Mit guter Note zum Traumjob

AUSBILDUNGSMARKT 231 Jugendliche suchen eine Stelle / 160 Plätze sind noch zu haben

Einen Ausbildungsplatz als Industriekaufmann/-frau zu bekommen, ist bei vielen Jugendlichen erstrebenswert. (Foto: Fischer)

Nachzügler haben durchaus noch eine Chance auf eine Stelle. Auch die Friseur-Innung sucht noch einige Auszubildende. (Foto: Fischer)

Ralf Fischer, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar.

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Diese Erfahrung mussten einige Schulabgänger machen, die im August und im September ihre neuen Stellen antreten. Die allgemeine Situation auf dem heimischen Ausbildungsmarkt erläuterte dieser Zeitung Ralf Fischer, Pressesprecher der Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar.

Wie viele offene Stellen gibt es noch - und wie viele Bewerber?

Ralf Fischer: Zum Stichtag Mitte Juli waren noch 231 Jugendliche unversorgt und 160 Ausbildungsplätze vakant. Aktuell hat sich die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen auf 87 reduziert.

Sind Last-Minute-Bewerbungen noch möglich?

Fischer: Ja, es gibt nach wie vor Chancen. Zum einen nehmen am 1. August nicht alle Auszubildenden ihre Lehre wirklich auf. Einige von ihnen haben mehrere Verträge unterzeichnet und entscheiden sich in letzter Minute, welchen davon sie antreten. Andere haben sich kurzfristig für einen weiteren Schulbesuch oder ein Studium entschieden. Wieder andere brechen ihre Ausbildung in den ersten Wochen ab, weil sie mit falschen Erwartungen gestartet sind. Erfahrungsgemäß melden sich in den ersten Augustwochen etliche Unternehmen bei unserem Arbeitgeberservice oder den Kammern und wünschen weitere Vorschläge. Außerdem haben einige Unternehmen wegen der späten Ferien in diesem Jahr den Ausbildungsbeginn auf den 1. September verlegt, so dass der Bewerbungskorridor verlängert wurde. Mit zunehmender Zeit kommen auch die Ausbildungsbetriebe unter Druck und machen an der ein oder anderen Stelle beim Anforderungsprofil Abstriche. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass viele Ausbildungsverhältnisse noch bis in den Oktober hinein zustande gekommen sind.

Haben Sie in der Behörde (Berufsberater) bereits die Erfahrung gemacht, dass die Jugendlichen aufgrund geringerer Bewerberzahlen ihren Ausbildungsplatz schon aussuchen können? Wenn ja, können nun auch Bewerber mit Hauptschulabschluss und mittlerer Reife ihren "Traumjob" finden?

Fischer: Trotz der veränderten Lage am Ausbildungsmarkt ist es nach wie vor so, dass vor allem die Schüler ihren Traumjob realisieren können, die mit besseren schulischen Leistungen aufwarten können. Bislang gehörten Bewerber mit mittlerem Bildungsabschluss zur bevorzugten Zielgruppe der Ausbildungsbetriebe. Ihre Zahl ist in diesem Jahr im ehemaligen Dillkreis um ein Viertel zurückgegangen. Rein rechnerisch kamen rund um Dillenburg auf jede gemeldete Stelle ‚nur‘ 1,1 Bewerber. Im Vorjahr waren es noch 1,8 Jugendliche. Diesen Einbruch werden viele Unternehmen nicht ohne eine veränderte Strategie kompensieren können. Da, wo die fachlichen und theoretischen Anforderungen es zulassen, werden auch Hauptschüler eine Chance erhalten, in Berufen Erfolg zu haben, die bislang Realschülern vorbehalten waren. Entscheidend wird sein, ob die Unternehmen nun Bewerbern eine Chance geben, die vielleicht erst auf den zweiten Blick geeignet sind, oder ob die jeweilige Ausbildungsstelle verwaist bleibt. Die aktuellen Zahlen sprechen für die erste Variante. Denn obwohl im Bezirk der Geschäftsstelle Dillenburg in diesem Jahr insgesamt 17,2 Prozent weniger Ausbildungsplatzbewerber, aber 33,0 Prozent mehr Lehrstellen gemeldet wurden als im Vorjahr, liegt die Zahl der unbesetzten Ausbildungsplätze derzeit sogar 17,5 Prozent unter dem Wert von Juli 2014.

Wie ist der Trend in diesem Jahr. Welche Ausbildung ist gefragt?

Fischer: Bei den Top 10 der Berufe hat sich im Lahn-Dill-Kreis auch in diesem Jahr nichts Wesentliches geändert. Sowohl bei den gemeldeten Stellen, als auch den Bewerberwünschen sind es vor allem wieder die Industrie- und Einzelhandelskaufleute, Kaufleute für Büromanagement sowie Industriemechaniker, die die vorderen Ränge belegen. Es eröffnet aber insbesondere den Jugendlichen Chancen, die flexibler sind und sich bei der Berufswahl auch vom Ausbildungsangebot leiten lassen. Wer beispielsweise neben dem Wunschberuf Industriekaufmann auch bereit ist, sich auch auf den Beruf des Groß- und Außenhandelskaufmann oder des Kaufmann Spedition und Logistikdienstleistung zu bewerben, verbessert seine Chancen nachhaltig. Der kleine Umweg hat sich dann auf jeden Fall gelohnt.

Welche Anstrengungen unternehmen Betriebe, um geeignete Kandidaten zu finden? Gibt es Beispiele?

Fischer: Die Unternehmen nutzen immer mehr Kanäle, ihre Ausbildungsplätze zu veröffentlichen. Neben dem Vermittlungsauftrag an die Arbeitsagentur und der Zeitungsanzeige werden zunehmend auch soziale Medien eingesetzt. Beliebt sind: Facebook oder Instagram, aber auch ein ansprechend gestaltetes Youtube-Video. Auch die Homepages einiger Unternehmen werden jugendlicher und moderner gestaltet, um junge Leute besser anzusprechen. Weil die meisten Firmen aber gezielt vor Ort nach geeigneten Bewerbern Ausschau halten, präsentieren sie sich auf regionalen Berufsbildungsmessen. Um die jungen Besucher ‚auf Augenhöhe‘ anzusprechen, werden gerne auch eigene Auszubildende an den Ständen eingesetzt. Viele Schulen bieten zudem eigene berufsorientierende Veranstaltungen an, zu denen die heimischen Ausbildungsbetriebe eingeladen werden. Der Rückgang der Schulabsolventen und das veränderte Bildungsverhalten der Jugendlichen, hin zu schulischen und akademischen Abschlüssen, fordert die Ausbildungsbetriebe zusehends, die Bewerbersuche aktiver zu gestalten. Dazu gehört auch ein breites Angebot von Schul- und Ferienpraktika. Sie werden heute wesentlich intensiver zur frühzeitigen Talentsuche genutzt, als noch vor einigen Jahren. Es gibt auch Unternehmen, die sich direkt an Bildungsträger wenden, die für die Arbeitsagentur berufsvorbereitende Maßnahmen durchführen. (ks)

 

INDUSTRIEKAUFMANN/-FRAU AUF RANG EINS

In Unternehmen und Firmen einen Platz als Industriekaufmann/-frau zu ergattern, ist auch in diesem Jahr für viele Jugendliche erstrebenswert. Von insgesamt 2063 Bewerbern, die ihre Unterlagen bei der Arbeitsagentur eingereicht haben, haben sich 136 für diese Ausbildung entschieden. Nicht alle werden zum Zuge kommen, da auf der anderen Seite von den Firmen- und Personalchefs nur 112 zu besetzende Stellen gemeldet sind. Rang zwei auf der Wunschliste der Jugendlichen im heimischen Raum nehmen Verkäufer/-in mit 131 Bewerbungen ein. Weiterhin auf der Wunschliste weit vorne: Kaufmann/-frau im Einzelhandel und im Büromanagement. Industriemechaniker, Medizinische Fachangestellte und Kfz-Mechatroniker folgen auf den nächsten Plätzen. (ks)

Noch Plätze frei

Der Zug ist noch nicht abgefahren: Auch wenn ein Großteil der Ausbildungen schon begonnen hat, können „Nachzügler“ fündig werden. Von A wie Anlagenmechaniker bis Z wie Zerspanungstechniker – im alten Dillkreis sind in den nächsten Tagen noch insgesamt 87 Ausbildungsplätze zu vergeben. Elf Stellen sind im Bereich Kaufmann/-frau Einzelhandel noch nicht besetzt; verstärkt gesucht wird im Bereich Verkauf (6), Fachkraft Lagerlogistik (6) und im Backhandwerk (5). Gute Aussichten haben Bewerber noch im Gastgewerbe, der Systemgastronomie, als Friseur/in, Maurer oder auch als Koch/Köchin.
Interessenten können sich an den Ausbildungsvermittler Boris Deistler unter der Nummer (0 64 41) 90 93 01 wenden, oder per E-Mail an die Adresse wetzlar.142-arbeitgeber-service(at)arbeitsagentur.de (ks)


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