Kuno kommt mit auf die Wiese

Tierleben  In der Heinrich-von-Gagern-Schule in Weilburg gibt es einen kleinen Zoo

Der Zoo in der Heinrich-von-Gagern-Schule: Lea siebt bei Bartagame „Kuno“ den Sand. (Foto: A. Arnold/dpa)

In den Terrarien leben unter anderem die Echsen „Kuno“ und „Zicke“, Kornnatter „Bob“ mit seinem Gefährten „Checker“ und die Rennmäuse „Mausi“ und „Cherry“. Mittendrin steht eine große Couch – der Treffpunkt der „Zoo-AG-Kinder“ rund um Annette Nies-Werding. Die Biologie-Lehrerin hat die Gruppe vor vielen Jahren in der Haupt- und Realschule ins Leben gerufen mit klarem pädagogischen und sozialen Konzept.

„Ich hatte beobachtet, dass viele Kinder keine Haustiere halten können und den Bezug zu Tieren und Pflanzen verlieren“, erzählt sie. Aber: „Ich schätze nur, was ich kenne.“ Inzwischen ist der Zoo fest in der Schule verankert. Jedes Tier wird an den Schultagen während der Pausen von einem Patenkind versorgt. Dreimal die Woche ist der Zoo für alle geöffnet.

„Diese Patenschaften sind beispielsweise für unsere Fünftklässler wichtig“, erzählt Nies-Werding. Die Tiere schafften einen Bezugspunkt in der Schule. „Manche Kinder mit Schulangst überwinden sich, kommen morgens her weil sie ja Kuno füttern müssen.“ Auch Jungen und Mädchen, „die gerne mal in der Menge untergehen“, finden im Schul-Zoo einen geschützten Bereich mit tierlieben Gleichgesinnten.

Schräg über dem Becken für Schildkröte „Emma“ und mehrere Goldfische hängen kleine Plakate an der Wand, auf denen die Kinder ausdrücken, was ihnen die Tiere bedeuten. Auf einem steht: „Der Schulzoo ist mein Leben und ein Zufluchtsort und ein zweites Zuhause“, auf einem anderen „Das meiste Leben dieser Schule steckt im Schulzoo“.

Die Kinder sind dafür verantwortlich, dass alle Tiere auch eine saubere Unterkunft haben

„Wir dürfen alle Tiere rausnehmen bis auf die Boa“, sagt Emely und deutet auf die Kaiserboa namens „Leila“. Die Bartagame „Kuno“ ist besonders genügsam. „Wir nehmen ihn mit auf die Wiese.“ Die drei zwölfjährigen Mädchen Lea, Lea-Marie und Juliane sind sich einig: „Echsen sind interessanter als Hunde.“

Aber im Schulzoo geht es nicht nur ums Streicheln und Füttern. Die Kinder sind dafür verantwortlich, dass alle eine saubere Unterkunft haben. Bei den Käfigen ist oft das handwerkliche Geschick von Til gefragt: Der Zwölfjährige hat unter anderem schon einen Futterspender für das Kaninchen „Grey“ und seine Artgenossen gebaut. Für Rennmaus „Mausi“ gab es einen Kletterbalken. „Wir machen so gut wie alles selbst“, erzählt Til stolz.

„Man muss tierlieb sein und einen langen Atem haben“, sagt Lehrerin Nies-Werding. Schließlich muss der Zoo auch während der Ferien versorgt werden. Dann wechselt sich die Bio-Lehrerin mit einer Kollegin ab. Was Futter und Einstreu angeht, gibt es große Unterstützung von einem Förderverein und aus der Elterschaft.

In rund hundert hessischen Schulen werden nach Angaben des Kultusministeriums Tiere gehalten. Daneben gibt es mehr als ein Dutzend Kooperationen mit Geflügel- oder Kleintierzuchtvereinen vor Ort. Laut Ministerium sind alle Heim- und Nutztierarten geeignet - wenn sie artgerecht gehalten werden können und die Schulen die Vorgaben des Tierschutzes beachten.

Auf dem Gelände der reformpädagogischen Privatschule „Campus Klarenthal“ in Wiesbaden leben unter anderem Ponys, Hühner, Fische, Kaninchen und Bienen. Sie werden bei verschiedenen Projekten pädagogisch eingesetzt, wie der stellvertretende Schulleiter Uwe Brecher erklärt.

Es gehe etwa darum, dass die Kinder Verantwortung übernehmen aber auch darum, Nähe zu erleben. Die Tiere hätten einen festen Platz im Schulalltag.


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