Rocken aus Leidenschaft

MUSIK "Granny Meat Stone Shit" planen erste CD / "Zuflucht" in Schlierbach

Wollte "damals" eigentlich nur ein Bierchen trinken, wurde dann aber flugs als Sänger rekrutiert: Boris Przewlocka. (Foto: Röder)

Sven Köhl spielt die Rhythmus-Gitarre bei "Granny Meat Stone Shit". Alle Bandmitglieder wuchsen mit Rocklegenden wie Iron Maiden und Judas Priest auf. (Foto: Röder)

Rockmusik aus dem Hinterland spielen "Granny Meat Stone Shit" (v. l.). Sven Köhl, Martin Seitz, Boris Przewlocka und Markus Becker, rocken aus Leidenschaft. Ihr Proberaum ist ein "Zufluchtsort vom Alltag". (Foto: Röder)

Bild 1 von 3

Im "Horsehouse": Poster von Rock- und Metal-Legenden hängen an den Wänden. Ein paar Totenschädel - und natürlich ein Pin-Up-Kalender. Der Raum wird dominiert von einem großen Schlagzeug mit Iron-Maiden-Motiv auf der Bassdrum. Verstärker, Mikrofone, Gitarren ... Proberaumatmosphäre pur. In einer Ecke: eine bequem durchgesessene Couch. Darauf: "Granny Meat Stone Shit", die komplette Band in Gestalt von Markus Becker, Martin Seitz, Boris Przewlocka und Sven Köhl.

Das Quartett aus dem Hinterland spielt Rockmusik - das ist der kleinste gemeinsame Nenner. "Es fällt uns sehr schwer, unsere eigene Musik zu kategorisieren", sagt Markus Becker. Und tatsächlich versprühen Tracks wie "Final Day" auch Metal-Feeling. Andere wieder mehr Hardrock- und Punk-Attitüde. Während wieder andere in der Neuen Deutschen Härte oder dem  Psychedelic verhaftet sind. "Uns war von Anfang an nur eins klar", sagt Sven Köhl: "Dass wir rockige Musik machen wollen." Denn damit - mit Rock - wurden die Bandmitglieder sozialisiert. 

Anzeige

Das "Horsehouse" ist für die Bandmitglieder eine Insel, ein Rückzugsort

Iron Maiden, Judas Priest, Ted Nugent, Motörhead ... Das waren die Helden von "Granny Meat Stone Shit" in ihrer Jugend. Und sie sind es geblieben: Schlagzeuger Martin Seitz etwa hat seine Lieblingsband Iron Maiden 72 mal live gesehen. "Das ist nicht nur Musik, das ist Leidenschaft", sagt er. "Die Musik, die wir heute machen, ist tief verwurzelt in unserer Kindheit", beschreibt Markus Becker. Dort verwurzelt ist auch die Freundschaft der Bandmitglieder untereinander. Alle kennen sie sich seit ihrer Jugend.

"Wir hatten alle mal unsere Sturm- und Drang-Phase", sagt Martin Seitz grinsend. In dieser wurde Rock und Metal nicht nur gehört, sondern es wurde sich auch selbst an den Instrumenten versucht. Martin Seitz lernte Schlagzeug, Markus Becker Bass und Sven Köhl Gitarre. Doch dann kam das wahre Leben dazwischen. Beruf, Familie, Kinder. Die Instrumente wurden verbannt. "Irgendwie ist das selbst Musik machen dann eingeschlafen", sagen alle.

Bis zu jenem Tag im Jahr 2009. "Ich wollte einfach mal wieder was spielen", sagt Markus Becker. Daraufhin wurde der alte Bass entstaubt und die Kumpels angerufen, die ihrerseits die Instrumente von damals wieder auspackten. Kurzerhand wurde der Proberaum einer befreundeten Band in Weidenhausen geentert und einfach drauflos gejammt. "Nur ein Sänger fehlte noch", sagt  Martin Seitz.

Der kam in Gestalt von Boris Przewlocka, der eigentlich nur ein Bier mit den Kumpels trinken wollte und plötzlich den Textzettel in der Hand hielt. Bei der nächsten Probe war er wieder mit dabei - bis heute.

Überhaupt, das Proben: Jeden Freitag um 19 Uhr treffen sich "Granny Meat Stone Shit" im "Horsehouse", einen zum Proberaum umgebauten Pferdestall von Markus Becker in Schlierbach. "Das ,Horsehouse ist unsere Insel", sagt  Boris Przewlocka. "Unser Zufluchtsort vom Alltag." Tür zu, Welt aus - das sei das Motto, erklärt Markus Becker.  "Erst wenn wir freitags abends hier zusammensitzen, ist Wochenende", sagt der Bassist. "Wenn was dazwischen kommt, ist der Start ins Wochenende schon mal misslungen." Er spricht den Proben einen "großen therapeutischen Effekt" zu. Seine Bandkollegen nicken. "Andere gehen zum Sport oder ins Kino. Wir gehen proben", meint Sven Köhl nur.

"Granny Meat Stone Shit" soll Hobby bleiben, sind sich die Mitglieder sicher 

Ein Probeabend mit "Granny Meat Stone Shit" hat immer auch etwas Unvorhersehbares. "Die Hauptsache ist, dass wir diszipliniert zusammen Musik machen", sagt der Sänger. "Doch mindestens genauso wichtig ist es, gemeinsam Zeit zu verbringen, Musik zu hören, ein Bierchen zu trinken und zu reden."

Deshalb ist die Zeit im Proberaum wichtiger für "Granny Meat Stone Shit", als beispielsweise Live-Auftritte, die sie eher als "Nebeneffekt" sehen. "Obwohl es schon so ist, dass wir sehr dankbar sind, dass wir das, was wir geschaffen haben, in dieser Form nach draußen tragen können." Knapp zwei Handvoll Auftritte hatte die Band bis dato. "Und wir fühlen uns vorher immer noch wie ein Zehnjähriger, der vor dem Weihnachtsbaum sitzt", sagt Schlagzeuger Martin Seitz und lacht.

Die Songs - "Granny Meat Stone Shit spielen bis auf zwei Ted-Nugent-Coversongs nur eigenes Material - entstehen basisdemokratisch. "Jeder bringt seine Ideen ein", beschreibt Sven Köhl. "Das können Textfragmente, Riffs oder Schlagzeugsequenzen sein." Wie lange dauert es, bis ein Text fertig ist? "Das variiert", erklärt Markus Becker. "Das kann von einem Tag bis hin zu einem Jahr dauern." Das Gefühl, einen Song zu komponieren, sei etwas ganz besonderes: "Das hat was Handwerkliches", beschreibt Becker. "Etwas zu schaffen, das vorher nicht da war und das bleibt ... das ist toll!"

Wie lange es dauert, bis die erste CD von "Granny Meat Stone Shit" erscheint, steht noch in den Sternen. "Wir sind da dran", sagt die Band nur. "Es dauert so lange, wie’s eben dauert." "Granny Meat Stone Shit" soll ganz klar Hobby und Freizeitausgleich bleiben und nicht zu stressiger Arbeit werden.

Wobei das Proben auch nicht nur Spaß ist. "Wir haben ja schon einen Anspruch", erklärt Markus Becker. "Das Proben ist Arbeit." "Aber eine, die sehr viel Spaß macht und entspannt abläuft", ergänze Gitarrist Sven Köhl.

Der Bandname des Quartetts leitet sich übrigens von deren Berufen ab. Eine kleine Sonderstellung nimmt dabei Boris Przewlocka ein. Er ist der "Granny", mit 41 Jahren der Bandälteste. "Meat", das ist ist Fleischereitechniker Martin Seitz. Bassist Markus Becker ist Maurermeister, sprich "Stone". Und Sven Köhl als Installateur- und Heizungsbaumeister steht für, nun ja, "Shit". Man merkt: Nicht nur die Liebe zur Musik wird bei "Granny Meat Stone Shit" großgeschrieben, sondern auch der Humor.

 

Live in Frankfurt

Wer sich von den Live-Qualitäten von "Granny Meat Stone Shit" überzeugen möchte, hat am Samstag, 25. April, im Frankfurter "Das Bett" (Schmidtstraße 12) die Gelegenheit dazu. "Granny Meat Stone Shit" stehen dort im vierten Semifinale des Band-Festivals "Emergenza". Ab Hartenrod wird es einen von der Band in Kooperation mit der "Becker & Achenbach-Group" organisierten Bus-Shuttle-Service geben. Aktuelle Informationen zu den Abfahrtzeiten des Busses und der Frage, ob noch Plätze zur Verfügung stehen, gibt es auf der Facebook-Seite der Band.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2015
Mehr zum Thema
Kommentare (0)
Mehr aus midde