn dort gibt es legale Plätze (Flowtrail, Übungsparcours), auf denen sich die jungen Mountainbiker austoben dürfen.

Luca sagt: „Es ist schade, dass es hier nicht so viele Möglichkeiten für unser Hobby gibt“

„Fahrrad fahren ist einfach cool“, schwärmt auch Phil Louis Kaut (16) aus Römershausen. Mit Highspeed einen Weg runterzufahren, bringe den Adrenalin-Kick und sei auch ein guter Ausgleich zum Schulalltag. „Dabei kannst du dich richtig auspowern“, sagt Phil.

Die Mountainbike-Anlagen in Bad Endbach haben für die Jugendlichen aus Gladenbach aber mittlerweile den Reiz verloren. Die würden keine Abwechslung mehr bieten. Außerdem fehle es hier mittlerweile an Sitzgelegenheiten für eine Pause. Denn gerne würde sie sich auch einfach mal nur zusammensetzen, quatschen, austauschen und die neuesten Videoclips von ihren Fahrten auf dem Smartphone zeigen.

Ein weiteres Problem: die Entfernung. Denn zum Flowtrail müssen die Jugendlichen erst einmal hin radeln – und später auch wieder zurück. „Ein zentraler Platz in Gladenbach wäre ideal, wo wir uns nach der Schule mal für ein Stündchen treffen können“, fasst Nino den großen Wunsch der Mountainbike-Gruppe zusammen. Ihre „Lieblingsspots“ in der Kernstadt sind im Moment das Gelände am oberen Schulstandort und der Platz am Alten Amtshaus.

Doch gerade auf der „Insel“ gibt es deswegen auch schon mal Ärger, wenn die Jugendlichen zu flott an Passanten vorbei sausen. „Wir nehmen Rücksicht auf Fußgänger“, betont Luca Biedebach (13) aus Mornshausen.

Er und seine Freunde haben festgestellt: Radfahrer haben in Gladenbach keine große Lobby. Autofahrer und Fußgänger würden sie anmeckern, wenn sie auf der Straße oder auf dem Bürgersteig unterwegs seien. Doch wo sollen sie denn hin?

„Es ist schade, dass es hier nicht so viele Möglichkeiten für unser Hobby gibt. Ein fester Platz wäre toll – ein Übungsparcours, wo man Tricks lernen kann, wo wir vielleicht selber etwas bauen dürfen, wo wir Spaß haben und gemeinsam mal einen ganzen Tag verbringen können“, sagt Luca. Ein Gelände, auf dem auch gegrillt oder gezeltet werden könnte.

Die Jugendlichen haben ein aus ihrer Sicht geeignetes Areal bereits im Blick. „Wir haben uns schon beim Bürgermeister und Stadtjugendpfleger erkundigt, welcher Platz frei wäre. Und da ist die Ballonwiese besonders in den Fokus gerückt“, berichtet Nino. Allerdings gibt es auch hier ein Problem: Denn ein Teil der Fläche unterhalb des Reitplatzes ist an den Verein der Pferdefreunde verpachtet.

Deshalb machen sich die jungen Mountainbiker auch über Alternativen Gedanken. In Frage käme vielleicht das Gelände an der Freizeit- und Bildungsstätte des Marburger Vereins „bsj“ am Weidenhäuser Sportplatz. „Die Kernstadt wäre natürlich ideal, aber wir würden uns auch mit Weidenhausen oder Erdhausen zufriedengeben“, erklärt Phil.

Konkrete Vorstellungen zu Umfang, Ausstattung und Finanzierung ihres Vorhabens haben die Jugendlichen ebenfalls bereits. So groß wie der Marktplatz müsste der Trainingsplatz schon sein, meinen sie. Mehrere „Lines“ (Routen) mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen sollten dort angelegt werden – mit Sprüngen und Kurven.

Damit die Kosten für die Stadt möglichst gering ausfallen, wollen die jungen Biker selbst Geld beisteuern. Spenden sammeln ist deshalb angesagt. Ihr Projekt hat Stadtjugendpfleger Karl Nickel für die Jugendsammelwoche angemeldet. 70 Prozent der Einnahmen darf die Gruppe behalten.

Außerdem würde Apotheker Axel Baum den Jugendlichen seine ausgemusterte EDV-Anlage zur Verfügung stellen, sagt Nickel. Die Geräte könnten dann über eine Internet-Auktionsplattform zu Geld gemacht werden. „Sponsoring von Firmen wäre auch möglich. Und dann haben wir jede Menge Hände, die beim Bau mit anpacken würden“, sagt Nino. Sein Vorschlag: Material wie Holz und Erde könnten ebenfalls über Spenden besorgt werden.

Mountainbiken sei Teil der Jugendkultur geworden und biete viele positive Aspekte, betont Karl Nickel. „Wenn man die negativen Aspekte durch eine eigene Strecke ausgrenzen könnte, wäre das super“, so der Stadtjugendpfleger.

 

JUGENDLICHE WOLLEN MIT POLITIKERN SPRECHEN

Das Gladenbacher Parlament muss entscheiden, ob ein Trainingsparcours für Mountainbiker in der Stadt gebaut werden soll. Von einigen Politikern ist er Wunsch der Jugendlichen bereits positiv aufgenommen worden.

Die SPD-Fraktion hatte dazu im Februar einen Antrag in der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt. Darin heißt es: „Der Magistrat der Stadt Gladenbach wird beauftragt, eine Fläche von circa 4000 Quadratmetern für die Errichtung eines Trainingsparcours für Mountainbiker (Pump n’ Jump-Track) in der Kernstadt bereitzustellen.“ Weil jedoch noch Beratungs- und Informationsbedarf bestand, zog die SPD den Antrag wieder zurück.

Das Thema wird in naher Zukunft aber wieder auf die Tagesordnung kommen. Dann wären die Jungen Mountainbiker auch bereit, während einer Sitzung des Jugendausschusses einmal ihr Anliegen den Politikern vorzustellen. „Auf jeden Fall können wir das machen, das wäre bestimmt sinnvoll“, sagt Nino Schumertl (13). (mi)


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