Rache und die Suche nach Anerkennung

Beim Weißen Ring können persönlich und anonym Gespräche geführt werden

Tobias Grän vom Weißen Ring spricht über Cyber-Mobbing.

Herr Grän, warum nimmt Cyber- Mobbing immer mehr zu?

Tobias Grän: Mobbing hat es immer schon gegeben. Cyber-Mobbing ist Mobbing mit digitalen Medien und in sozialen Netzwerken. Durch die globale, virtuelle Vernetzung (982 Millionen Facebook-Nutzer weltweit, man chattet, sendet Bilder, SMS) ist die Verbreitung von Cyber-Mobbing-Attacken immens und kaum zu stoppen. Dass das Internet nicht vergisst und Mobbing auch rund um die Uhr in die Privatsphäre zu Hause eindringt, macht Cyber-Mobbing besonders schlimm.

Warum ist es in manchen Fällen besser, zum Weißen Ring und nicht zur Polizei zu gehen?

Grän: Die Polizei ist verpflichtet, eine Straftat anzuzeigen und die Strafverfolgung aufnehmen, sobald sie davon erfährt. Viele Opfer wollen jedoch nicht, dass der Täter weiß, dass sie sich Hilfe suchen. Gerade bei häuslicher Gewalt ist das ein Problem. Beim Weißen Ring kann das Opfer ein anonymes, persönliches Gespräche führen, ohne dass der Täter davon erfährt. So kann einfach nur darüber geredet, aber auch eine Lösung gefunden werden. Auch den Ort des Gespräches kann sich das Opfer selbst aussuchen: ob Zuhause, an einem öffentlichen Ort oder in einer Zentrale des Weißen Rings.

Aus welchen Gründen werden Jugendliche zu Mobbern?

Grän: Die häufigsten Motive für Cyber-Mobbing sind Rache, das Bedürfnis nach Macht, die Suche nach Anerkennung, Gruppenzwang, das Ausleben von Minderwertigkeitskomplexen sowie die Gemeinschaftsstärkung.


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