"Kinder sind gezwungen, zu arbeiten"

HILFSORGANISATIONEN Student aus Naunheim engagiert sich im Libanon für Flüchtlinge aus Syrien

Es mangelt an allen Ecken und Enden: Dominik Zell (vorne links) arbeitet als freiwilliger Helfer für die Organisation Salam LADC in einer Flüchtlingssiedlung im Libanon. (Foto: Jon See)

(Foto: Jon See)

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Nach seinem Abitur an der Goethe-Schule in Wetzlar beschließt Zell, sich von Dezember 2015 bis Februar 2016 als freiwilliger Helfer auf der Insel Lesbos zu engagieren. Von anderen Freiwilligen erfährt er, dass sie, nachdem das Abkommen der Europäischen Union (EU) mit der Türkei in Kraft getreten ist, in den Libanon gehen werden. Dort wollen sie Flüchtlingen helfen.

„Überall hängen Stromleitungen und die Siedlungen sind oft stark verschmutzt“

Der Naunheimer bleibt mit den „Ex-Kollegen“ über soziale Netzwerke in Kontakt, verfolgt ihre Arbeit und entschließt sich, im September ebenfalls in den Libanon zu gehen. Dieser Zeitung hat er erzählt, was er dort erlebt:

In den vergangenen zwei Jahren konnten die Menschen in Deutschland über die Medien den Weg vieler Flüchtlinge mitverfolgen. Berichtet wurde von ihrer Ankunft an den Stränden Griechenlands, über die hoffnungsvollen und verzweifelten Momenten an der griechisch-mazedonischen Grenze bis zum Erreichen der deutschen Bahnhöfe. Was selten zu sehen war, sind Bilder aus den Lagern in Ländern wie Jordanien und dem Libanon, sagt Zell.

Der Libanon, so berichtet er, habe eine lange Tradition als Zufluchtsort für Menschen, die ihre Heimat verloren haben. „In der jüngsten Vergangenheit sind, laut offiziellen Zahlen, mehr als eine Millionen Syrer in den Libanon gekommen, um Schutz vor dem seit mehr als fünf Jahren wütenden Bürgerkrieg zu finden. Das Land selbst hat nur 4,5 Millionen Einwohner“, erklärt Zell.

Die Syrischen Flüchtlinge lebten zum Großteil nun schon seit mehreren Jahren in den Siedlungen. Durch ihren hohen prozentualen Anteil an der Gesamtbevölkerung mangele es an allen Ecken und Enden. „Die Häuser haben oft löcherige Decken, die Wände bestehen aus dünnen Plastikplanen und der Boden ist harter Beton. Da viele Familien Miete für das Land, auf dem sie leben, zahlen müssen, sind die Kinder gezwungen, arbeiten zu gehen, um ihre Familie finanziell zu unterstützen.

Viele Kinder erhalten deshalb keine Schulbildung. Oft wird nur ein Bruchteil des versprochenen Gehaltes gezahlt. Das wiederum führt zu Spannungen zwischen der libanesischen und syrischen Bevölkerung, da die syrischen Arbeiter günstiger sind“, beschreibt Zell die Situation.

Spielzeug würden die meisten Flüchtlingskinder nicht besitzen und wer nicht arbeiten gehen könne, der vegetiere seit Jahren in den Siedlungen vor sich hin.

Auch der Zustand der Siedlungen sei schlecht, sagt Zell: „Überall hängen Stromleitungen, es kommt öfter zu Bränden und die Siedlungen sind oft stark verschmutzt, da die Abfallentsorgung unzureichend ist.“

Weil Organisationen der Vereinten Nationen nur 25 Prozent des benötigten Geldes zur Verfügung hätten, um die Flüchtlinge zu unterstützen, sei die Situation ebenfalls angespannt, erklärt der 20-Jährige.

Das „World Food Program“ könne deshalb beispielsweise nur 13,50 US-Dollar pro Flüchtling und Monat für Lebensmittel bereitstellen. Die entstehenden Lücken zu schließen, bemühen sich kleinere Organisationen wie Salam LADC. Für diese Organisation ist Dominik Zell tätig.

Salam wurde 2006 im Zuge des israelisch-libanesischen Konflikts gegründet, um den Dialog zwischen den Ortsansässigen und der Flüchtlingsbevölkerung zu stärken. Die Organisation finanziert sich durch Spenden.

In Kooperation mit UNHCR und dem libanesischem Ministerium für Soziales werden mehrere Projekte betrieben, die durch freiwillige Helfer aus aller Welt umgesetzt werden. Zu diesen Projekten gehört die Ausgabe von Grundnahrungsmittel ebenso wie die Hilfe bei medizinischen Problemen und Notfällen. Die Organisation bietet zudem Kindern Englisch- und Matheunterricht an, damit sie auf eine libanesischen Schulen gehen können.


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