Produzieren statt konsumieren

CAMP  50 Jugendliche gründen und vermarkten eigene Firma in Biedenkopf

Eine Band braucht natürlich auch Autogrammkarten. Um diese kümmerte sich die Fotogruppe. (Foto: Valentin)
Luisa, Lena und Sebastian kümmern sich in der Videogruppe um den Schnitt des Rohmaterials und zaubern daraus ein Musikvideo. (Foto: Valentin)
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Sie haben am zweiten Mediencamp des Senders Hit Radio FFH, der Landesanstalt für privaten Rundfunk (LPR) und des Instituts für Medienpädagogik und Kommunikation (MuK) teilgenommen. „Eigentlich müsste es sogar Medienkompetenz-Camp heißen“, erklärte Joachim Becker, Direktor des LPR Hessen. Ziel der Initiative ist es nämlich, den jungen Teilnehmern die Mechanismen der Medienwelt bewusst zu machen, von denen die Konsumenten meist nichts mitbekommen. „Sie sollen sie nicht nur kennenlernen, sondern selbst erfahren“, führte Becker weiter aus.

Produzieren statt konsumieren, lautete daher das Motto des Mediencamps, bei dem die Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren den kompletten Prozess von der Gründung einer fiktiven Firma über deren Vermarktung bis zum Verkauf von Produkten nachvollzogen.

In Gruppenarbeit entsteht das fertige Musikvideo, Autogrammkarten Plakate und mehr

Aufgeteilt auf verschiedene Gruppen, kümmerten sie sich dabei jeweils um unterschiedliche Aspekte dieses Prozesses: Die einen schrieben Lieder, die anderen verfolgten das Geschehen mit Videokamera und Fotoapparat, eine weitere Gruppe gestaltete Plakate und Autogrammkarten und die Cutter und Editoren verpassten dem Rohmaterial aus der Kamera am Computer den letzten Schliff.

Auf diese Weise lernten die Jugendlichen nicht nur das für ihren Bereich nötige Handwerk kennen, sondern nahmen nach den fünf Tagen auch ein wichtige Erkenntnis mit. „Im Mittelpunkt steht die Teamarbeit“, betonte Sebastian, der sich um den Videoschnitt kümmerte. Kein Teil könne separat für sich bestehen. „Jeder muss seinen Part beisteuern, damit am Ende was Rundes dabei rauskommt“, ergänzte er.

Dabei sei die Aufgabe durchaus herausfordernd gewesen, gab auch Pia zu, die eine Sängerin der Band mimte. „Wenn man den hundertsten Dreh bei einem Video verhauen hat und noch mal von vorne anfangen muss, stößt man schon an seine Geduldsgrenze“, lachte sie. Trotzdem habe es sehr viel Spaß gemacht, einmal einen Blick hinter die Kulissen der Medienbranche zu werfen.

Da nahmen die Jugendlichen denn auch einen 14 Stunden-Arbeitstag in Kauf – und das während der Ferien. Einige, wie etwa die Musikgruppe, hockten sogar bis weit nach Mitternacht zusammen und brüteten gemeinsam über Songtexten, bis diese perfekt abgestimmt waren. „Ich wollte schon immer was in diese Richtung machen und das Mediencamp hat mich in diesem Wunsch nur noch bestärkt“, sagte auch der 16-jährige Jannic, der zum Videoteam gehörte.

Es sei spannend gewesen, den Ablauf einmal komplett nachzuvollziehen – von der Ausarbeitung einer Geschichte mit Storyboard über den eigentlichen Videodreh bis zum Schneiden des Rohmaterials. Das sei ganz sein Ding, lachte Jannic.

„Ziel erreicht“, bilanzierte angesichts der positiven Rückmeldungen der Teilnehmer auch FFH-Pressesprecher Dominik Kuhn. „Wenn ich sehe, wie viel Spaß die Kids haben und mit wie viel Engagement sie bei der Sache sind, kann ich nur sagen, dass das Mediencamp ein voller Erfolg ist und auch im kommenden Jahr fortgeführt werden sollte.“

Marc Beeh plädiert für einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien, nicht für Verbote

Dem stimmte auch Marc Beeh als stellvertretender Programmchef bei FFH zu. „Wir können Kinder und Jugendliche nicht vor der Welt der Medien verschließen“, betonte er. „Aber wir können dafür sorgen, dass sie verantwortungsbewusst damit umgehen.“ Das setze jedoch voraus, dass sie über die Abläufe und Hintergründe Bescheid wissen und dies zu vermitteln, sie ihnen mit dem Mediencamp wunderbar gelungen, so Beeh.


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