Junge Politiker daten mit Speed

Wahl  140 Freiherr-vom-Stein-Schüler diskutieren über Klimaschutz, Migration und die EU

Gut vorbereitet: Schüler der neunten Kassen beim Speed-Dating in der Turnhalle der Wetzlarer Steinschule. (Fotos: Baar)
Stellen sich den Schülern (v.l.): Dennis Förster (Die Partei), Tobias Weißmann (Jusos), Thorben Sämann (Grüne Jugend), Akop Voskanian (Junge Union), Lucas Schwalbach (Junge Liberale), Diego Semmler (Freie Jungwähler), Patrick Bauer (Junge Alternative).
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Lucas Schwalbach, Landesvorsitzender der Jungen Liberalen in Hessen, macht keinen Hehl daraus, was er von dem Kollegen der Jungen Alternative, Patrick Bauer, hält: Nichts. „Die AfD, die ja Experte für Alternativen ist, ist es auch für alternative Fakten“, bemerkt der 25-jährige Jungpolitiker süffisant und hat die Lacher in der Turnhalle der Steinschule auf seiner Seite.

Bereits in den ersten Minuten der Podiumsdiskussion geht es zur Sache. Die AfD will das Pariser Klimaschutzabkommen nicht umsetzen, schließlich gebe es überhaupt keine wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, sagt der 22-jährige Patrick Bauer und steht damit ziemlich alleine. Thorben Sämann (23), Vorsitzender der Grünen Jugend Hessen und Stadtverordneter in Wetzlar, hält dagegen und bekommt Unterstützung von den jungen Vertretern der anderen Parteien. Zwar unterscheiden sich die Vorschläge zum Abbau von Schadstoffemissionen in einigen Punkten, doch einig sind sich Akop Voskanian von der Jungen Union, Tobias Weißmann von den Jusos, Diego Semmler von den Freien Jungwählern, Schwalbach von den Jungen Liberalen und Sämann von der Grünen Jugend durchaus darin, dass das Klima in Gefahr ist und geschützt werden muss. Die Partei, vertreten durch Dennis Förster (31), fährt mit ihrem Vorschlag den ersten Zwischenapplaus der Veranstaltung ein: „Uns ist der Wandel egal. Wir sind für mehr Chemtrails am Himmel, darüber steuern wir dann das Klima.“

„Wir sind für mehr Chemtrails am Himmel, darüber steuern wir dann das Klima.“

Die Schüler der neunten Jahrgangsstufe wissen, dass sie es mit einer Satirepartei zu tun haben, denn sie sind gut vorbereitet auf das Demokratieprojekt: „Seit den Sommerferien behandeln wir das Thema Bundestagswahl im Politikunterricht“, erklärt Lehrer Christoph Schmidt. Höhepunkt des Wahlthemas wird am morgigen Mittwoch die Juniorwahl in der Steinschule sein, in der die Bundestagswahl für die Neuntklässler simuliert wird.

Neben dem Thema Klimawandel geht es in der Podiumsdiskussion um die Außenpolitik, Rüstungsexporte, Innere Sicherheit, die Europäische Union und die Flüchtlingskrise. Eine der moderierenden Schülerinnen ist Elisabeth Felgenhauer. „Superinteressant“ findet die 14-Jährige die Veranstaltung. Da wollte sie sich unbedingt mit ihren Fragen einbringen.

Auch Christian Büger moderiert begeistert auf dem Podium. Der ebenfalls 14-Jährige ist durch sein Elternhaus politisch geprägt, sein Vater ist der hessische FDP-Politiker Matthias Büger, unter anderem Vorsitzender der FDP-Stadtverordnetenfraktion.

Nach einer Stunde Diskussion ist das Plenum dran: Die sieben Politiker müssen den Schülern im Speed-Dating Rede und Antwort stehen. In Kleingruppen können die Schüler alle fünf Minuten einen anderen der anwesenden Politiker in die Zange nehmen. „Wie stehen Sie zu dem Wahlprogramm Ihrer Mutterpartei?“, „Was für eine Koalition wünschen Sie sich in Berlin?“, sind nur einige der Fragen, von denen keine unbeantwortet blieb. Dabei liegen die Jungpolitiker nicht immer auf Linie mit ihrer Mutterpartei. „Da kommt man manchmal in Erklärungsnöte“, so der 19-jährige Vorsitzende der Jusos Lahn-Dill, Tobias Weißmann. Doch, gibt er zu bedenken: „Dass wir Jungen abweichende Meinungen von der Mutterpartei haben, führt zu Diskussionen, die uns nach vorne bringen.“ Und es zeigt, welche Themen die nächste Generation auf der Agenda stehen hat. Für die Jungen sind das die Themen Klimaschutz, Friedenssicherung, Globalisierung.


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