Musik steht an erster Stelle

PORTRÄT Patrick Jost aus Weyer will von dem leben, was er am liebsten macht

Begeisterter Musiker: Patrick Jost aus Weyer spielt Gitarre und singt. (Foto: Jung)

Mit "Hanne Kah und Band" will Patrick Jost im Sommer richtig durchstarten. (Foto: privat)

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Was in 30 Jahren ist, weiß Patrick Jost noch nicht. Aber darüber, was jetzt und in den nächsten Monaten und Jahren passieren soll, ist er sich im Klaren. "Ich möchte von der Musik leben können", sagt er und fügt an: "Mir geht es dabei nicht um Ruhm. Ich möchte nur so weit kommen, dass ich meine Rechnungen mit dem bezahlen kann, was ich am liebsten mache."

Seit seiner Kindheit interessiert sich der Weyerer für die Musik. Intensiver beschäftigte er sich aber erst als Jugendlicher damit. "Meine Mutter sagte, die Musik würde mich nicht weiterbringen, als ich mit zehn Jahren ein Musikinstrument lernen wollte", erinnert er sich. "Heute bestreitet sie, dass sie das einmal zu mir sagte. Sie weiß nun, dass mich die Musik erfüllt und unterstützt mich, wo sie nur kann."

Seit Kurzem hat der 27-Jährige sein Fachabitur in der Tasche. Gemacht hat er es an der an der Adolf-Reichwein-Schule in Limburg mit Richtung Sozialwesen. Zuvor hatte er eine Ausbildung zum Fremdsprachensekretär an der Limburger Peter-Paul-Cahensly-Schule absolviert. Aber ein Bürojob mit einem "normalen Alltag" war nichts für ihn. Während eines Freiwilligen Sozialen Jahres bei den Maltesern in Limburg arbeitete er danach erstmals mit Menschen mit Behinderung. Sollte sein Plan mit der Musik eines Tages völlig scheitern, könnte er sich vorstellen, dies auch später wieder zu tun.

Aber die Rangfolge in seinem Leben ist klar: An erster Stelle steht die Musik, der Rest steht hinten an. "Viel Zeit für Hobbys bleibt da nicht, aber es lohnt sich darauf oder auch auf Schlaf zu verzichten", erklärt Jost. "Mein Fachabi habe ich in der Tasche, mir bleiben also andere Möglichkeiten offen. Nur derzeit gibt es eben nichts außer der Musik", betont er. Besonders freut er sich auf den Sommer mit seiner Band. "Hanne Kah und Band" haben momentan oberste Priorität. "Ich möchte mich voll und ganz darauf konzentrieren können", wünscht sich Jost. Die Anerkennung vom Publikum und von anderen aus dem Business treibe ihn dabei an.

Anfang Juni war Patrick Jost mit "Hanne Kah und Band" in Luxemburg bei der Veranstaltung "Taste Your Ears". Davor spielten sie auf Mallorca. Dort ist die Band zweimal pro Jahr in der Bar "Bei Hermine" zu Gast. Kürzlich hat es mit "Hanne Kah und Band" eine kleine Tour durch Norddeutschland gegeben. "Die Tage waren von morgens bis abends durchgeplant, da blieb nicht viel Zeit zum Ausruhen, aber das wollten wir auch gar nicht", berichtet der 27-Jährige. Alle hätten sich viel zu sehr gefreut, eine Deutschlandtour zu machen. Gestern trat die Band auf dem "Lila-Laune-Kukunat-Sommerfest" im rheinland-pfälzischen Netzbach auf. Schon nächste Woche geht es weiter mit einem Auftritt auf dem Bad Marienberger Sommerfest. Beim Museumsuferfest in Frankfurt Ende August werden "Hanne Kah und Band" zum fünften Mal in Folge auftreten. Bei den Mainzer Sommerlichtern am 29. Juli spielen sie vor Nena.

"Die Straße war und ist sozusagen meine Probebühne, hier bin ich absolut locker und kann abschalten"

Die Liste der bevorstehenden Veranstaltungen ist lang. Ungefähr 60 Auftritte wird Jost in diesem Jahr noch mit "Hanne Kah und Band" haben - davon viele in anderen Regionen. "Mit den Jahren haben wir uns ein kleines Netzwerk aufbauen können, welches immer weiterwächst. Wir müssen einiges dafür tun, um gesehen und vor allem gehört zu werden, es lohnt sich aber", sagt er.

Mittlerweile gibt es ein ganzes Team um die Band. Vor allem gute Freunde und Familienmitglieder engagieren sich für die jungen Musiker. Es wird aber nicht nur getourt. Im Herbst will die Band ein neues Album rausbringen. Patrick Jost verspricht gewohnte Klänge, aber auch ein paar Überraschungen.

Auch wenn "Hanne Kah und Band" derzeit ein sehr großes Projekt in seinem Leben ist, vergisst der 27-Jährige nicht, wo seine Wurzeln liegen. Alles begann im Jahr 2007 mit der Spaßgruppe "Nein Danke". Die Band hatte zwar nur einen Auftritt, aber die Freundschaften und Kontakte blieben bestehen. Seit 2010 macht Patrick Jost auch Straßenmusik. "Das Spielen und Singen auf der Straße ist mir sehr wichtig", unterstreicht er und ergänzt: "Die Straße war und ist sozusagen meine Probebühne, hier bin ich absolut locker und kann abschalten." Bei größeren Auftritten könne er schon mal sehr nervös werden. Mit seiner Band "Insert Coin" spielt Patrick Jost auf etwas kleineren Veranstaltungen und Feiern. "In diesem Jahr könnte es insgesamt bis zu 100 Auftritte geben", meint er.

Seine Stilrichtung geht in den Bereich des Folk, Rock und Pop. Wie er da hineingeraten ist, weiß er selbst nicht so genau. "Irgendwann hat diese Musik einfach für mich funktioniert und seitdem ist es so geblieben", erklärt er. Aber für Experimente seien er und seine Bandmitglieder immer offen. "Man soll sich nicht zu sehr auf eine Richtung beschränken." Kontakte seien das A und O im Musikbusiness. Zurzeit denkt Jost nur ans Musikmachen. Er kann sich durchaus aber auch vorstellen, in einem anderen musikbezogenen Berufsfeld zu arbeiten - Musikmanagement oder Musikjournalismus. Eines steht aber fest für ihn: Mit Musik sollte es irgendetwas zu tun haben.


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