Outdoor-Kleidung aus Duschvorhängen

Regisseur Terry Gilliam im Interview / Gewinnt Kinofreikarten für „The Zero Theorem“

Das Filmplakat zu "The Zero Theorem". (Foto: Concorde Filmverleih)

Joby (David Thewlis) macht sich Sorgen um seinen Mitarbeiter Qohen (Christoph Waltz). (Foto: Concorde Filmverleih)

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Ihre neue Tragödie „The Zero Theorem“ dreht sich um den Sinn des Lebens. Was führte zu Ihrer Entscheidung, das Thema für einen Film zu verwenden?

Terry Gilliam: Für mich geht es nicht so sehr um den Sinn des Lebens, sondern um einen Schnappschuss der Welt, in welcher wir leben. Es ist eine Art Studie eines recht mitgenommenen Individuums, das versucht, sich von der vernetzten Welt zu entfernen, um alleine zu sein. Er ist verrückt genug, zu glauben, dass ein Telefonanruf die Antwort auf die Frage nach dem Sinn seines Lebens bereithalten könnte. Es ist wie die Werbung, die uns erzählt, dass ein bestimmtes Auto oder Shampoo unserem Leben einen Sinn verleiht. Wir werden dabei gefangen, in die falsche Richtung zu schauen. Aber du kannst deinem Leben keinen Sinn kaufen. Du musst daran arbeiten.

Der Film basiert auf einem Skript von Pat Rushin. Wie sind Sie auf die Geschichte aufmerksam geworden?

Gilliam: Der berühmte Produzent Dick Zanuck kam mit dem Skript auf mich zu und ich dachte, dass es eine Menge interessanter Ideen und Charaktere beinhaltet. Ich mochte den Fakt, dass es keine Antworten beinhaltet.

Sie und Ihre Crew brauchten nicht einmal 40 Tage, um den Film in Bukarest mit weniger als zehn Millionen Dollar zu verwirklichen. Wie haben Sie dies geschafft?

Gilliam: Tatsächlich brauchten wir nur 32 Tage und eine Budget von achteinhalb Millionen Dollar. Ich war mit unglaublich talentierten Menschen zusammen, die nicht nur sehr hart arbeiten, sondern auch gut darin sind, günstige Lösungen zu finden. Zum Beispiel Carlo Poggioli, der Kostüm-Designer: Er benutzte Plastikduschvorhänge und Tischdecken, um Outdoor-Kleidung herzustellen.

Pat Rushins dystopische Vision ist voller Gesellschaftskritik. Denken Sie, dass unsere Zukunft den Geschehnissen in „The Zero Theorem“ ähneln wird?

Gilliam: Ich dachte, wir würden einen Film über die nahe Zukunft machen, doch zu dem Zeitpunkt, an dem der Film fertig war, waren die meisten unserer Ideen bereits Geschichte. Die Zukunft eilt schneller voran, als wir uns vorstellen können. Ich muss sagen, dass ich nicht ganz nachvollziehen kann, wieso man den Film als Dystopie bezeichnet. Jeder ist sehr glücklich, Arbeit macht Spaß und ist spielerisch und Einkaufen ist einfach super. Es ist die Welt, in der wir heute schon leben, mit dem Unterschied, dass es keine Terroristen in „The Zero Theorem“ gibt.

Sind Sie mit dem finalen Produkt zufrieden, besonders mit Christoph Waltz als Protagonisten?

Gilliam: Der Film ist besser als die Version, die ich vor einigen Jahren gemacht hätte. Einer der Gründe dafür ist Christoph. Er ist absolut brillant. Ich denke, dass es eine seiner besten Rollen ist. Es ist so ein introvertierter Charakter, der es sehr schwierig hat, mit dem Publikum zu interagieren. Insbesondere weil es keine aufregende Action oder einen spannungsgeladenen Plot gibt – lediglich einen gequälten, komplexen und traurigen Mann. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich seiner Leitung folgen würde und jeder Tag war eine interessante Überraschung.

Was denken Sie, ist Ihr Sinn des Lebens?

Gilliam: Ich glaube, ich bin zu beschäftigt damit, zu leben und zu arbeiten, als dass ich einen Sinn des Lebens bräuchte – abgesehen von der Tatsache, dass die Dinge, die ich mache, fordernd, erfüllend, aufregend, lustig und deprimierend sind. Die Menschen, mit denen ich Zeit verbringen und arbeiten kann, sind dabei genauso. Ich habe zudem eine wunderbare Familie, die mich immer auf Trab hält. Das Leben selbst hat keinen Sinn, nur Zellen, die sich teilen und sterben und Moleküle, die damit beschäftigt sind, Zustände zu ändern. Wenn man einen Sinn braucht, muss man ihn finden oder erfinden.

Ihre weiteren Aktivitäten betreffend: Auf welche Filme dürfen wir uns in Zukunft freuen?

Gilliam: Ich werde vermutlich „The Man Who Killed Don Quixote“ wieder ankurbeln und voran treiben. Dieses Mal mit John Hurt und Jack O’Connell. Daumen drücken! Wenn ich Quixote dann endlich aus meinem Kopf bekomme, werde ich nach neuen Dingen suchen.

Zur Person – Terry Gilliam:
Terry Gilliam fasste Anfang der 1970er-Jahre erstmals im Filmbusiness Fuß, in dem er für die Komikergruppe Monty Python Skripte verfasste und diese anschließend verfilmte. So entstanden Kultfilme wie „Das Leben des Brian“, „Der Sinn des Lebens“ oder „Die Ritter der Kokosnuss“. In den folgenden Jahren erschienen mit „Brazil“ und „12 Monkeys“ Filme mit ernsteren Motiven, die einen zynischen Blick auf die Zukunft warfen. Sein neuerster Film – „The Zero Theorem“ – erschien am 27. November im Kino.

Wir verlosen zwei Mal zwei Kinofreikarten für den Film „The Zero Theorem“. Um zu gewinnen, müsst ihr einfach folgende Frage richtig beantworten: Welcher Schauspieler spielt den Protagonisten des Films? Schickt uns eure Lösung mit dem Stichwort „Terry Gilliam“ bis zum 5. Dezember 2014 an info(at)midde.de. Vergesst nicht, eure Adresse und euer Alter mit anzugeben.


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