Mit Paddel und Board ins Abenteuer

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„Ursprünglich wurde Stand-Up-Paddling von polynesischen Fischern vor mehreren hundert Jahren erfunden“, erklärt Martin Eckert, der den Sport betreibt. „In den fünfziger Jahren kam das Paddeling nach Hawaii und wurde dort in den vergangenen Jahren durch den Surfer  Laird Hamilton populär.“
Der Greifensteiner ist eigentlich Zimmermann, wenn er nicht gerade auf Brettern im Wasser treibt. „Angefangen habe ich mit Kyte-Surfen. In Frankfurt habe ich dann auf dem Main einen Kurs im Stand-Up-Paddling gemacht, mir zwei Boards gekauft und mit der Sportart begonnen.“ 


Mittlerweile hat Martin sieben Surfbretter und verleiht diese auch. Es gibt viele verschiedene Ausführungen der Boards. Sie unterscheiden  sich in Material, Form und  Größe. Um Wettrennen zu fahren, eignen sich dünne lange Boards, während man auf einer Wildwasserstrecke besser auf ein kurzes breites Board steigt. 
Ich starte heute auf einem Allrounder. Bevor es losgeht, ziehe ich noch einen Neoprenanzug an, damit ich im Wasser nicht so schnell friere. „Es sieht leichter aus als es ist“, vermute ich. 
Vom Steg aus klettere ich vorsichtig auf das Brett.  „Erst das eine Knie, dann das andere. Und jetzt noch die Beine etwas auseinander“, korrigiert Dirk Benner, auch Surf-Profi aus Gießen, meine Haltung. Ich nehme das Paddel in die Hand. Eigentlich sitze ich recht sicher auf dem Board. Es wackelt kaum. Dann wage ich den ersten Stoß.
Das Brett setzt sich langsam in Bewegung. Noch fühlt es sich an wie Kanu fahren. Langsam bekomme ich ein Gefühl für die Gewichtsverlagerung. Wenn man einfach nur kniet und die Wellen ausgleicht, passiert nichts. Ich paddele unter der alten Lahnbrücke hindurch. Enten kommen mir entgegen und weichen mir aus. Das ist auch gut so, denn die Steuerung fällt noch etwas schwer.
„Versuch jetzt, langsam aufzustehen“, fordert mich Dirk  auf. Der Medieninformatiker  aus Gießen steht neben mir sicher auf seinem Board und gibt mir Anweisungen: „Je schneller das Board ist, desto stabiler ist es im Wasser.“ Also stoße ich mich noch einmal kräftig ab und versuche aufzustehen.


Geschafft! Ich bin erleichtert, dass ich mich hinstellen konnte, ohne ins Wasser zu fallen. Den Wind spürt man stärker. Das hatte ich nicht erwartet. Durch die Bögen der alten Lahnbrücke bläst es ziemlich stark. Obwohl es flussabwärts geht, habe ich Schwierigkeiten gegen den Wind anzukommen. Bis auf diese Situation, hatte ich aber keine Probleme.„Wenn man Stand-Up-Paddling richtig macht, braucht man kein Fitnessstudio.“
„Es ist doch leichter als man denkt“, schießt es mir durch den Kopf. Wenn man einmal steht und sein Gleichgewicht gefunden hat, ist es leichter als Windsurfen. Und auch das Ende meines Ausfluges auf der Lahn zeigt: Ich bin trocken geblieben.
„Es macht natürlich mehr Spaß, wenn man zusammen mit Freunden paddelt und dann versucht, sich gegenseitig von den Boards zu schubsen“, sagt Martin und grinst. Dabei kann übrigens das Brett nicht verloren gehen. Mit sogenannten „Leashes“ wird das Surfbrett am Knöchel befestigt. „Man kann das Brett immer wieder zu sich ziehen und aufsteigen“, erklärt mir Martin. Doch Stehpaddeln macht nicht nur Spaß – „wenn man es richtig macht, braucht man kein Fitnessstudio mehr“, versichert er mir. „Viele spüren am nächsten Tag ihre Beine oder Arme. Ich spüre immer meinen Rücken. Da werden Muskelgruppen betätigt, die man vorher noch nicht kannte.“
Wichtig für Stand-Up-Paddling sind Konzentration und Gleichgewicht. „Aber das kommt mit der Zeit“, sagt Dirk. Er hat viel Spaß beim Paddeln und kann dabei auch abschalten. „Die Natur wird von einem dabei ganz anders wahrgenommen.“ 
Ab fünf Jahren kann man mit dem Sport anfangen. „Man  sollte schon schwimmen können, falls man doch mal ins Wasser fällt“, ist Dirks Meinung zur Altersgrenze.  „Aber die wenigsten fallen ins Wasser“, weiß Martin. Nur beim Wenden kann es passieren, dass manche zu ruckartig steuern und deswegen ihr Gleichgewicht verlieren. Mir passiert das zum Glück nicht.
„Ungeübte können schon bis zu  20 Kilometer zurücklegen. Wenn man mit dem Strom paddelt, erreicht man rund vier Stundenkilometer“, erzählt Martin. 
Habt ihr auch Lust bekommen  Stand-Up-Paddling  zu testen?

Martin und Dirk findet ihr unter www.sup-lahn-dill.de


Auch in Marburg (www.suppirates.de) und Weilburg (Windsurfing Rhein Main) besteht die Möglichkeit so auf dem Wasser zu paddeln.

Auf unserem midde-YouTube-Kanal findet ihr ein Video zum diesem Artikel.


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