Schülerfirmen setzen auf Upcycling

BILDUNG  Jury kürt Kelkheimer in Wetzlar zu besten Junior-Unternehmern / Limburger im Landesfinale

Engagierte Vorstellung: ein Teilnehmer der Friedrich-Dessauer-Schule in Limburg präsentiert Hessens Kultusminister Alexander Lorz (M.) und Frank Martin (Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit) das Unternehmen HoStArts. (Foto: Hoge)

Eines hatten aber alle neun Schülerfirmen, die an dem Wettbewerb in der Wetzlarer Rittal-Arena teilnahmen, gemein: Im Mittelpunkt stand das Thema Nachhaltigkeit. Auf die Fahnen schrieben sich die Nachwuchs-Unternehmen „Upcycling“ – oder auch: „Aus alt macht neu“.

DIE SIEGER

Der Sieg ging am Donnerstag in den Taunus: Die Wahl der Jury, bestehend aus Bildungs- und Wirtschaftsexperten, fiel auf die Firma „mapled“ (Eichendorffschule Kelkheim), die Laptopkissen aus alten Landkarten herstellt. ReBottycle (Berufliche Schulen Korbach und Bad Arolsen) und Clobberpillow (Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Schule Homberg) folgten auf den Plätzen zwei und drei.

DIE REAKTIONEN

„Dieses Projekt ermöglicht einen unmittelbaren Zugriff auf das Berufsleben“, sagte der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU), der die Preisverleihung gemeinsam mit Frank Martin von der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit übernahm, und ergänzte: „Man fragt sich schon: Warum ist nicht vorher schon einmal jemand auf diese Ideen gekommen?“

Martin verwies auf die Kompetenzen, die das Projekt fördere: „Es zählt, wie Sie sich verkaufen. Das interessiert eine einzelne Prüfung in Bio nicht so sehr. Sie machen eine wichtige und tolle Erfahrung.“

„Nicht jeder gründet nach der Schule ein Start-Up– bei der Berufswahl kann das Projekt aber helfen“

In die gleiche Kerbe schlug Klaus-Achim Wendel, der Vorsitzende des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes Mittelhessen, der betonte: „Nicht jeder wird nach der Schule ein Start-Up gründen – bei der Berufswahl kann dieses Projekt aber helfen.“ Allein die Möglichkeit, ökonomische Zusammenhänge praktisch kennenzulernen, sei enorm wertvoll.

DIE UNTERNEHMEN

6M3J: Alte Gläser entsorgen? Nicht mit der Schülerfirma aus Taunusstein-Hahn! Das neunköpfige Team vertreibt selbst gepflanzte Küchenkräuter in verschiedensten Gläsern. Der Name des Unternehmens steht dabei für „6 Mädchen, 3 Jungen“.

CLOBBERPILLOW: „Alte Kleidung muss man nicht entsorgen, sondern kann sie für Neues nutzen“, sagte die Homberger Wirtschaftsschülerin Celine Schlosser. Das Prinzip ist einfach: Aus nachhaltigen Rohstoffen produziert die Schülerfirma individuelle Kissen. Da wird schon einmal aus dem alten Fußballtrikot ein neues Fan-Kissen. „Da wir nur wenige Ausgaben haben, können wir die Produkte außerdem sehr günstig anbieten“, erklärte Schlosser.

COLOURISTIC: Die Nachwuchs-Unternehmer aus Wiesbaden stellen Grußkarten und Geschenkverpackungen für verschiedene Anlässe her. Dazu gestalten die Schüler Stühle und Tische für Klassenräume.

DIE HOLZKÖPFCHEN: Stilecht präsentierte sich die Schülerfirma in der Rittal-Arena in Holzfällerhemden. Der Grund: Im Unternehmen dreht sich alles um Holz. Aufbewahrungs- und Haushaltshilfen aus Holz zählen zum Sortiment.

HoStArts: Auch die Finalisten der Limburger Friedrich-Dessauer-Schule setzen auf Holz und Nachhaltigkeit. Aus Holz- und Stahlresten entwickeln die Schüler neue Produkte.

Das Angebot wächst immer weiter: Alles begann mit einer wetterfesten Naturholz-Liege. Unter anderem vertreibt HoStArts auch einen Nussknacker oder allerlei dekorative Produkte im Holz- und Stahldesign - etwa Weihnachts- oder Osterschmuck. Immer im Blick haben die Schüler die Nachhaltigkeit: „Es geht uns darum, aus Resten Schönes zu machen“, sagt einer der Schüler.

MAPLED: Die Landessieger aus Kelkheim produzieren Laptopkissen. Als Material dienen vor allem auch Gegenstände aus dem Schulalltag: Die Junior-Unternehmer nutzen alte Landkarten, wiederverwertete Stoffe und Holz. Hinzu kommt eine LED-Beleuchtung in verschiedenen Farben. Auch Kultusminister Lorz ließ es sich nicht nehmen, das Kissen zu testen - und bekam prompt ein Angebot für eine Bestellung.

REBOTTYCLE: „Gib altem neues Licht“ - unter diesem Motto steht die Arbeit aus Korbach und Bad Arolsen. „Fast jeder hat doch zu Hause Flaschen. Warum sollte man die wegwerfen?“, fragte Julian Köchling von der nordhessischen Schülerfirma, die alte Glasflaschen zu modernen Leuchten „upcycelt“.

UPGLASS: Mit Glas arbeitet auch „UpGlass“: Das Junior-Unternehmen nutzt dafür gebrauchte Weinflaschen eines regionalen Winzers. Aus diesen entstehen Getränkegläser, Blumentöpfe Stiftehalter und vieles mehr.

WI & WI COMPANY: Die Schüler aus Hofheim gehen mit ihrem Produkt „Combi Care“ zwei Probleme an. Einerseits dient es als Pflegecreme, anderseits als Desinfektionsmittel für die Hände.

 

SCHÜLERFIRMEN-PROGRAMME IN HESSEN

Seit 1994 bietet das Institut der deutschen Wirtschaft Köln JUNIOR gGmbH (IW JUNIOR) in Deutschland verschiedene Schülerfirmen-Programme an. Dabei gründen Jugendliche aus allen Schulformen ab der Sekundarstufe I für ein Schuljahr ein Unternehmen. Sie besetzen alle Positionen des Unternehmens und agieren als Vorstandsvorsitzende, Marketingleiter und Finanzchef. In Hessen ging das erste Projekt 2002 an den Start. Im aktuellen Schuljahr nehmen landesweit 80 Unternehmen und 1000 Jugendliche teil. (hog)


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