K(l)ommunikation ist Frauensache?

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Das Siegener Café „Extrablatt“ geht seit kurzem einen ganz besonderen Weg, um die „K(l)ommunikation“ zu erleichtern: In der Filiale in der Bahnhofstraße gibt es die erste offizielle Doppeltoilette für Damen. Die trägt den Namen: Kommunikationstoilette - für dich und deine beste Freundin. 

Die Idee dazu war aus der Not geboren - und stammte von einem Mann, dem "Extrablatt"-Geschäftsführer Besim Dermaku, wie Betriebsleiterin Semra Kocak erzählt. "Wir hatten einfach nicht genügend Platz", erklärt sie. "Dass dieser Platzmangel so große Wellen schlagen würde, damit hätten wir nie gerechnet." Fernseh- und Radiosender kommen nach Siegen, um über die Doppel-Toilette zu berichten. Der Gedanke dahinter: "Frauen gehen doch ohnehin zu zweit auf die Toilette", sagt Semra Kocak und spricht damit aus Erfahrung. "Meine Freundinnen machen es, meine Mutter und ihre Freundinnen machen es. Auf der Toilette setzen Frauen ihre Gespräche fort und sprechen auch über Dinge, über die sie am Tisch nicht so offen reden können."

Vor allem junge Frauen sind laut Semra Kocak begeistert von dem nicht so stillen Örtchen. Ob auch Fremde sich gemeinsam die Toilette teilen? "Das wird bestimmt häufiger passieren, wenn in zwei Jahren das Siegufer vor unserem Café fertiggestellt ist, und es hier so richtig rund geht", vermutet Semra Kocak. Bevor Frauen ewig in der Schlange stehen, teilen sie sich dann gewiss auch das Klo. Egal ob sie sich kennen oder nicht.

Wir haben uns in Herborn und Haiger bei Café-Betreibern und Passanten umgehört, was sie von der etwas anderen Idee halten.

„Wenn es gut ankommt, warum nicht“, meint ein Haigerer, der sich zunächst ganz genau darüber erkundigt, wie sich die Damen denn da gegenübersitzen.  Nur um das mal klarzustellen, liebe männlichen Leser: Die Kloschüsseln stehen sich im Café „Extrablatt“ zwar gegenüber, jedoch gewährt eine kleine Trennwand das gewisse Minimum an Privatsphäre. Augenkontakt – und vor allem „Gesprächskontakt“ –  ist jedoch problemlos möglich. "Wenn man will, kann man die Trennwand auch wegklappen", sagt Kellnerin Patricia Klemens lachend. Hemmungen? "Ach was, doch nicht, wenn ich mit meiner besten Freundin hier sitze", so Patricia Klemens.

In Herborn stößt die Idee größtenteils auf Kopfschütteln. „Was soll das denn?“, fragt Café-Chef Oliver Frank. „Völliger Blödsinn. Die Leute kommen auf Ideen.“ „Mindestens 1000 angenehmere Orte zum Schwätzen“ könne sich Frank vorstellen. „Aber vielleicht ist das auch so eine Frauensache.“   

Ist es nicht – zumindest keine Herborner Frauensache. „Ja, ich gehe schon gerne mit meiner Freundin zusammen auf die Toilette“, gesteht Eisdielen-Kundin Rebecca Bott kurz nach jenem intimem Gang. Aber direkt gegenübersitzen müsse die beste Freundin dann doch nicht. „Wenn wir zusammen aufs Klo gehen, dann ja auch nur, wenn es mal ums Nachschminken geht. Für das Geschäft gehen wir dann doch eher getrennt.“ Die Idee dahinter könne sie schon nachvollziehen: „Für mich ist das jetzt aber kein Grund, mir das mal anzuschauen.“

"Lustig, aber auch ein bisschen arg krass"

Neben Kopfschütteln ruft die „Kommunikationstoilette“ aber auch schon mal herzliches Lachen hervor. „Lustig ist es allemal“, lacht eine Passantin: „Aber auch ein bisschen arg krass.“

Und selbst wenn so mancher Eisdielen- oder Café-Betreiber dem durchaus erfolgreichen Siegener Vorbild folgen wollte, fehlt es dann doch an einem entscheidendem Faktor: So viel Platz habe man gar nicht, um noch eine zweite Toilette einzurichten, erklärt der Chef einer Eisdiele.

„Das ist ja langweilig“, meint die Bedienung eines Herborner Restaurants augenzwinkernd. „Cool“ sei es erst dann, wenn Männlein und Weiblein zusammen eine Doppeltoilette bekämen. Vielleicht eine neue Geschäftsidee…?          


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