Liebe auch ohne Schloss an der Brücke

Valentinstag Anne Hahlgans und Juriy Boyko haben ein Liebesschloss an Weidenhäuser Brücke befestigt

Anne Hahlgans und Juriy Boyko mit „ihrem“ Liebesschloss an der Weidenhäuser Brücke. Vor eineinhalb Jahren haben sie es angebracht und beide zugehörigen Schlüssel weggeworfen. (Foto: Adel)

Vor eineinhalb Jahren haben sie mit dem Anbringen des Schlosses ein romantischen Tag beendet. Damas haben Anne Hahlgans und Juriy Boyko ihr Zweijähriges gefeiert. Anne Hahlgans ist heute 20 Jahre alt und studiert Grundschul-Lehramt, ihr 21-jähriger Freund ist Auszubildender zum Immobilien-Kaufmann.

Eigentlich wollten sie es während eines Kurzurlaubs in Köln an der Hohenzollern-Brücke befestigen. „Aber da war so wenig Platz“, sagt Anne Hahlgans. „Und wir dachten uns dann, dass wir ja öfter in Marburg sind.“

Wenn sie über die Weidenhäuser Brücke gehen, schauen sie immer nach ihrem Schloss

Und so befestigten sie es auf der Weidenhäuser Brücke, neben vielen anderen Liebesschlössern, aber eben doch nicht so vielen wie auf der Hohenzollern-Brücke. Mit romantischer Gravur und natürlich dem Datum. „Wir gucken häufig auf das Schloss, eigentlich immer, wenn wir über die Brücke gehen“, sagt Juriy Boyko. Beide zugehörigen Schlüssel warfen sie weg, wie man es eben bei Liebesschlössern macht.

Dass keine zwei Jahre später die Brücke samt Geländer saniert werden soll, das ahnten sie damals nicht. Und so haben sie sich schon geärgert, nicht zumindest einen Schlüssel behalten zu haben. Auch wenn sie nicht glauben, dass das Entfernen des Schlosses ihrer Liebe schadet. Denn, so ist die Idee, das Vorhängeschloss soll symbolisch die ewige Liebe besiegeln. Die hängt aber nicht zwingend mit einem Stück Metall zusammen.

Die Liebesschlösser werden entfernt, in eine Kiste gelegt und können beim DBM abgeholt werden

Ob sie nach der Sanierung wieder ein Schloss an die Brücke hängen, wissen sie noch nicht. „Vielleicht mal spontan“, sagt Juriy Boyko und lacht.

Immerhin: Zumindest können sie das Liebesschloss als Andenken behalten. Anders als zunächst von der Stadt vorgesehen, müssen die Paare dazu nicht selbst zu Bolzenschneider und Eisensäge greifen. „Es soll keine Liebe am verschwundenen Schloss scheitern“, teilte die Stadt mit. Arbeiter werden die Schlösser nach der Demontage der Brücke entfernen, in eine Kiste packen und auf dem Gelände des Dienstleistungsbetriebs Marburg (DBM), Am Krekel, abstellen.

Etwa ein Monat lang ist die Kiste für alle zugänglich. Die Schlösser können zu den Öffnungszeiten des Servicehofs abgeholt werden. Die Öffnungszeiten sind von Montag und Freitag von 7 bis 17.45 Uhr sowie Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 7 bis 15.30 Uhr. Marburg war mit der Ankündigung, dass die Liebesschlösser entfernt werden müssen, auch überregional in die Medien geraten. Es habe aber nur vereinzelte Rückmeldungen gegeben, sagte Patricia Grähling von der Pressestelle der Stadt . „Eine frühere Marburgerin etwa, die nicht mehr in Marburg wohnt, hat um Hilfe gebeten, da sie vor dem 26. Februar nicht mehr in die Stadt kommt“, sagte Grähling. „Von ihr und anderen haben wir positive Rückmeldung darauf bekommen, dass wir die entfernten Schlösser zur Abholung anbieten.“

Wer etwas Geduld mitbringt, kann nach der Sanierung wieder Liebesschlösser am Geländer anbringen: „Das wird die Stadt nicht verbieten“, betonte Grähling.

Auch in Biedenkopf steht eine Brückensanierung an: An der Obermühlsbrücke war 2011 das Projekt „Liebesschlösser – keine Luftschlösser“ realisiert worden. Die Schlösser werden nicht weggeworfen, versprach Bürgermeister Joachim Thiemig auf Nachfrage dieser Zeitung. Möglicherweise würden sie gesichert oder woanders hingehangen. Einen konkreten Plan gebe es noch nicht, schließlich sei das Bauvorhaben noch neu.


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