Lebenslang auf Diät

Am Anfang war es ein Schock für mich. Mir kam es so vor, als könnte ich nichts mehr essen, was gut schmeckt. Der Fast-Food-Entzug ist nicht das Schlimmste – Nudeln, Brot, Brötchen, Müsli, Kuchen, paniertes Fleisch und etliche Fertigprodukte enthalten Gluten. Doch was ist dieses Gluten eigentlich? Und wie schadet es meinem Körper?

Gluten ist ein Kleber-Eiweiß im Mehl. Es sorgt zum Beispiel dafür, dass der Teig beim Backen seine Form behält und zusammenbleibt.

Eine Entzündung der Schleimhaut im Dünndarm sorgt für Bauchkrämpfe

In Getreidesorten wie Roggen, Weizen, Gerste, Dinkel und Hafer ist Gluten enthalten. Für die meisten Menschen ist das kein Problem. Bei mir aber entzündet sich die Schleimhaut im Dünndarm und kann nicht mehr ausreichend Nährstoffe aufnehmen. Die Folge: Ich habe Bauchkrämpfe und Verdauungsprobleme.

Schon kleinste Mengen reichen aus, um meinem Darm zu schaden. Deshalb müssen meine Familie und ich strikt darauf achten, glutenhaltige Lebensmittel von den glutenfreien zu trennen. Ich habe einen eigenen Toaster, wir gehen nicht mehr mit dem Messer in Marmeladengläser, benutzen Kochlöffel aus Silikon, weil sie sich besser reinigen lassen, und Backformen werden penibel sauber gemacht. Im Keller habe ich ein eigenes Regal, wo meine Lebensmittel in Kisten lagern, um sie vom Mehlstaub zu schützen.

Vorsicht ist auch bei Kosmetika wie Shampoo, Lippenpflegestiften, Zahnpasta oder Cremes geboten. Auch dort kann Gluten enthalten sein und auf Umwegen in den Mund und somit in den Verdauungstrakt gelangen. Deshalb müssen Zöliakie-Erkrankte immer alle Inhaltsstoffe kontrollieren. Sogar bei Knete muss darauf geachtet werden, dass sie das Klebereiweiß nicht enthält.

Nach den ersten frustrierenden Versuchen, in Supermärkten glutenfreie Produkte zu finden, suchte ich im Bekanntenkreis und im Internet nach anderen Betroffenen, um mir Tipps geben zu lassen. In einer Facebook-Gruppe finde ich immer wieder neue und leckere Rezepte oder Hinweise zum Backen mit glutenfreiem Mehl. Wenn ich eine Frage habe, kann ich sie dort stellen, und bekomme immer schnelle Antworten. Smartphone-Apps helfen beim Einkauf, glutenhaltige Produkte aufzuspüren, ohne dass ich die langen Zutatenlisten durchlesen muss. Trotzdem muss ich immer die Augen offen halten, ob nicht doch irgendwo Gluten enthalten ist.

Der fehlende Klebstoff macht sich vor allem beim Backen bemerkbar

Zum Glück gibt es schon viele Ersatzprodukte, die sich für eine glutenfreie Ernährung eignen: Nudeln aus Maismehl, fertige Pizzaböden zum Belegen, Müsli, Brot und Süßigkeiten. Zum Backen verwende ich fertige Mehlmischungen aus Reis- Kartoffel- oder Johannisbrotkernmehl.

Am Anfang musste ich viel herumprobieren, welche Produkte schmecken und welches Mehl sich am besten eignet, damit der Kuchen nicht bröselt. Denn der fehlende Klebstoff im Getreide macht sich besonders beim Backen bemerkbar.
Zu Hause zu kochen und zu backen ist mittlerweile kaum ein Problem. Anders sieht es aus, wenn ich unterwegs bin. Einfach ein Brötchen beim Bäcker kaufen oder ein Stück Pizza für den kleinen Hunger zwischendurch? Geht nicht. Deshalb nehme ich mir immer etwas zu Essen mit. Im Internet findet man vereinzelt auch Restaurants, oder Bäckereien, die glutenfreie Lebensmittel anbieten. Und es werden immer mehr.


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