Schüler richten über Gleichaltrige

JUSTIZ Projekt "Teen-Court" soll der Prävention von Jugendkriminalität dienen

Die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann spricht im mit dem Vertreter der Schülerrichter, Faran Tahir. (Foto: Fluck)

Sie dürfen Jugendliche, die weniger schwerwiegende Straftaten begangen haben, mit deren Einwilligung zu erzieherischen Maßnahmen verpflichten.

Das Projekt gibt es seit 2008 im Landgerichtsbezirk Limburg. Die Staatsanwaltschaft wählt Fälle aus, die für das Modell in Frage kommen. Das können Eigentumsdelikte sein, Fahren ohne Führerschein, Hausfriedensbruch, Körperverletzung, weniger schwere Raubdelikte, Sachbeschädigung, Beleidigung und der Eigenkonsum von Drogen. Teen-Courts stehen für geständige 14- bis 18-Jährige zur Verfügung, die der Schulpflicht unterliegen und der deutschen Sprache ausreichend mächtig sind. Das Modell soll Ersttätern helfen, auf den rechten Weg zurückzufinden. Wiederholungstäter dürfen nur im Einzelfall teilnehmen.

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"Ich habe sehr viele Personen mit unterschiedlichen Charaktereigenschaften kennengelernt und mich für ihren familiären Hintergrund interessiert", erzählt Faran Tahir, 19-jähriger Abiturient der Tilemannschule und Schülerrichter, der hessischen Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) bei ihrem Antrittsbesuch im Limburger Landgericht. Zumeist hingen bestimmte Straftaten mit familiären oder schulischen Problemen zusammen.

Drei Schülerrichter erörtern mit dem Straffälligen sein Verhalten und legen eine Maßregel fest. Diese kann bis zu 25 Stunden gemeinnützige Arbeit betragen, die Wiedergutmachung des Schadens oder eine persönliche Entschuldigung.

Betroffene müssen mit Sanktionen einverstanden sein, sonst kommt es zur Anklage

Auch ein zeitlich limitiertes "Handy- oder Computerverbot", Gitarre oder Klavier spielen im Seniorenheim sind mögliche. "Andere ‚Sanktionen‘ können dazu dienen, das Selbstwertgefühl zu steigern, wie zum Beispiel die Ablegung des Sportabzeichens oder die Teilnahme an einem Schwimmkurs", sagte Projektleiter Nucklies.

Die Betroffenen müssen mit den Sanktionen einverstanden sein, sonst kommt es zur Anklage. Die Einhaltung der Vereinbarung wird vom Schülergremium überprüft. und muss in aller Regel durch Vorlage entsprechender Bescheinigungen nachgewiesen werden. Wurde die Vereinbarung nicht, nur teilweise oder unzulänglich erfüllt, so entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob Anklage erhoben wird.

Die zuständige Limburger Staatsanwältin Iris Wolff überprüft die Arbeit der Teen-Courts, die aus einer amerikanischen Initiative entstanden, wie sie den Teilnehmern berichtete. "Wir wollen ordentlich erzogene Menschen haben und keine Kriminellen. Das Verfahren mit den Teen-Courts ermöglicht eine schnellere Bestrafung nach der Tat, ist wirkungsvoll und kostengünstig", sagte Wolff. In Limburg hätte sich das Projekt als wichtiger Beitrag gegen Jugendkriminalität bewährt. Von 33 Fällen im vergangenen Jahr sind bisher 28 abgeschlossen worden.


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