Musik „made in Wetzlar“

Kreativ  Goetheschüler haben ein eigenes Musiklabel gegründet

Ohne die Unterstützung von Freunden und Familie geht es nicht: auch beim Dreh zum Song „Call Me Crazy“ waren die Schulfreunde der Wetzlarer Jungs von „JML Music“ am Start. (Foto: Schmidt)
„Abgedreht!“ – nach monatelanger Planung und viel Vorbereitung ist das Video im Kasten. In der ehemaligen Diskothek „MÄX“ drehten die Jungs von „JML Music“ ein Wochenende lang. Das neue Musikvideo soll am 15. Oktober auf ihrem Youtube-Channel erscheinen. (Foto: Schmidt)
„JML Music“ bearbeiten ihre Musik digital: Manuel Christill (l.) und Jonas Schmidt (r.) haben jeweils ein hauseigenes Tonstudio. (Foto: Hinze)
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Jetzt legen die Wetzlarer bereits mit ihrem dritten Musikvideo nach.

Im Elternhaus von Manuel Christill beben manchmal die Wände, und zwar dann, wenn er und sein Schulfreund Jonas Schmidt Musik mischen. Seit mehreren Jahren machen die Jungs Musik und haben vor einem Jahr den entscheidenden Schritt gewagt: Sie gründeten ihr Label „JML Music“.

Dabei sind die beiden eigentlich noch mit der Schule beschäftigt: Abivorbereitung statt Akkorde, Pauken statt Piano. Ihre Freizeit opfern sie schon jetzt ganz ihrem Traum vom eigenen Label. Beide, so erzählen sie, hätten ein Studio zuhause.

Zu dritt haben Jonas, Manuel und Leo das Label gegründet, die Initialen gaben den Namen vor: JML

Der Name JML? Eine Kombination ihrer Vornamen: Jonas, Manuel und Leonard. „Gegründet haben wir das Projekt zu dritt“, erzählt Jonas Schmid, „Leo hat es dann wegen seines Studiums aus Zeitgründen nicht mehr geschafft.“ Nun machen die Wetzlarer als Duo weiter. „Wir ergänzen uns ziemlich gut. Der eine mag mehr akkustische Musik, der andere lieber elektronische“, sagt Manuel Christill. Stilistisch festgefahren sei man aber nicht: „Ich bin Vielhörer und höre eigentlich alles. Ich würde auch mal was in Richtung Jazz ausprobieren.“

Doch ohne Unterstützung von Freunden und Familie geht da nichts. Aber auch ihre „Penne“, die Goetheschule in Wetzlar, zieht mit. „Unser Schuldirektor hat in unserem Video zu ,Summer Love‘ mitgespielt“, erzählen sie. Schulleiter Dr. Carsten Scherließ spielte in dem Musikvideo einen wütenden Bademeister, der dem tanzenden Partyvolk den Strom abdreht. Aber auch ihre Mitschüler greifen ihnen unter die Arme: „Die Darsteller in dem Video sind Freunde und Mitschüler, die wir aus der Musical AG kennen.“

Da die beiden noch zur Schule gehen, ist es mit der Finanzierung solcher Projekte allerdings schwierig. Vieles laufe da über Kontakte: Man kennt jemanden, der jemanden kennt.

Trotzdem versuchen sie, über alle möglichen Kanäle ihre Musik an den Mann und die Frau zu bringen: Spotify, Deezer, Apple Music – die Jungs wollen mit dem Zeitgeist gehen. Musikstreamingdienste liegen im Trend: Etwa 25 Millionen Menschen nutzen laut dem Statistik-Onlineportal „Statista“ hierzulande solche Dienste, bei denen man on- und offline auf dem PC, dem Tablet oder auf dem Handy Musik hören kann.

Doch wie kommt man überhaupt dazu, seine Musik auf solchen Portalen neben Größen wie Ed Sheeran, David Guetta oder Ariana Grande präsentieren zu können? „Man muss erst einmal Geld in die Hand nehmen, um dort seine Musik hochladen zu können“, sagt der 17-jährige Jonas Schmidt, „es gibt Portale wie „Feiyr.com“, die dann das Hochladen der Musik übernehmen.“ Bei großen Künstlern übernehmen das meist direkt die Plattenfirmen wie Sony, Universal oder Warner.

Konstruktive Kritik nehmen sich die Jungs zu Herzen und wollen die Vorschläge umsetzen

Wer seine Musik online stellt, der erntet natürlich nicht nur positive Kritik. Aber damit könnten sie mittlerweile umgehen, sagt Christill: „Einiges war dann auch hart, aber damit muss man rechnen. Die gute Kritik nehmen wir uns dann auch zu Herzen.“ Viele Kommentare auf YouTube sind allerdings positiv. „Man sieht, dass ihr euch sehr viel Mühe gegeben habt“ schreibt da ein User.

Für den Dreh ihres dritten Musikvideos konnten die zwei Wetzlarer eine besondere Location für sich gewinnen: Die ehemalige Diskothek MÄX in der Spinnereistraße. Aber vorher heißt es erst einmal Durchfeudeln: „Am Freitag müssen wir die Disco noch einmal putzen. Am Samstag und Sonntag können wir dann dort drehen.“

Insgesamt sitzen sie mehrere Monate an der Planung eines solchen Videoprojektes. Schmidt erklärt: „Am Anfang steht natürlich der Song. Dann kommen langsam die Ideen für ein Video und dann halten wir das in einem Drehbuch fest. Dinge wie die verschiedenen Kameraeinstellungen hat man dann meist schon im Kopf.“

Christill ergänzt: „Der von uns, der dann nicht vor der Kamera steht, übernimmt die Regie.“ Bei der Planung stoße man auch auf unvorhergesehene Probleme, erklären sie: „Der Laptop, auf dem das Lichtprogramm für die Diskothek gespeichert war, ist kaputt. Wir mussten dann mit der Hilfe eines Bekannten das Programm wiederherstellen und auf unseren eigenen PC ziehen.“ Auch rechtliche Fragen, wie etwa Drehgenehmigungen, gäbe es zu lösen. Etwa zwanzig Leute waren dann das ganze Wochenende für das Musikvideo zum neuen Song „Call me crazy“ im Einsatz. Das Video soll am 15. Oktober veröffentlicht werden.

Ihre Fähigkeiten wollen die beiden auch dazu nutzen, um andere Musiker zu unterstützen und bei ihrem Label unter Vertrag zu nehmen: „Wir sind offen für jegliche Art Musik. Sie soll uns gefallen und wir mögen es, wenn die Leute sich Mühe geben“, sagt Christill.

Kontakt: jml.music(at)yahoo.de / YouTube-Channel: JML Music


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