Sternsinger erhalten viel Zuspruch

SPENDEN  Gruppen aus Biedenkopf besuchen bis Samstag 200 Haushalte im Hinterland

Anna-Lisa Urspruch (vorn) bringt die Segensformel 20-C+M+B-18! am Türrahmen des Biedenkopfer Rathauses an. Es schauen zu (von links): Anni Knäbe, Lena Wilke, Viola Krämer und Biedenkopfs Hauptamtsleiter Jürgen Niess. (Foto: Röder)
Eine Spende für die gute Tat und Schokolade für die Sternsinger Mia Pfeifer, Marlene Drexler und Sebastian Lixfeld von Bürgermeister Bernd Schmidt. (Foto: Röder)
Mit Aufkleber statt Kreide: Simon Lixfeld setzt die Tradition im Dautpher Rathaus fort. (Foto: Röder)
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Ordentlich aufgereiht steht das Quartett da. Ihm gegenüber: die Mitarbeiter der Verwaltung aus dem Biedenkopfer Rathaus; allen voran Hauptamtsleiter Jürgen Niess. Dann ertönen die ersten Stimmen: „Wir sind hier im Auftrag Gottes, seine Botschaft treibt uns an – Licht und Hoffnung woll‘n wir geben, dass es jeder sehen kann.“ Die Sternsinger der katholischen Kirchengemeinde St. Josef in Biedenkopf sind dieser Tage wieder im Hinterland unterwegs.

Die Dautpherin Anni Knäbe begleitet die Sternsinger seit mittlerweile 27 Jahren

Doch bei diesem ersten Stopp der ersten Gruppe im Biedenkopfer Rathaus wird deutlich, dass sich die Tradition gewandelt hat. Die Sternsinger, früher größtenteils Kinder, sind mittlerweile häufig Jugendliche; hier, in Biedenkopf, sind dies Anna-Lisa Urspruch, Viola Krämer und Lena Wilke. „Der Nachwuchs fehlt größtenteils“, stellt die Dautpherin Anni Knäbe, die die Sternsänger-Aktion seit mittlerweile 27 Jahren begleitet, fest. Länger als Anni Knäbe ist übrigens nur ihr Sohn Dominik dabei; nämlich seit Beginn des Brauches im Jahr 1992 – anfangs selbst als einer der drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar, heute als Betreuer.

Noch bis Samstag, 6. Januar, sind die St. Josef-Sternsänger in Biedenkopf und seinen Stadtteilen unterwegs; die Gemeinde Dautphetal haben sie dann schon nahezu komplett abgegrast. Aufgeteilt sind die insgesamt 29 Kinder und Jugendlichen und ihre zehn Begleiter in mehrere Gruppen. „Von Mittwoch bis Samstag werden wir etwa 200 Privathaushalte besuchen und den Segen bringen“, sagt Anni Knäbe. Hinzu kommen die Seniorenzentren in Biedenkopf, Wallau und Dautphe, die Kindergärten in Herzhausen, Holzhausen und Mornshausen und das Dautpher MGV-Vereinsheim.

Nach dem Biedenkopfer sind die Sternsänger auch im Dautpher Rathaus. „Wind und Wetter halten euch nicht davon ab, den Segen zu verbreiten“, freut sich Dautphetals Rathauschef Bernd Schmidt (FW) über den Besuch von Mia Pfeifer, Marlene Drexler und Simon Lixfeld. Nach dem Lied und dem Vortrag eines kleinen Verschens wird das (Rat-)Haus mit der Formel 20-C+M+B-18 am Türrahmen gesegnet. Dabei handelt es sich um die lateinische Segens-Formel „Christus mansionem benedicat“, die so viel bedeutet wie „Christus segne dieses Haus“. Diese wird übrigens nicht mehr mit Kreide angebracht, sondern aufgeklebt – auch hier hat sich der Brauch etwas geändert. „Das ist praktischer“, sagen die Sternsinger einhellig.

Was gleich geblieben ist, ist die Freude bei den Besuchen: „Es ist jedes Jahr immer aufs neue eine Freude, wenn die Sternsinger kommen“, sagt Bernd Schmidt. „Und unser Haus wurde durch den Segen immer gut behütet.“

 

DAFÜR SAMMELN DIE STERNSINGER IN DIESEM JAHR

Der Sinn des Sternsingerbrauchs ist es nicht nur, den Menschen den Segen zu erteilen, sondern auch für Not leidende Kinder in aller Welt zu sammeln. Die Aktion, die mit komplettem Namen Dreikönigssingen heißt, ist die größte Solidaritäts- und Spendenaktion von Kindern für Kinder weltweit. Seit Beginn im Jahr 1959 haben die Sternsinger insgesamt eine Milliarde Euro gesammelt.
Die diesjährige Aktion steht unter dem Motto „Segen bringen, Segen sein. Gemeinsam gegen Kinderarbeit – in Indien und weltweit!“. Über 150 Millionen Mädchen und Jungen auf der Welt müssen arbeiten, und Indien ist das Land mit den meisten arbeitenden Kindern weltweit.

„In den Workshops wurde den Kindern heute noch mal deutlich, was Kinderarbeit für ihre Altersgenossen bedeutet. Sie haben erfahren, wie sinnvoll es ist, sich als Sternsingerinnen und Sternsinger zu engagieren. Arbeiten zu müssen heißt für Kinder, nicht lernen zu können, nicht frei spielen zu können und ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Die Sternsingerinnen und Sternsinger helfen dabei, dass diese Kinder wieder eine Perspektive bekommen“, so Pfarrer Dirk Bingener, Bundespräses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), bei der Eröffnung der 60. Aktion Dreikönigssingen in Trier am 29. Dezember 2017. „Und auch wir können etwas gegen Kinderarbeit direkt und unmittelbar tun, indem wir zum Beispiel darauf achten, was wir für Produkte kaufen.“

Träger der Aktion Dreikönigssingen sind das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Seit ihrem Start 1959 hat sich die Aktion zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Mehr als eine Milliarde Euro wurden seither gesammelt, mehr als 71 700 Projekte und Hilfsprogramme für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa unterstützt. Bei der 59. Aktion zum Jahresbeginn 2017 hatten die Mädchen und Jungen aus 10 328 Pfarrgemeinden, Schulen und Kindergärten rund 46,8 Millionen Euro gesammelt. Mit den Mitteln fördert die Aktion Dreikönigssingen weltweit Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Pastoral, Ernährung, soziale Integration und Nothilfe. (crö)


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