Schüler löchern Kandidaten

Juniorwahl  Zur Vorbereitung einer Wahlsimulation diskutierten Politiker Schülerthemen

Die Schüler stellen kritische Fragen und haken nach. (Foto: Ukleja)
V.l.: Egon Maurer (AfD), Andreas Hofmeister (CDU), Armin Müller (FDP), Volker Schmidt, Bärbel Kamphausen-Muser, Holger Reich (Grüne), Tobias Eckert (SPD) und André Pabst (Linke) (Foto: Ukleja)
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Im Oktober finden in der Woche vor der hessischen Landtagswahl die Juniorwahlen an über 250 Schulen im Bundesland statt. Dabei handelt es sich um eine Wahlsimulation, bei der die Schüler die Möglichkeit haben, unter realistischen Bedingungen die Ablaufe bei einer Wahl zu erleben.

Die Wahlergebnisse werden an den teilnehmenden Schulen ausgezählt und fließen in eine hessenweite Statistik ein, welche den politischen Willen der Schüler repräsentiert und zeitgleich mit den offiziellen Ergebnissen veröffentlicht wird.

Das GPW nimmt dieses Jahr zum ersten Mal an der Aktion teil. Im Vorfeld soll im Unterricht über die Themen und Abläufe informiert werden. Zu diesem Zweck organisierte Lehrerin Bärbel Kamphausen-Muser eine Podiumsdiskussion, die sie zusammen mit Lehrer Volker Schmidt moderierte. Klassen von der neunten bis zur dreizehnten Jahrgangsstufe hatten die Chance, sich die Standpunkte der Politiker zu schulrelevanten Themen anzuhören und selber Fragen zu stellen.

Teilnehmer waren die Direktkandidaten aus dem Wahlkreis Limburg-Weilburg II Andreas Hofmeister (CDU), Tobias Eckert (SPD), Armin Müller (FDP), Holger Reich (Grüne), André Pabst (Linke) und Egon Maurer (AfD).

Zur Diskussion standen drei Themen: Digitalisierung, Bildung und Verkehr. Beim ersten Thema waren sich die Politiker noch weitestgehend einig. Schnelle Internetverbindungen seien ein Muss und Funklöcher gelte es zu stopfen.

Zum zweiten Diskussionspunkt Bildung merkte Schmidt einleitend an, dass es am GPW immer noch an bedarfsgerechter Versorgung fehle, zum Beispiel im Fachbereich Kunst. Daraufhin gingen die Meinungen der Politiker auseinander. Andreas Hofmeister (CDU) sagte, man könne die Zahlen nicht wegdiskutieren. Im Trend stünden sinkende Schülerzahlen steigenden Lehrereinstellungen gegenüber. Dem widersprach Tobias Eckert (SPD) vehement. Vor allem Grundschulen bräuchten dringend mehr Personal.

Seine Anmerkung, dass Hessen im Ländervergleich beim Thema Bildung nach hinten gefallen sei, griff auch Armin Müller (FDP) auf. Er sei allerdings der Meinung, dass deutscher Meister zu sein für Hessen nicht ausreiche. Er wolle die weltbeste Bildung anbieten. Auf eine Nachfrage seitens der Schüler, wie er denn eine weltbeste Bildung definiere, erklärte Müller, dass dies durch eine Durchlässigkeit der Systeme zu bewerkstelligen sei. Man solle jederzeit höhere Bildungswege einschlagen und auch nachholen können.

Eine weitere Schülerfrage zielte darauf ab, wie die einzelnen Standpunkte der Diskussionsteilnehmer zu verpflichtenden Ganztagsschulen seien. Lediglich Egon Maurer (AfD) befürwortete ein solches Schulsystem.Beim Thema Verkehr wurde besonders der öffentliche Personahverkehr (ÖPNV) diskutiert. André Pabst (Linke) sagte, dass nicht nur ein kostenloses Schülerticket notwenig sei, sondern auch als langfristiges Ziel der gesamte ÖPNV kostenfrei werden solle. Holger Reich (Grüne), der in Frankfurt als Verkehrsplaner arbeitet, entgegnete dem, dass ein kostenloser ÖPNV kaum finanzierbar sei. Außerdem garantiere das nicht die schlussendliche Nutzung.

Bärbel Kamphausen-Muser freute sich besonders, dass ihre Schüler kritische Fragen stellten

Zum Abschluss der Veranstaltung bekamen die Kandidaten die Chance, in einem Satz zu formulieren, warum sich die Schüler für die jeweilige Partei entscheiden sollten.

Kamphausen-Muser äußerte sich im Nachhinein zufrieden über die Podiumsdiskussion. Sie sei eine gute Informationsmöglichkeit für die Schüler gewesen. Besonders freue sie, dass viele kritische Fragen gestellt wurden. Sie könne sich gut vorstellen, eine solche Veranstaltung am Gymnasium zu wiederholen.


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