Leben zwischen zwei Kulturen

GLAUBE 22 Jugendliche aus Asien und Afrika zu Gast in Hirzenhain

Freuen sich auf neue Begegnungen: Anna Mariele Schmidt (18), Salomé Häde (21), Rebekka Bunuma (18) und Delia Pospischil (19) sind bei der Jugendwoche "Face to Face" in der evangelischen Kirche in Hirzenhain-Bahnhof dabei. (Foto: privat)

"Es ist für uns eine Auszeit, bevor es mit der Schule oder dem Beruf weitergeht", erklärt die 18-jährige Rebekka Bunuma. Ihr Vater ist aus Tansania, sie selbst ist allerdings in Dortmund aufgewachsen. "Nicht alle Jugendlichen, die am Orientierungsjahr teilnehmen, kommen aus dem Ausland", sagt Rebekka. "So war ich beispielsweise noch nie in Tansania." Aber auch sie kennt das Aufwachsen in zwei unterschiedlichen Kulturen. "Interkulturell - das ist auch unser Thema, mit dem wir auf die Menschen hier zugehen", sagt Rebekka. "Sei es in den Schulklassen der Wilhelm-von-Oranien-Schule in Dillenburg oder der Holderberg-Schule, im Flüchtlings-Wohnheim oder im Altenheim Kronberg."

Der 18-jährige Timon Pusch lebte bis vor kurzem mit seinen Eltern in Kamerun. "Als ich drei Monate alt war, gingen meine Eltern nach Afrika", erzählt er. Deutschland kannte er eigentlich nur von den Heimat-Urlauben seiner Eltern. "Nun bin ich hier, um mich beruflich zu orientieren", sagt Timon. Was ihn an Deutschland überrascht? "Die Kälte", sagt er, "ich habe seit elf Jahren keinen Winter mit Schnee mehr erlebt."

Das Orientierungsjahr hilft, eigene Lebens- und Berufspläne zu entwickeln. Nicht alle der Jugendlichen wollen sofort in die Mission zurück. Etliche wollen in Deutschland erstmal studieren oder einen Beruf erlernen.

Die Jugendlichen haben in dem Eschenburger Ortsteil Eindruck hinterlassen

Die zehnmonatige Auszeit nehmen die Missionskinder überwiegend in Korntal. Hier leben sie in Wohngemeinschaften und organisieren sich ihren Alltag. "Fürs Essen einkaufen, kochen und Wäsche machen gehört auch zu den Aufgaben", sagt Timon. "Es hilft, selbstständig zu werden." Darüber hinaus gibt es Unterricht, Bibelkunde und Seminare zur Persönlichkeitsentfaltung sowie eine Begleitung durch Mentoren und drei Gemeinde-Einsätze. "Wir lernen dabei, immer flexibel zu sein und Eigeninitiativen zu entwickeln", so Timon. Er will in Deutschland Sozialpädagogik studieren. Und Rebekka? Sie möchte Medizin studieren, eventuell auch mit einem Auslandssemester.

Gemeinsam mit Andreas Messner von der Bibelschule Korntal und den Gemeindepädagogen Judith Klein und Robin Feldhaus gestalten die Jugendlichen aus Korntal die Jugendwoche "Face to Face" in der evangelische Kirche Hirzenhain-Bahnhof. Auch wenn "das Leben in Deutschland nicht wie in Kamerun auf der Straße stattfindet", fühlt Timon sich hier sehr wohl. "Bislang habe ich nur gute Erfahrzungen gemacht: Die Menschen sind sehr gastfreundlich und offen". Für Pfarrer Michael Brück aus Hirzenhain ist die Begegnung mit den Jugendlichen eine Bereicherung. "Schon vor zwei Jahren war eine Gruppe mit Andreas Messner in unserer Gemeinde zu Gast", sagt Brück, "und die Jugendlichen mit ihrer besonderen Lebenserfahrung haben hier Eindruck hinterlassen". In Hirzenhain sind die 22 Jugendlichen während ihres Einsatzes bei Gast-Familien untergebracht.

Die vier Abende finden vom 4. bis 8. März in der "Event-Kirche" an der Bahnhofstraße 27 in Hirzenhain-Bahnhof statt. Jeden Abend soll es ein buntes Programm mit Musik, Theater, Lebensberichten und einer kleinen Message geben. "Wir möchten mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen und sie aufmerksam machen auf die Angebote in den Gemeinden", sagt Rebekka. Das Motto "Face to Face" bezieht sich auf die Begegnung, die man nur dann haben kann, "wenn jeder einen Schritt auf den anderen zugeht", sagt Rebekka. Lernen könne man da aus den Begegnungen, die von Jesus überliefert sind. "Unser Wunsch ist es, Jugendliche neu für die Gemeinde Jesu zu begeistern", sagt sie.

Die Jugendwoche "Face to Face" endet am kommenden Sonntag (8. März) um 10.30 Uhr mit einem Abschluss-Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Hirzenhain-Bahnhof.


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