Kommt die digitale Berufsschule?

Zukunft  Podiumsrunde diskutiert Auswirkung der „Wirtschaft 4.0“ auf die Ausbildung

In Zukunft nur noch Roboter und IT-Experten? Auf jeden Fall ist die Digitalisierung längst im Gang und stellt auch die Berufsausbildung für die Zukunft vor Herausforderungen. (Symbolbild: Spata, dpa)
Podiumsrunde zum 50. Namensjubiläum der „Theo“ mit (v. l.) Kultusstaatssekretär Manuel Lösel, IHK-Präsident Eberhard Flammer, Landrat Wolfgang Schuster, Schulleiterin Evelyn Benner, Professor Michael Heister und Moderator Dietmar Johlen. (Foto: Dyck, THS)
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„Wirtschaft 4.0 braucht (berufliche) Bildung 4.0“ – unter diesem Motto saßen unter anderem Vertreter aus Bildung und Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auf dem Podium.

Aber was verbirgt sich überhaupt hinter der „Wirtschaft 4.0?“ Professor Michael Heister, Leiter der Abteilung Berufliches Lehren und Lernen, Programme und Modellversuche des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn, erklärte in einem Fachvortrag Hintergründe.

Das System der Dualen Berufsausbildung in Deutschland, die sowohl in Betrieben als auch an Schulen stattfindet, sei nach wie vor aktuell, sagte Heister. Es finde im Ausland große Anerkennung und werde auch als Vorbild bei der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit gesehen. Allerdings gebe es auch Herausforderungen: Heister verwies auf einen „Trend zur Akademisierung“. Immer mehr junge Menschen strebten gar keine berufliche Ausbildung mehr an. In den vergangenen Jahren seien viele Ausbildungsstellen unbesetzt geblieben.

Die Digitalisierung definierte Heister als „vierte industrielle Revolution auf der Basis cyberphysischer Systeme“. Die Bildung müsse der zunehmenden Kommunikation zwischen Robotern beziehungsweise Menschen und Robotern gerecht werden.

Manche Berufsbilder müssen für die Zukunft verändert werden – die Berufsschule gewinnt dadurch an Bedeutung

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung müsse geprüft werden, ob und in welchem Maße Berufsbilder modernisiert werden können. Dies führe in der Konsequenz aber auch dazu, dass die Berufsschule als Lernort an Bedeutung gewinne.

Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von Dr. Dietmar Johlen, Leiter der Herwig-Blankertz-Schule in Hofgeismar und Wolfhagen moderiert. Der hessische Kultusstaatssekretär Manuel Lösel (CDU) stellte dar, wie die Landesregierung auf die Entwicklung in Wirtschaft und Industrie reagiert. Das Kultusministerium verhandle dazu mit dem Bund über die finanziellen Mittel, um die Digitalisierung voranzutreiben. Es gebe einen gigantischen Fortbildungsbedarf, sagte Lösel. Wenn sich Schulen entscheiden, das Thema Digitalisierung auf ihre Agenda zu setzen, dann werde man Fortbildungen auf breiter Basis ermöglichen.

Eberhard Flammer, Präsident der IHK Lahn-Dill, stellte heraus, dass die Digitalisierung zum Kern der Wertschöpfung geworden sei. Die Gesellschaft müsse sich darauf einlassen, dass Veränderung und Wandel immer schneller voranschritten.

Landrat Wolfgang Schuster (SPD) wies darauf hin, dass der Prozess der Digitalisierung längst in Gang sei. Man müsse „schneller besser werden“. Die Schulen des Lahn-Dill-Kreises sollten bis Ende des Jahres 2018 ans Glasfasernetz angeschlossen werden, sagte Schuster. Professor Heister verwies darauf, dass in den vergangen zehn Jahren 50 Milliarden Computer ans Netz gegangen seien, die miteinander kommunizieren. Menschen müssten begreifen, was dabei passiert.

Evelyn Benner, Leiterin der Theodor-Heuss-Schule, betonte, dass Medienkonzepte, Fortbildungen und eine hervorragende IT-Ausstattung an den Schulen nötig seien. Sie plädierte auch für einen Digitalisierungsgipfel in der Region, um gemeinsam die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern.

Zu Beginn hatte die Schulleiterin in ihrer Begrüßung betont, dass sich die Theodor-Heuss-Schule in ihrem Jubiläumsjahr nicht nur mit ihrer Geschichte beschäftigen, sondern auch als innovative und vorwärtsgewandte Schule mit der Digitalisierung auseinandersetzen wolle. Mit dem Blick in die Zukunft dankte sie den politisch Verantwortlichen für die Entscheidung zum Neubau der „Theo“ in der Spilburg. (red/diw)


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