Mehr Stellen, weniger Azubis

AUSBILDUNGSSTART Wo sich Absolventen im Landkreis Limburg-Weilburg noch bewerben können

Wer jetzt noch eine Lehrstelle sucht, hat im Landkreis Limburg-Weilburg gute Chancen unter anderem in den Verkaufsberufen. (Archivfoto: Kalaene/dpa)

Ein Erfolgsfaktor für eine gute Ausbildung ist das Interesse an Beruf und Betrieb. "Dazu gehört auch, zur richtigen Zeit die richtigen Fragen zu stellen", sagt Ralf Fischer von der Agentur für Arbeit Limburg. Damit dies gelingt, sollte sich der Auszubildende vor dem ersten Arbeitstag noch einmal intensiv mit Berufsbild und Betrieb befassen.

Wichtig sei auch ein angemessenes Outfit. Wer Piercings oder auffällige Tattoos trägt, klärt vorher mit dem Arbeitgeber, ob der Körperschmuck abgenommen oder von Kleidung verdeckt werden soll.

501 junge Menschen sind laut Arbeitsagentur bisher noch ohne eine Ausbildung

Selbstverständlich sollten auch gute Umgangsformen sein. "Immer mehr Arbeitgeber klagen, dass ihre Nachwuchskräfte Vorgesetzte, Mitarbeiter und Kunden nicht angemessen grüßen", sagt Fischer. Hilfsbereitschaft gehöre ebenfalls zu den grundlegenden Tugenden. Ein "No-Go" in der Ausbildung ist Desinteresse an Beruf und Betrieb, weiß Fischer. Auch sollte nicht gleich in den ersten Tagen der Urlaub für das Restjahr geregelt werden. Sympathiepunkte verspiele ebenfalls, wer gelangweilt im Bürostuhl sitzt oder während der Arbeitszeit Mails und SMS am Smartphone checkt oder mit dem Firmenrechner privat im Internet surft. Das Gleiche gilt für das eigenmächtige Ausdehnen der Pausenzeiten oder unentschuldigte Fehltage, erklärt der Experte.

Für das beginnende Ausbildungsjahr haben sich rund 1650 junge Menschen beim Arbeitsamt der Arbeitsagentur Limburg ausbildungssuchend gemeldet. (2014: rund 1900). 501 von ihnen sind bisher noch ohne Ausbildung (2014: 676). Der demografische Wandel und die Akademisierung sorgen für weniger Auszubildende, sagt Fischer.

Im Umkehrschluss bedeutet das mehr offene Lehrstellen. In diesem Jahr wurden dem gemeinsamen Arbeitgeberservice des Jobcenters und der Agentur für Arbeit bislang 1000 Lehrstellen (8,2 Prozent mehr als 2014) gemeldet. Davon waren Ende Juli knapp ein Drittel (304 Stellen) unbesetzt. "Immer mehr Jugendliche finden eine Lehrstelle in ihrem Wunschberuf, aber es ist auch zu vermuten, dass zu Beginn des Ausbildungsjahres etliche Stellen verwaist bleiben", sagt Fischer. Die meisten freien Stellen gebe es aktuell noch in den Verkaufsberufen (84). Zudem sind noch neun Stellen für Kaufleute im Büromanagement unbesetzt. Vergleichsweise gute Chancen gibt es auch für Jugendliche, die eine Stelle als Straßenbauer, Bäcker, Fleischer, Koch oder als Anlagenmechaniker in der Sanitär-, Heiz- oder Klimatechnik suchen, sagt Fischer. Zu finden sind diese Stellen meist rund um die Stadt Limburg, aber auch auf dem Land gibt es noch einige Möglichkeiten. Durch die späten Sommerferien beginnen viele Ausbildungen zudem erst im September.

Wer jetzt noch keine Lehrstelle gefunden hat, sollte sich das "magische Datum" zu Nutze machen. In diesem Jahr sind dies Dienstag, 4. August, und Dienstag, 2. September - also einen Tag, nachdem die meisten Ausbildungsverhältnisse begonnen haben. Manche Bewerber haben sich für mehrere Stellen beworben oder entscheiden sich schnell noch für ein Studium oder einen Schulbesuch. Dann heißt es, aktiv zu werden. Die meisten Betriebe nehmen Kontakt zu den Kammern auf. "So manche Nachfrage bei der Handwerkskammer, IHK oder der Arbeitsagentur hat dann schon zum Erfolg geführt", weiß Fischer.

Wer dennoch leer ausgegangen ist, sollte nicht untätig bleiben und sich in Praktika, 450-Euro-Jobs oder Freiwilligen Diensten wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr weiterbilden.


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